
Klarna CEO erwartet drastischen Personalabbau durch KI bis 2030
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Ein tiefgreifender Wandel zeichnet sich in der Arbeitswelt ab, angetrieben durch Künstliche Intelligenz. Der CEO des schwedischen Fintech-Unternehmens Klarna, Sebastian Siemiatkowski, prognostiziert eine drastische Reduzierung der Belegschaft bis 2030, was die intensive Debatte über den Einfluss von KI auf Arbeitsplätze weiter anheizt. Diese Entwicklung bei Klarna spiegelt einen breiteren Trend wider, bei dem Unternehmen weltweit Effizienzgewinne durch Automatisierung anstreben.
Klarnas Strategie: KI als Wachstumstreiber, Personalabbau als Folge
Sebastian Siemiatkowski, CEO und Mitbegründer von Klarna, erwartet, dass die Mitarbeiterzahl des Unternehmens bis 2030 auf unter 2.000 sinken wird. Dies erklärte er kürzlich in einem Interview im Podcast "20 VC". Siemiatkowski begründet diese Prognose mit der rasanten Verbesserung der Künstlichen Intelligenz und der Überzeugung, dass diese Technologien ohne eine Ausweitung der Mitarbeiterzahl in das Unternehmen integriert werden können. Er betonte, dass Klarna nur "gelegentlich jemanden einstellt", während die Belegschaft insgesamt schrumpft.
Ein Blick auf die Zahlen: Drastische Reduktion bei Klarna
Die Belegschaft von Klarna hat sich in den letzten vier Jahren bereits halbiert. Aktuell beschäftigt das Unternehmen rund 3.000 Mitarbeiter, gegenüber 7.000 im Jahr 2022. Dieser Rückgang ist laut Siemiatkowski auf Entlassungen und "natürliche Fluktuation" zurückzuführen, bei der ausscheidende Mitarbeiter nicht ersetzt werden. Die Entwicklung bei Klarna wird oft als Beispiel für KI-gesteuerten Personalabbau herangezogen.
Die Debatte um KI und Arbeitsplätze: Optimismus vs. Realismus
Die Äußerungen von Siemiatkowski fallen in eine Zeit, in der die Diskussion über das Ausmaß, in dem KI Arbeitsplätze ersetzen wird, immer intensiver wird. Während Elon Musk, CEO von Tesla und xAI, glaubt, dass KI Überfluss für alle schaffen wird, äußern andere Tech-CEOs eine pessimistischere Sicht. Dario Amodei, CEO von Anthropic, warnte in einem Essay im Januar vor einer "ernsthaften zivilisatorischen Herausforderung" durch KI und prognostiziert, dass KI 50 % aller Einstiegsjobs im Bereich der Angestelltenberufe eliminieren könnte. Siemiatkowski positioniert sich hier klar: "Ich bin eher in Darios Lager", sagte er und fügte hinzu: "Ich möchte ehrlich sein, dass ich denke, dass es eine sehr große Verschiebung geben wird." Er bezeichnet sich selbst als Optimist, möchte aber auch "Realist sein, was kurzfristig passieren wird, und es wird viel Turbulenzen geben."
KI-bedingte Entlassungen: Ein breiteres Phänomen
Klarna ist nicht das einzige Unternehmen, das Personalabbau im Zusammenhang mit KI ankündigt. Große Unternehmen wie IBM, HP und Salesforce haben bereits signalisiert, dass sie aufgrund von KI Stellen streichen. Eine Analyse zeigt, dass im Jahr 2025 über 100.000 Mitarbeiter von KI-bedingten Entlassungen betroffen waren, und im Jahr 2026 bereits über 22.000. Mehr als 35 CEOs haben Effizienzgewinne durch KI als Grund für Entlassungen genannt. Diese Ankündigungen kommen nicht nur aus der Tech-Branche, sondern auch aus Sektoren wie Finanzen, Logistik, Beratung, Medien, Einzelhandel und Fertigung. Beispiele für Unternehmen mit signifikanten KI-bezogenen Stellenstreichungen sind:
- **Accenture:** Rund 11.000 Stellen im Dezember 2025, Fokus auf Automatisierung und KI für interne Aufgaben.
- **Amazon:** Etwa 30.000 Stellen im Oktober 2025 und Januar 2026, Begründung mit KI-Fortschritten für effizientere Abläufe.
- **ASML:** Rund 1.700 Stellen im Januar 2026, trotz Rekordaufträgen im KI-Boom, weitere 1.300 geplant.
- Autodesk: Rund 1.000 Stellen im Januar 2026, etwa 7 % der Belegschaft.
Die Diskrepanz zwischen Ankündigung und Realität
J.P. Gownder, Vice President und Principal Analyst bei Forresters "Future of Work"-Team, beleuchtet in seinem Bericht "The Forrester AI Job Impact Forecast for the US 2025-2030" eine nuanciertere Realität. Er betont, dass die "Job-Apokalypse" durch KI zumindest bis 2030 noch nicht bevorsteht. Gownder beobachtet eine Diskrepanz zwischen den Verlautbarungen der C-Suite und der operativen Realität. Neun von zehn Unternehmen, die KI-bedingte Entlassungen ankündigen, verfügen noch nicht über ausgereifte KI-Lösungen. Oft dient die KI-Erzählung als Deckmantel für finanzielle Einsparungen oder die Verlagerung von Arbeitsplätzen in kostengünstigere Märkte. Klarnas eigene Vergangenheit, in der das Unternehmen nach aggressiven Kürzungen und der Ankündigung eines KI-Chatbots, der die Arbeit von 700 Kundendienstmitarbeitern erledigen sollte, "den Kurs änderte", illustriert diese Beobachtung.
Menschliche Verbindung bleibt entscheidend
Trotz der weitreichenden Automatisierung und des Personalabbaus betont Siemiatkowski, dass bestimmte Arbeitsplätze bei Klarna von KI nicht ersetzt werden. Insbesondere Positionen, die eine "menschliche Verbindung" erfordern, wie beispielsweise die Beziehungen zu Einzelhändlern, werden weiterhin von Menschen besetzt bleiben. "Es wird entscheidend sein, dort eine menschliche Verbindung anzubieten. Diese Arbeitsplätze werden also bleiben, aber der Rest wird definitiv kleiner sein", so Siemiatkowski.