
KI-Revolution: Cisco warnt vor Überlastung und sucht Top-Talente
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Die Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) verspricht Unternehmen erhebliche Produktivitätssteigerungen, birgt aber auch Fallstricke im Umgang mit der neu gewonnenen Zeit der Mitarbeiter. Kelly Jones, Chief People Officer (CPO) bei Cisco, betont, dass es entscheidend ist, Innovation nicht zu ersticken, indem man Angestellte nach KI-bedingten Zeitersparnissen mit zusätzlichen Aufgaben überhäuft. Diese Herausforderung prägt die aktuelle Transformation der Arbeitswelt.
KI-Produktivität: Chance oder Falle?
Laut Kelly Jones ist es das "Schlimmste", was Unternehmen tun können, wenn sie die KI-Einführung fördern wollen, zusätzliche Arbeit auf Mitarbeiter zu laden, sobald diese durch KI Zeit gewonnen haben. Sie warnt davor, "Innovation zu töten", gerade wenn die Experimentierphase mit KI beginnt. Stattdessen sollte KI als Werkzeug verstanden werden, das Mitarbeitern hilft, einen Teil ihres Tages zurückzugewinnen, anstatt es als weitere Anforderung des Managements zu präsentieren. Jones sagte gegenüber Business Insider, dass die meisten Mitarbeiter froh wären, Arbeitszeit zu sparen, und Unternehmen es falsch machen, indem sie sagen: "Hier sind drei neue Dinge, die wir von Ihnen erwarten."
Die Realität der KI-Adoption im Arbeitsalltag
Die Realität der KI-Adoption zeigt, dass die Tage der Mitarbeiter trotz Produktivitätsgewinnen nicht unbedingt kürzer werden. Ein Microsoft-Manager berichtete Business Insider, dass KI-Tools seine Codierungszeit – die den Großteil seiner Arbeitslast ausmachte – um 70 % reduzierten, seine Gesamtbelastung jedoch nicht sank. Viele Führungskräfte sehen KI als Möglichkeit, Zeit für "Deep Work" freizuschaufeln, anstatt den Mitarbeitern mehr Freizeit zu ermöglichen. Jones betont, dass es "keinen Nachteil" hat, wenn Mitarbeiter in kürzerer Zeit bessere Arbeit leisten. Einige Angestellte nutzen KI-Tools bereits, um Stunden von ihren Arbeitsplänen abzuziehen, beispielsweise ein Software-Ingenieur, der die Hälfte seiner Aufgaben mit KI erledigte und den Rest des Tages auf Reddit und YouTube verbrachte.
Neudefinition von Arbeit und HR-Rollen
Die Frage, was mit der durch KI gewonnenen Zeit geschehen soll, ist komplex. Kelly Jones sieht die Personalabteilung (HR) in den nächsten ein bis zwei Jahren im Fokus, um herauszufinden, wie sich Arbeit verändert, wie sie neu verteilt werden sollte und wie Unternehmen und Mitarbeiter diese Entscheidungen treffen. Sie prognostiziert: "Wir stehen wirklich an diesem Scheideweg, an dem wir uns vom Verwalten von Jobs zum Neugestalten von Arbeit bewegen werden." Die Rolle von HR wird sich darauf verlagern, Organisationen dabei zu unterstützen, zu entscheiden, welche Aufgaben Menschen und welche KI zugewiesen werden und wie beide zusammenarbeiten.
Der Kampf um KI-Talente
Parallel zur Umgestaltung bestehender Rollen kämpft die Technologiebranche mit einem extrem begrenzten Talentpool für KI- und Machine-Learning-Positionen. Kelly Jones identifiziert diese Rollen als die am schwierigsten zu besetzenden in der gesamten Technologiebranche, da die Nachfrage beispiellos hoch ist und der qualifizierte Pool sehr klein ist. Sie erklärte gegenüber Business Insider: "Der qualifizierte Pool ist so klein, und die Nachfrage ist so hoch." Praktisch jede zukunftsorientierte Organisation konkurriert um dieselben spezialisierten Talente für Produktentwicklung und interne IT-Operationen.
Um Elite-KI-Talente zu gewinnen, setzt Cisco auf unkonventionelle Strategien. Präsident und Chief Product Officer Jeetu Patel ruft persönlich hochpriorisierte Kandidaten an, um das Unternehmen von Wettbewerbern abzuheben, die sich des "AI washing" bedienen. Jones erklärte gegenüber Business Insider, dass viele Unternehmen zwar über KI sprechen, aber keine "interessanten Dinge mit Arbeit oder Produkten" tun. Dieser direkte Kontakt hilft Kandidaten, Ciscos echte KI-Initiativen jenseits von Marketing-Rhetorik zu verstehen. Ähnliche Taktiken werden auch von anderen Tech-Größen wie Mark Zuckerberg und Sam Altman angewendet.
KI verändert Einstiegspositionen
KI verändert auch die Landschaft der Einstiegspositionen. Cisco hat beispielsweise seine Level-Eins-Kunden-Support-Rollen abgeschafft, nachdem ein KI-Assistent seit 2022 über eine Million Fälle bearbeitet hat, wie Jones HR Brew mitteilte. Dies führte jedoch nicht zu weniger, sondern zu anderen Einstiegsjobs. Ehemalige Mitarbeiter des ersten Supports wurden in Level-Zwei-Rollen versetzt, was eine komplette Neugestaltung des Onboarding-Prozesses erforderte. Neueinstellungen müssen nun die "Lerninhalte von Level Eins" erhalten, um komplexere Kundenprobleme zu lösen, die menschliches Urteilsvermögen erfordern.
Cisco's Ansatz: Zeitgewinn statt Kostensenkung
Cisco nutzt KI nicht nur zur Kostenreduzierung, sondern auch, um Mitarbeitern Zeit zurückzugeben. Das Unternehmen hat KI-Agenten eingeführt, die HR-Fragen beantworten und administrative Aufgaben automatisieren. Dies könnte den 86.000 Mitarbeitern von Cisco potenziell fünf Prozent ihrer Arbeitszeit zurückgeben, wie Fortune berichtete. Bei der Besetzung von KI- und ML-Rollen achtet Cisco zudem nicht nur auf technische Fähigkeiten, sondern auch auf intellektuelle Neugier, emotionale Agilität und Führungsqualitäten.