KI-Rechenzentren: Boom, Kreditrausch und die Angst vor einer Blase

KI-Rechenzentren: Boom, Kreditrausch und die Angst vor einer Blase

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Der rasante Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI) befeuert einen beispiellosen Boom im Bau von Rechenzentren, der von einem intensiven Kreditrausch begleitet wird. Während Milliarden in die Infrastruktur fließen, mehren sich die Stimmen, die vor einem möglichen Überangebot und einer Finanzblase warnen, die erhebliche Schmerzen für Eigenkapital- und Kreditgeber verursachen könnte.

Ein beispielloser Finanzierungsbedarf

Die KI-Revolution erfordert massive Investitionen in die Infrastruktur. Schätzungen zufolge könnten die Gesamtkosten für den Ausbau bis zu 10 Billionen US-Dollar erreichen. McKinsey & Co. prognostiziert, dass allein für Rechenzentren, einschließlich jener für KI, bis 2030 fast 7 Billionen US-Dollar benötigt werden.

OpenAI plant beispielsweise, 1,4 Billionen US-Dollar in die KI-Infrastruktur zu investieren und wäre bereit, noch mehr auszugeben, wenn die Rechenkapazität verfügbar wäre. Bruce Flatt, CEO von Brookfield, spricht von 5 bis 10 Billionen US-Dollar an Ausgaben für den KI-Rollout und betont, dass dies Summen sind, die noch nie zuvor investiert wurden.

Warnsignale am Horizont

Die aktuelle Entwicklung zeigt besorgniserregende Parallelen zu früheren Hype-Zyklen. So wurden bereits zwei Rechenzentrums-Milliardäre gekürt, bevor überhaupt etwas gebaut wurde. Kreditnehmer fordern Darlehen von bis zu 150 % der Baukosten, wobei die Wertsteigerung der Anlage nach Mietbeginn als Begründung dient.

Howard Marks, Mitbegründer von Oaktree Capital Management LP, warnt: „Ein zentrales Risiko ist die Möglichkeit, dass der Boom im Rechenzentrums-Bau zu einem Überangebot führt. Einige Rechenzentren könnten unwirtschaftlich werden, und einige Eigentümer könnten bankrottgehen.“ Sadek Wahba, Chairman und Managing Partner bei I Squared Capital, merkt an: „Die Dynamik ist stark, aber wenn dies irrationale Überschwänglichkeit ist, werden Investoren verlieren, wenn die Musik aufhört.“

Kreative Finanzierungsstrukturen und ihre Risiken

Um die enormen Investitionen zu stemmen und gleichzeitig die Bilanzen zu entlasten, greifen Unternehmen zu komplexen Finanzierungsstrukturen. Kreditgeber zerlegen Schulden in Tranchen und verkaufen sie an andere Investoren weiter, was die Transparenz verringert. Vinay Nair, CEO der Fintech-Plattform TIFIN, kommentiert: „Man verteilt dieses Risiko im System. Bei einem Rückgang glaube ich nicht, dass wir alle Ripple-Effekte durch diesen Kreditkanal vollständig verstehen.“

Einige Kreditnehmer verlagern das Risiko von KI-Rechenzentren mithilfe von Verbriefungsmärkten von ihren Bilanzen. Hier werden Schulden in verschiedene Risikostufen unterteilt und von Versicherern und Pensionsfonds erworben. Auch bei Grafikprozessoren (GPUs) zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Hyperscaler wie Microsoft und Google nutzen zudem sogenannte synthetische Leasingverträge, die Verbindlichkeiten in der Bilanz begrenzen, aber steuerliche Vorteile durch Abschreibungen ermöglichen.

Steigende Verschuldung und Refinanzierungsrisiken

Die hohe Verschuldung ist ein weiteres großes Anliegen, insbesondere angesichts der Möglichkeit, dass die Technologie die hohen Erwartungen nicht erfüllen könnte. In einem solchen Szenario könnten Kreditgeber zögerlicher bei der Refinanzierung sein, was Unternehmen zwingen würde, zusätzliches Eigenkapital zu finden oder höhere Zinsen zu zahlen. Es besteht die Gefahr, dass in drei bis fünf Jahren, wenn die jetzt finanzierten Anlagen refinanziert werden müssen, weniger Kreditmittel zur Verfügung stehen.

Howard Marks hinterfragt die Renditen der von Hyperscalern zur Finanzierung von KI-Investitionen verkauften Schulden. Die Spanne liege manchmal nur etwa 100 Basispunkte über US-Staatsanleihen, was ihn fragen lässt, ob es „umsichtig ist, 30 Jahre technologischer Unsicherheit zu akzeptieren, um eine festverzinsliche Anlage zu tätigen, die wenig mehr als risikofreie Schulden abwirft?“ Michelle Russell-Dowe von Schroders Capital kritisiert zudem bestimmte Master-Trust-Strukturen, die eine Rotation von Vermögenswerten alle paar Jahre erlauben, als schwer zu bewerten.

Marktreaktionen und regulatorische Beobachtung

Die Marktstimmung ist bereits angespannt. Die Bewertung des Nuklear-Startups Fermi Inc. sprang nach dem Börsengang kurzzeitig auf über 19 Milliarden US-Dollar, fiel aber wieder unter den Emissionskurs. Auch die Aktien von Meta Platforms Inc. und Oracle Corp. wurden durch Bedenken hinsichtlich der Ausgaben für Rechenzentren belastet.

Angesichts der wachsenden Bedenken haben auch Regulierungsbehörden ein Auge auf den Sektor geworfen. Die Bank of England überprüft derzeit die Kreditvergabe an Rechenzentren aufgrund der Sorge über das Ausmaß der Ausgaben und Finanzierungen. Scott Wilcoxen, Global Head of Digital Infrastructure Investment Banking bei JPMorgan Chase & Co., beschreibt die aktuelle Finanzierungssituation treffend mit dem Satz: „everything everywhere all at once“.

Erwähnte Persönlichkeiten