
KI-Strategie: Warum ein CEO von ChatGPT zu Claude wechselte
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Alex Cohen, der 42-jährige CEO und Gründer von Xander Marketing in Kent, Großbritannien, hat seine Herangehensweise an den Einsatz künstlicher Intelligenz in seinem Unternehmen grundlegend verändert. Während ChatGPT einst das dominierende KI-Tool in seinem Geschäftsalltag war, setzt Cohen heute primär auf Claude, behält aber ein Abonnement für ChatGPT als strategische Absicherung bei. Diese Entwicklung spiegelt einen breiteren Trend in der Unternehmenswelt wider, bei dem Firmen ihre KI-Tools basierend auf spezifischen Anforderungen und Leistungsmerkmalen neu bewerten.
Der Wandel in der KI-Nutzung bei Xander Marketing
Cohen begann im Dezember 2022 mit der Nutzung von ChatGPT. Etwa zehn Monate später weckte Claude seine Neugier. Schon früh erkannte er einen deutlichen Unterschied: Seiner Meinung nach war Claude von Anfang an der bessere Schreiber. Für seine Marketingfirma, die viel Content für Marken erstellt, lieferte Claude bei gleichen Prompts und Kontexten Ergebnisse, die seinen Vorstellungen näherkamen.
Dieser Qualitätsunterschied führte zu einer schrittweisen Umstellung der Arbeitsweise. Im vergangenen Jahr begann Cohen, Claude überwiegend zu nutzen. Er beschreibt Claude nicht mehr als bloßen Chatbot, sondern als ein "gesamtes Betriebssystem". Aktuell entfallen 80% bis 90% der KI-Nutzung seines Unternehmens auf Claude, während Gemini und ChatGPT jeweils etwa 5% ausmachen.
Claude als "Betriebssystem" für Content und Strategie
Die Fähigkeit von Claude, die Markenstimme der Kunden präziser zu erfassen und in Inhalte zu integrieren, war für Xander Marketing ein entscheidender Vorteil. Cohen vertraut Claude mittlerweile die Erstellung von Inhalten an, die zuvor von menschlichen Copywritern übernommen wurden. Ein weiterer Aspekt, der Claude für ihn hervorhebt, ist die Interaktion: Claude stelle mehr Fragen und hinterfrage Prompts, anstatt wie ChatGPT stets zuzustimmen. Dies vermittle das Gefühl, mit einem Menschen zu sprechen.
Die größten operativen Unterschiede ergaben sich durch Funktionen wie "Projects" und "Skills", die es ermöglichen, Kontext über verschiedene Chats hinweg wiederzuverwenden. Dies machte Claude zum zentralen Bestandteil des Workflows. Cohen hebt hervor, dass es einfacher sei, Projekte und Skills in Claude einzurichten und zu nutzen. Ein Beispiel ist die Entwicklung einer "Human Writing Skill" in Claude, um überstrapazierte KI-Phrasen zu entfernen und so die Qualität der Erstentwürfe zu verbessern und Token-Verbrauch zu reduzieren. Zudem habe er mit Claude begonnen, Aufgaben wie die Erstellung eines ROI-Rechners oder das "Vibecoding" von Websites und Apps umzusetzen.
Die Rolle von ChatGPT als Backup und Spezialist
Trotz der Dominanz von Claude im Geschäftsalltag bleibt ChatGPT für Alex Cohen unverzichtbar. Der Hauptgrund ist die Bildgenerierung, da Claude diese Funktion nicht bietet. Darüber hinaus dient ChatGPT als wichtige Absicherung bei Ausfällen oder Problemen mit Claude, die Cohen als "ziemlich regelmäßig" empfindet. Diese Ausfälle verdeutlichen ihm, wie stark er sich auf Claude verlassen hat.
Obwohl Cohen einige Projekte und Workflows in ChatGPT integriert hat, ist Claude umfassender an seine spezifischen Bedürfnisse angepasst. Gelegentlich nutzt er ChatGPT auch, um Antworten zu vergleichen, indem er dieselbe Frage an beide Systeme richtet. Im persönlichen Bereich verwendet er ChatGPT weiterhin, doch für geschäftliche Zwecke vertraut er Claude, um herausgefordert zu werden. Eine Beobachtung ist, dass ChatGPT tendenziell schneller Antworten liefert als Claude.
Claude im Rennen um den Enterprise-Markt
Alex Cohen hat festgestellt, dass viele Nutzer, die ursprünglich ChatGPT verwendeten, für geschäftliche Anwendungsfälle ebenfalls zu Claude wechseln. Er sieht dies als ein entscheidendes Zeichen, sollte sich dieser Trend im größeren Maßstab fortsetzen. Cohen ist der Ansicht, dass das "große Geldspiel" für die großen KI-Unternehmen darin bestehen wird, den Enterprise-Bereich zu gewinnen, und für ihn ist Claude in dieser Phase der Gewinner.
Gleichzeitig betont Cohen die Wichtigkeit, Dateien und Workflows so zu strukturieren, dass sie bei Bedarf problemlos zwischen verschiedenen Plattformen verschoben werden können, falls in Zukunft noch bessere Lösungen auf den Markt kommen sollten. Diese Flexibilität sei entscheidend, um auf die dynamische Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz reagieren zu können.