
KI-Investitionen: Wie sie Gehälter beeinflussen und die Arbeitswelt verändern
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Unternehmen tätigen derzeit enorme Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) und hochqualifizierte KI-Talente. Diese Ausgaben könnten jedoch weitreichende Folgen für die Mitarbeitervergütung haben, da Firmen Wege suchen, die hohen Kosten zu kompensieren.
Hohe Investitionen in KI belasten Unternehmensbudgets
Die Ausgaben für KI steigen rasant. Laut dem Forschungsunternehmen IDC wird erwartet, dass Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern in diesem Jahr durchschnittlich 13,7 Millionen US-Dollar für KI-Hardware, Cloud-Infrastruktur, Software und Dienstleistungen ausgeben werden. Dies entspricht einem Anstieg von 78 % gegenüber dem Jahr 2025. Rocki-Lee DeWitt, Managementprofessorin an der University of Vermont, betont: „Sie müssen KI irgendwie bezahlen. Es ist nicht billig.“
Auch Branchengrößen wie Nvidia-CEO Jensen Huang zeigen sich besorgt über die Ausgaben. Er äußerte im „All-In Podcast“, er wäre „zutiefst beunruhigt“, wenn einer der Top-Ingenieure seines Chip-Giganten zu wenig für KI-Tokens ausgäbe. Venture-Kapitalist Chamath Palihapitiya sprach in derselben Sendung seine Besorgnis über explodierende KI-Rechnungen in seinem Startup aus. Trotz dieser massiven Investitionen berichteten 95 % der Organisationen in der ersten Hälfte des Jahres 2025 laut einer MIT-Studie keinen messbaren ROI aus ihren KI-Initiativen.
KI-Kosten: Auswirkungen auf die Mitarbeitervergütung
Angesichts der hohen KI-Kosten sowie externer Faktoren wie Zöllen und hoher Inflation sehen sich Unternehmen gezwungen, andere Ausgaben zu drosseln. Eine Umfrage von ResumeBuilder.com unter 866 Führungskräften und Senior Managern ergab, dass 58 % planen, die Mitarbeitervergütung bis Ende dieses Jahres zu reduzieren, um ihre KI-Investitionen zu finanzieren.
Am stärksten betroffen sind demnach Boni und Aktienprämien, gefolgt von Gehaltserhöhungen, Sozialleistungen und Grundgehältern. Jessica Kriegel, Chief Strategy Officer bei Culture Partners, merkt an, dass Mitarbeiter aufgrund des angespannten Arbeitsmarktes „keine Verhandlungsmacht haben“. Sie würden kleinere Gehaltserhöhungen akzeptieren, um Risiken zu vermeiden. Insbesondere kleine Unternehmen könnten eher dazu neigen, die Mitarbeitervergütung oder Zusatzleistungen zu kürzen, anstatt Arbeitsplätze abzubauen. Die Prognose des Conference Board für durchschnittliche Gehaltserhöhungen liegt für dieses Jahr weiterhin bei 3,4 %, dem gleichen Wert wie 2025.
Die Rolle der KI bei Gehaltsentscheidungen: Vertrauen und Skepsis
Interessanterweise wächst gleichzeitig das Vertrauen der Arbeitnehmer in die Künstliche Intelligenz, wenn es um Gehaltsentscheidungen geht. Eine Umfrage zeigt, dass zwei Drittel der Jobkandidaten eher eine Stelle bei einem Unternehmen annehmen würden, das KI für Gehaltsentscheidungen nutzt. Jeder dritte Mitarbeiter vertraut KI sogar mehr als seinen Managern bei der Festlegung der Vergütung, da die Technologie als objektiver und transparenter wahrgenommen wird.
Tom McMullen von Korn Ferry erklärt, dass Mitarbeiter KI als Mittel sehen, Gehaltsverhandlungen zu ersetzen und Manager-Bias zu mindern, da sie große Datensätze zur Leistungsbewertung heranzieht. Dies gilt insbesondere für Frauen und unterrepräsentierte Gruppen, die KI nutzen, um ihre Herangehensweise an Gehaltsungleichheiten zu überdenken. Stephen Lams, ebenfalls von Korn Ferry, beschreibt KI als „sicheren Raum“, um Fragen zu stellen, die man normalerweise nicht mit Kollegen oder Vorgesetzten besprechen würde. Rund 50 % der Unternehmen haben bereits KI-Prozesse zur Unterstützung von Vergütungsentscheidungen implementiert oder entwickeln diese.
Kritiker warnen jedoch davor, KI blind zu vertrauen. Tanyth Lloyd von Korn Ferry betont, dass KI Bias nur reduzieren kann, wenn die Trainingsdaten selbst unvoreingenommen sind. Daisy Grewal von Korn Ferry warnt zudem, dass KI Frauen, die sich zu Gehaltsfragen beraten lassen, möglicherweise schlechtere oder entmutigendere Ratschläge geben könnte als Männern. Trotz des wachsenden Vertrauens bevorzugen zwei Drittel der Mitarbeiter immer noch einen Manager bei Gehaltsstreitigkeiten. Das bevorzugte Modell scheint eine Kombination zu sein, bei der KI die Leitplanken vorgibt und Manager die endgültige Entscheidung treffen, wenn etwas nicht stimmig erscheint.
Wie Mitarbeiter ihren Wert im KI-Zeitalter sichern können
Trotz der angespannten Lage können Mitarbeiter weiterhin erfolgreich für eine Gehaltserhöhung argumentieren. Kris Erickson, Mitbegründerin von Workforce Science Associates, rät dazu, in den „Verkaufsmodus“ zu wechseln und sich „unverzichtbar“ zu machen.
Angesichts der hohen KI-Investitionen sollten Mitarbeiter hervorheben, welche Produktivitätssteigerungen sie durch den Einsatz von KI erzielt haben. David Gaspin, HR-Experte und Executive Coach, betont, dass bloße KI-Kenntnisse heute „Grundvoraussetzung“ sind. Entscheidend ist vielmehr, zu zeigen, was KI nicht ersetzen kann:
- Erfahrung: Langjähriges Wissen und Kontextverständnis.
- Urteilsvermögen: Die Fähigkeit, komplexe Situationen zu bewerten und fundierte Entscheidungen zu treffen.
- Einzigartige Perspektive: Individuelle Sichtweisen und kreative Lösungsansätze.
Unternehmen sehen ein Risiko im Weggang von Mitarbeitern, die diesen einzigartigen, quantifizierbaren Wert zum Geschäft beitragen.