
KI revolutioniert Consulting: Das Ende der Generalisten-Ära?
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Die 400 Milliarden Dollar schwere Welt der Strategieberatung wird durch Künstliche Intelligenz (KI) neu beleuchtet, was den Reiz hochbezahlter Geschäftsstrategen trüben könnte. Während viele Beratungsfirmen betonen, wie KI ihre Berater schneller und effektiver macht, nimmt die Nachfrage nach Management Consultants, die als Generalisten gelten, ab. Im Zeitalter der Large Language Models (LLMs) wird ihr Rat weniger wertvoll, und der Druck auf Berater, granularere Expertise und Spezialisierung zu entwickeln, steigt.
KI als Katalysator für den Wandel
Künstliche Intelligenz ist der größte Treiber der Consulting-Nachfrage. Unternehmen suchen Berater nicht nur für die Entwicklung von KI-Strategien, sondern auch für deren Implementierung, Skalierung und Governance in ihren Organisationen. Eine KI-gestützte Leistungserbringung ist mittlerweile eine Grundvoraussetzung für Beratungsfirmen. Laut einem Bericht von Source Global wird die Cybersicherheitsberatung mit einem Wachstum von 14% der am schnellsten wachsende Dienstleistungsbereich in den USA sein. Im Gegensatz dazu wird die Beratung in den Bereichen HR, Change und Personalstrategie in diesem Jahr voraussichtlich nur um 2% wachsen.
Die Integration von KI verändert auch die internen Abläufe der Beratungsfirmen grundlegend. Viele wenden das "Client Zero"-Prinzip an, bei dem sie generative KI und agentische Workflows zuerst in ihren eigenen Operationen testen und verfeinern, bevor sie diese bei Kundenprojekten einsetzen. Dies führt zu einer erheblichen Beschleunigung der Lieferzeiten. Eine Studie des BCG Henderson Institute zeigt, dass Berater durch den Einsatz von KI eine Verbesserung von bis zu 49% bei Aufgaben außerhalb ihres Fachgebiets erzielen können. Für einige Firmen machen Beratungsleistungen im Bereich Unternehmens-KI und Forschung bereits bis zu 30% des Gesamtumsatzes aus.
Der Niedergang des Generalisten
Die Umwälzung ist noch lange nicht vorbei. Branchenexperten gehen davon aus, dass KI weitere 25% der Management Consultants verdrängen könnte, da Unternehmen sich von Generalisten abwenden und Berater stärker für Ergebnisse zur Rechenschaft ziehen. Laut einer Analyse von Revelio Labs für Business Insider erleben Management Consultants, die allgemeine Geschäftsstrategien anbieten, den härtesten Arbeitsmarkt seit 2008.
Namaan Mian, Chief Operating Officer von Management Consulted, schätzt, dass die Nachfrage nach breiteren Strategieberatern in den nächsten fünf Jahren um weitere 10% zurückgehen könnte. James Ransome, Leiter der Strategie- und Managementberatungs-Executive-Search bei Patrick Morgan, prognostiziert, dass sich das Verhältnis von Generalisten zu Spezialisten in Beratungsfirmen von 80-20 auf 60-40 verschieben könnte, was der Verdrängung von etwa einem Viertel der Management Consultants entspricht. Er betont: "Es ist die KI, die die Pyramide verändert." Kunden erwarten nicht mehr nur ein paar Folien und ein Daumen hoch, sondern Individuen, die Mehrwert schaffen und idealerweise Branchenerfahrung mitbringen.
Spezialisierung als Erfolgsfaktor
Während der breitere Arbeitsmarkt für Berater stagniert, bleibt die Nachfrage nach spezialisierten Beratern hoch. Revelio-Daten zeigen, dass die Einstellung von Beratern mit Nischenfokus in Bereichen wie Nachhaltigkeit, Verteidigung, Lieferketten und Technologie stärker ist als die Einstellung von allgemeinen Management Consultants. Management Consulted schätzt, dass die Einstellung von Spezialisten in den letzten drei Jahren um 20% bis 35% zugenommen hat. Für die nächsten fünf Jahre wird ein Anstieg von bis zu 60% erwartet, hauptsächlich getrieben durch die Nachfrage nach Fähigkeiten in KI, Daten und Expertise in anderen Branchen.
Große Beratungsfirmen passen sich an:
- Deloitte plant eine Überarbeitung seiner Jobtitel in den USA, um detailliertere Bezeichnungen einzuführen, die den "Job Family" oder den Schwerpunkt eines Mitarbeiters widerspiegeln.
- McKinsey sucht zwar weiterhin Generalisten, legt aber zunehmend Wert auf die Fähigkeit der Berater, mehrere Fachgebiete zu integrieren. Yuval Atsmon, CFO von McKinsey, betont den Fokus auf Talente mit einem höheren "Tech Quotient" und "AI Quotient".
- Die **Boston Consulting Group (BCG)** stellt mehr Spezialisten in Bereichen wie KI, Technologie, Lieferketten und Marketing ein. Brian Myerholtz, Senior Partner bei BCG, erklärt, dass Berater heute früher eine Expertise entwickeln müssen, beispielsweise nach ein oder zwei Beförderungszyklen.
James Ransome hebt hervor, dass Spezialisierung heute einen Berater auszeichnet. Seine Firma hat in den letzten zwei Jahren eine Verdreifachung der Kundenanfragen für Kandidaten mit spezifischer Branchenerfahrung gegenüber reinen Beratungs-Hintergründen festgestellt.
Veränderte Erwartungen und Vergütungsmodelle
Die Zeiten, in denen Berater Stunden für eine Folienpräsentation abrechneten, könnten der Vergangenheit angehören. Tom Rodenhauser, Managing Partner von K2 Consulting Research, sagt, dass die Existenz von KI den Wert reiner Geschäftsstrategie untergraben hat. KI hat auch das stundenbasierte Abrechnungsmodell der Beratung neu geordnet. Da die Technologie Forschung und andere Prozesse beschleunigt, verlagern sich mehr Firmen auf ergebnisorientierte Preisgestaltung in Kombination mit Festpreisen. Dies führt zu einem erneuten Fokus der Branche auf Implementierung und Wert statt bloßer Aktivität.
- McKinsey generierte im November rund ein Viertel seiner Gebühren aus ergebnisorientierter Preisgestaltung.
- Bei der Big-Four-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sind die abrechenbaren Stunden in "einem wirklich großen Teil" des Geschäfts bereits abgeschafft, so Rob Fisher, Vice Chair of Advisory bei KPMG US. Das alte Modell sei keine genaue Darstellung der Kosten oder des gelieferten Werts.
- Kunden bevorzugen Festpreise oder ergebnisgebundene Modelle, da sie das Potenzial für steigende Gebühren bei längeren Projektlaufzeiten eliminieren.
Namaan Mian von Management Consulted berichtet, dass mehr Firmen den Umsatz pro Mitarbeiter als Leistungskennzahl betonen. Brian Myerholtz von BCG fügt hinzu, dass der Fokus auf "Impact, nicht nur Insight" ein immer wichtigerer Bestandteil der Bewertungskriterien ist.
Die Zukunft der Beratungsbranche
Tom Rodenhauser glaubt, dass die Nachfrage nach technischen Beratern die Nachfrage nach allgemeinen Management Consultants in den nächsten Jahren übertreffen wird. In der neuen Ära der Beratung wird ein Partner eher als "Domain Expert" in seiner Nische angesehen. Rodenhauser ist der Meinung, dass die Branche eine Art existenzielle Krise durchmacht, da Firmen neu definieren, was es bedeutet, ein Berater zu sein. Er merkt an, dass die großen Akteure privat wissen, dass sich die Branche unwiderruflich verändert und viele Firmen schrumpfen sollten.