
KI-Revolution: Auch Handwerk und Blaue-Kragen-Jobs vor Umbruch?
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Künstliche Intelligenz (KI) verändert den Arbeitsmarkt rasant, wobei zunächst vor allem Büroarbeitsplätze betroffen sind. Doch auch Fachkräfte im Handwerk sollten sich nicht in Sicherheit wiegen, denn Experten prognostizieren, dass die Automatisierung auch physische Berufe zunehmend umgestalten wird. Diese Entwicklung wirft wichtige Fragen zur Zukunft der Arbeit auf.
KI-Revolution: Zuerst die Büroarbeit
Fred Voccola, CEO der Simpro Group, einem Softwareentwickler für Handwerker, betont, dass die frühe KI-Adoption hauptsächlich auf White-Collar-Rollen abzielte. Er sagte in einem Interview mit Business Insider in London: "Der Hammer wird zuerst und am härtesten in der White-Collar-Welt zuschlagen." Als Beispiel nannte er sein eigenes Unternehmen, wo die Content-Marketing-Abteilung innerhalb eines Jahres von 17 auf 2 Mitarbeiter reduziert wurde, während gleichzeitig mehr Inhalte produziert wurden – dank KI.
Generell wird angenommen, dass KI vor allem Berufe mit mittlerem bis hohem Einkommen im White-Collar-Bereich stören wird. Obwohl ein hoher Aufgaben-Overlap nicht zwangsläufig eine vollständige Ersetzung bedeutet, kann die Automatisierung einfacherer Tätigkeiten die verbleibende Arbeit anspruchsvoller und wertvoller machen, was potenziell zu höheren Löhnen führt, aber die Gesamtzahl der benötigten Mitarbeiter reduziert.
Blaue-Kragen-Berufe nicht immun
Obwohl qualifizierte Handwerksberufe wie Elektriker, Klempner oder Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechniker (HLK) derzeit noch relativ geschützt sind, da ihre Arbeit handfest und schwerer zu automatisieren ist, wird dieser Vorteil laut Voccola nicht von Dauer sein. "Ich denke, dass es auch in der Blue-Collar-Branche weniger Arbeitsplätze geben wird, in jeder Branche der Welt, im Laufe der Zeit, wenn wir von 10 Jahren sprechen, zu 100%, es wird jeden betreffen", so Voccola.
Er erwartet, dass Robotik innerhalb von zwei bis drei Jahren zum Mainstream wird und innerhalb von zehn Jahren mindestens 50 % der Handwerksaufgaben übernehmen könnte. Diese Prognose steht im Gegensatz zur weit verbreiteten Ansicht, dass Blue-Collar-Arbeit im Zeitalter der KI widerstandsfähiger sein könnte.
Robotik und KI im Handwerk: Schneller, sicherer, effizienter
Die nächste Phase der Disruption wird laut Voccola aus einer Mischung aus KI-gestützter Software und Robotik bestehen. Simpro selbst entwickelt bereits Robotik-Technologien, die Ende des Jahres aus dem Labor kommen sollen. Diese könnten in Bereichen wie Verkabelung, Inspektionen und Rettungseinsätzen menschliche Arbeitskräfte unterstützen.
Voccola sieht Maschinen in vielen Anwendungsfällen dem Menschen überlegen, darunter die Verkabelung von Rechenzentren, die Inspektion von Infrastruktur und die Navigation in engen oder gefährlichen Umgebungen. Er betonte: "Verkabelung, das Durchgehen – anstatt die gesamte Infrastruktur zu graben – kleine Nanobots und Robotik zu schicken, um zu sehen, wo die Probleme sind, viel Entdeckung von Dingen, viel elektrische Prüfung. Das sind Dinge, die Roboter schneller, effizienter, billiger und sicherer erledigen können."
Unternehmen wie Instawork nutzen bereits Gig-Worker, um reale Daten für das Training von Robotern zu generieren. Hersteller wie Aquant und Gecko Robotics setzen KI-gestützte Robotik und Sensoren ein, um Geräteausfälle frühzeitig zu erkennen und so kostspielige Pannen zu vermeiden und die Effizienz zu steigern. Ein Simpro-Sprecher betonte, dass es nicht darum gehe, erfahrene Techniker zu ersetzen, sondern ihnen zu helfen, effizienter mehr zu leisten.
Kontrastierende Ansichten und die menschliche Komponente
Voccolas Einschätzung steht im Gegensatz zu einer wachsenden Meinung unter Tech-Führungskräften und Forschern. Eine Harris Poll vom Februar ergab, dass 76 % der Amerikaner glauben, dass Berufe, die auf praktischer Erfahrung basieren, weniger wahrscheinlich durch KI ersetzt werden. Prominente Stimmen wie Elon Musk, der physische Arbeit länger existieren sieht als digitale Rollen, und Nvidia-CEO Jensen Huang, der eine steigende Nachfrage nach Fachkräften für den Aufbau der KI-Infrastruktur prognostiziert, teilen diese Ansicht.
Meta-Präsidentin Dina Powell McCormick merkte an, dass die USA in den kommenden Jahren Hunderttausende von Elektrikern für den Aufbau der KI-Infrastruktur benötigen werden. Voccola bestreitet zwar nicht, dass die Nachfrage kurzfristig steigen könnte, ist aber überzeugt, dass sich die Kräfte, die die Büroarbeit umgestalten, langfristig auch auf die physische Welt ausdehnen werden und keine Berufskategorie vollständig isoliert bleiben wird.
Trotz der Automatisierung bleiben bestimmte menschliche Fähigkeiten unverzichtbar. KI ist in ihrer Fähigkeit begrenzt, komplexe Problemlösungen, hochrangiges Management und soziale Interaktion zu übernehmen. Diese sind jedoch wesentliche Fähigkeiten in Handwerks- und Gesundheitsberufen. Selbst wenn KI Routineaufgaben automatisieren kann, erfordert die Ausführung der Arbeit im Handwerk menschliches Urteilsvermögen, manuelle Geschicklichkeit und die Fähigkeit, auf Echtzeit-Herausforderungen zu reagieren. Auch Empathie und der Aufbau von Kundenbeziehungen sind Aspekte, die Technologie nicht so leicht ersetzen kann.
Die ungewisse Zukunft der Arbeit
Die Geschwindigkeit und das Ausmaß des KI-gesteuerten Wandels sind laut Voccola beispiellos und werfen schwierige Fragen über die Zukunft der Arbeit auf. Er fasst seine Gefühle zusammen: "Ich finde es beängstigend." Die Diskussion über die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt ist komplex und vereint Optimismus mit Besorgnis, während Industrien und Arbeitnehmer die potenziellen Vorteile gegen die unvermeidlichen Konsequenzen abwägen.