KI revolutioniert Consulting: Talentstrategie im Wandel der Finanzbranche

KI revolutioniert Consulting: Talentstrategie im Wandel der Finanzbranche

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Die Künstliche Intelligenz (KI) treibt in der Beratungsbranche den größten Talentumbruch aller Zeiten voran. Top-Firmen wie Boston Consulting Group, McKinsey und PwC verlagern ihren Fokus von traditionellen Beratungsleistungen hin zu mehrjährigen, KI-gesteuerten Transformationsprojekten. Dies erfordert eine Neudefinition des idealen Beraterprofils und eine umfassende Anpassung der Personalstrategien.

Ein Paradigmenwechsel in der Beratung

Der Wandel ist fundamental: Reine Beratungsleistungen, die oft in Präsentationen münden, werden zunehmend durch den Aufbau, die Implementierung und die Wartung von KI-Tools für Unternehmen ersetzt. Dies erfordert technologische Expertise anstelle primärer Recherchekenntnisse. Gert De Geyter, ehemaliger KI-Leiter bei Deloitte US, der im Juli zu dem KI-Startup Teragonia wechselte, stellte fest: "Einem Kunden rein eine Armee von Beratern vorzuschlagen, funktioniert nicht mehr wirklich." Statt des "reinen traditionellen Beraters" suchen Firmen nun eine Mischung aus "Generalisten und technischen Experten".

Der Aufstieg der Technologen

Die Einstellung von Technologen wird aggressiv vorangetrieben. Accenture meldete in seinem jüngsten Jahresbericht, dass es in den letzten zwei Jahren fast 40.000 KI- und Datenexperten eingestellt hat, die nun etwa 10 % der weltweiten Belegschaft ausmachen. EY hat seit 2023 sogar 61.000 Technologen hinzugewonnen.

Bei McKinsey ist laut dem Workforce-Intelligence-Unternehmen Revelio Labs der "KI-Ingenieur" die am schnellsten wachsende Rolle außerhalb der Einstiegsebene, gefolgt von Beschaffungsbeauftragten, Datenwissenschaftlern und Softwareingenieuren. Die Boston Consulting Group (BCG) verzeichnet bei den Einstiegspositionen das schnellste Wachstum bei Softwareingenieuren, Frontend-Entwicklern und Python-Entwicklern. BCG, das im vergangenen Jahr 1.000 Mitarbeiter einstellte, hat die Einstellung von Technologen seit der Gründung seiner Technologie- und KI-Sparte BCG X Ende 2022 verstärkt. Sylvain Duranton, Global Leader von BCG X, beschreibt dies als den Aufbau "eines Technologieunternehmens innerhalb einer Beratungsfirma".

Die Suche nach Hybrid-Talenten

Für Firmen wie McKinsey und BCG ist die gefragteste Einstellung im KI-Zeitalter nicht der reine Ingenieur oder der reine Berater, sondern jemand, der sich zwischen beiden Welten bewegen kann. Alex Singla, Senior Partner bei McKinsey und Co-Leiter der KI-Sparte QuantumBlack, erklärt, dass man Menschen finden möchte, die sowohl das Potenzial zum großartigen McKinsey-Berater als auch zum großartigen Technologen haben, um sie dann zu beidem auszubilden. Kandidaten suchen ebenfalls nach hybriden Rollen, da viele weder jahrelang Produkte für Cloud-Unternehmen entwickeln noch rein traditionelle Berater sein wollen. McKinsey sucht nach "5Xern" – Experten in einem Bereich, die aber drei oder vier andere Dinge gut beherrschen.

QuantumBlack, mit seinem 1.700-köpfigen Team, treibt 40 % der KI-Initiativen von McKinsey voran. Darüber hinaus gibt es bei McKinsey etwa 3.500 Mitarbeiter, die interne Technologie entwickeln, und weitere 4.000 bis 5.000 Berater, die die technische Arbeit von der geschäftlichen Seite leiten, ohne unbedingt über technische Expertise zu verfügen.

Umschulung als strategische Priorität

Nach einer Phase der aggressiven Personalaufstockung während der Pandemie und einer anschließenden Verlangsamung der Nachfrage nach Beratungsleistungen, konzentrieren sich Firmen nun auf Rollen, die Wert statt reiner Arbeitskraft liefern. Dieser Fokus hat sich mit dem Aufkommen der KI noch verstärkt, was zu massiven Investitionen in die Weiterbildung der bestehenden Belegschaft führt. Saurabh Sarbaliya, KI-Leiter bei PwC, betont: "Jeder muss sich der Tatsache stellen, dass KI explosionsartig auf den Plan getreten ist." Die Nachfrage nach Menschen, die KI im Unternehmen zum Laufen bringen können, werde nur wachsen, aber es gebe nicht genug Experten, weshalb man sich auf die Umschulung der bestehenden Belegschaft konzentrieren müsse.

KPMG priorisiert ebenfalls die Umschulung gegenüber Neueinstellungen. Sam Gloede, Global Trusted AI Leader bei KPMG, spricht von einem Fokus auf "Upskilling, Literacy und Learning". EY verfolgt einen ähnlichen Ansatz und hat im Oktober eine zweiwöchige Lernveranstaltung durchgeführt, um Mitarbeitern den Bau von KI-Agenten für den täglichen Gebrauch beizubringen. Zudem wurden 15-stündige Kurse zu Themen wie KI-Engineering, angewandte KI und KI-Compliance eingeführt. Fast 100.000 Mitarbeiter – etwa ein Viertel der Belegschaft – haben ein digitales "KI-Abzeichen" für den Abschluss eines dieser Kurse erhalten.

Die anhaltende Bedeutung von Soft Skills

Obwohl Technologenrollen stark gefragt sind, erfordert ein Großteil der Beratungsarbeit weiterhin keine tiefgehende Ingenieursexpertise. Traditionelle Beratungsrollen sind laut Revelio Labs global von 250.000 im Jahr 2022 auf 340.000 im Jahr 2024 gestiegen. Gert De Geyter von Teragonia merkt an, dass viele Kunden noch "ihre Zehen in den KI-Teich tauchen", weshalb überdimensionierte Lösungen nicht funktionieren. Viel hilfreicher sei es, sie bei der Einrichtung der richtigen Daten-Governance zu unterstützen, um sie auf zukünftige KI-Lösungen vorzubereiten.

Mehrere Führungskräfte betonen, dass Soft Skills angesichts der Fähigkeit von KI, spezifische quantitative Aufgaben zu erledigen, immer relevanter werden. Niale Cleobury von KPMG nennt "Einstellung" als Kernmerkmal bei der Rekrutierung. Kommunikation, Zusammenarbeit und agiles Lernen – "die Dinge, die KI nicht wirklich kann" – seien die herausragenden Qualitäten. Kate Smaje, Global Leader of Technology and AI bei McKinsey, hebt bei der Rekrutierung von Studenten und Doktoranden Elemente wie Urteilsvermögen, konzeptionelles Denken bei der Problemlösung, Resilienz und die Fähigkeit, schnell zu lernen, hervor. Die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen und emotionale Intelligenz, können nun den Unterschied ausmachen.

Auswirkungen auf Einstiegspositionen und den globalen Arbeitsmarkt

Die rasante Entwicklung der KI verändert auch die Einstellungspraktiken für Berufseinsteiger. Mohamed Kande, Global Chairman von PwC, erklärte am 21. November 2025 auf einem Wirtschaftsgipfel in Singapur, dass KI die Anzahl der Neueinstellungen von Hochschulabsolventen bei PwC reduzieren könnte. Aufgaben, die früher wochenlange Arbeit von Beraterteams erforderten, können nun von KI-Modellen in Minuten erledigt werden. PwC hat sein früheres Ziel, über fünf Jahre 100.000 neue Mitarbeiter einzustellen, zurückgenommen und im vergangenen Jahr weltweit über 5.600 Stellen abgebaut. Kande betonte jedoch, dass KI auch neue Möglichkeiten schaffen wird und PwC Hunderte von qualifizierten KI-Ingenieuren sucht, aber Schwierigkeiten hat, genügend Talente zu finden.

Global gesehen ist der Wandel noch umfassender. Die Internationale Arbeitsorganisation warnte im Mai, dass ein Viertel der weltweiten Arbeitsplätze von generativer KI betroffen sein könnte. Der "Future of Jobs Report 2025" des Weltwirtschaftsforums schätzt, dass 22 % der Rollen umgestaltet werden, wobei 170 Millionen neue Positionen entstehen und 92 Millionen wegfallen, was einen Nettozuwachs von 78 Millionen Arbeitsplätzen bedeutet. Forscher der Peking-Universität fanden heraus, dass Berufe wie Buchhalter, Redakteure und Junior-Programmierer eine höhere Automatisierungsexposition aufweisen, während viele Blue-Collar-Jobs weniger betroffen sind. "KI zeichnet sich durch repetitive, regelbasierte Aufgaben aus", so Forscherin Zhang Dandan. "Mittelqualifizierte Jobs sind am anfälligsten."

CEOs als Wegbereiter der KI-Transformation

Die ideale KI-Talentstrategie ist eine nahtlose Mischung aus Menschen, Fähigkeiten, Rollen und Technologie, doch die meisten Unternehmen sind noch nicht so weit. KI verändert die Arbeitsweise, aber oft nicht optimal, da sie häufig als "Patch" auf bestehende Prozesse aufgesetzt wird, was den Wert für viele Firmen schwer fassbar macht. Vinciane Beauchene, Managing Director und Partner bei BCG, rät Führungskräften, sich zu fragen: "Wie verändert KI die Art und Weise, wie wir wichtige Geschäftsergebnisse erzielen?" und "Wo machen Menschen noch den Unterschied – und welche Fähigkeiten müssen wir in unserer Belegschaft aufbauen und stärken?"

CEOs müssen die Agenda dafür festlegen, wie die Organisation den Einsatz von KI lernt – nicht nur durch andere Schulungen, sondern auch durch den Aufbau von Vertrauen in diese Systeme. Sie müssen über die bloße Bereitstellung von Tools hinausgehen und die Arbeitsweise neu gestalten: wie Technologie die Leistung und die dafür erforderlichen Fähigkeiten neu formt. Eine BCG-Studie zeigte, dass leistungsschwächere Mitarbeiter, die von KI unterstützt wurden, ihre nicht unterstützten menschlichen Kollegen bei kreativen Aufgaben übertrafen.

Ethische Aspekte und praktische Schulungen

Für 2025 zeichnen sich in den USA mehrere Trends bei den KI-Schulungsprogrammen für Führungskräfte ab. Dazu gehören hybride Modelle, die Online- und Präsenzschulungen kombinieren, sowie die Anpassung der Programme an spezifische Branchenbedürfnisse, beispielsweise durch Plattformen wie UMU. Da KI-Tools komplexer werden, integrieren die Programme zunehmend praktische Workshops und Simulationen, um Führungskräften praktische Erfahrungen zu vermitteln. Ein wachsender Fokus liegt zudem auf ethischen Überlegungen und dem verantwortungsvollen Einsatz von KI, um sicherzustellen, dass Führungskräfte die Herausforderungen der KI-Integration in ihren Organisationen meistern können. Diese Trends zielen darauf ab, effektivere Lernmodelle zu schaffen, die Führungskräfte nicht nur bilden, sondern sie auch befähigen, die digitale Transformation ihrer Unternehmen voranzutreiben.

Erwähnte Persönlichkeiten