
Kled AI: Wie ein Startup persönliche Daten für KI monetarisiert
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Das San Franciscoer Startup Kled AI, gegründet vom 22-jährigen Avi Patel, etabliert ein innovatives Geschäftsmodell: Es kauft und verkauft persönliche Daten von Privatpersonen, um Künstliche Intelligenz zu trainieren. Damit will das Unternehmen den traditionellen Ansatz umkehren, bei dem Daten oft ohne Vergütung gesammelt werden, und stattdessen eine faire Monetarisierung für die Datenlieferanten ermöglichen.
Ein neues Geschäftsmodell für persönliche Daten
Kled AI bezahlt Menschen dafür, spezifische Videos oder Fotos hochzuladen – beispielsweise Aufnahmen von sich selbst beim Müllrausbringen oder Bilder von Schlaglöchern auf der Straße. Diese Daten werden anschließend an Unternehmen aus den Bereichen Robotik und selbstfahrende Fahrzeuge weiterverkauft, um deren KI-Systeme zu verbessern. Avi Patel, der Gründer von Kled AI, betont, dass die meisten Unternehmen heute Daten ohne Bezahlung sammeln, während Kled AI diesen Ansatz umkehren möchte, indem Menschen freiwillig Daten hochladen und dafür entlohnt werden.
Vom Musik-Startup zum KI-Daten-Pionier
Avi Patel brach 2021 nach nur zwei Wochen sein Studium der Informatik an der University of Illinois ab, um Unternehmer zu werden. Sein erstes Unternehmen war ein Musiklizenzierungs-Startup, das jedoch aufgrund der hohen Kosten im Umgang mit Plattenlabels nicht erfolgreich war. Während dieser Zeit erhielt Patel jedoch zahlreiche Anfragen nach KI-Trainingsdaten. Diese Nachfrage erkannte er als eine wesentlich größere Geschäftsmöglichkeit und schwenkte um, um eine Plattform für die Bereitstellung solcher Daten aufzubauen.
Datenqualität und globale Reichweite
Der entscheidende Unterschied von Kled AI liegt in der gezielten Datenerfassung. Das Unternehmen sammelt nicht einfach beliebige Daten, sondern weist den Nutzern spezifische Aufgaben zu. Dazu gehören:
- Videos von sich selbst beim Müllrausbringen, nützlich für Robotik.
- Fotos einer Essenslieferung vor der Haustür, hilfreich für Liefer- und Kartensysteme.
- Zwei Fotos derselben Szene – einmal mit, einmal ohne Objekt – zur Verbesserung von Bildbearbeitungstools.
Durch diese gezielte Anleitung wird eine höhere Datenqualität gewährleistet. Kled AI akzeptiert zudem nur Fotos von Nutzern mit neueren iPhones. Die App, die etwa zwei Monate vor März 2026 gestartet wurde, erfreut sich großer Beliebtheit, insbesondere in Ländern mit niedrigerem Einkommen wie den Philippinen, Malaysia und Indonesien, wo sie in Malaysia die Nummer 1 im App Store erreichte. Das Unternehmen verzeichnet über 200.000 Nutzer und erhält täglich etwa 5 Millionen Uploads. In diesen Regionen können Nutzer durch gelegentliches Hochladen von Fotos 20 bis 40 US-Dollar pro Monat verdienen, während Top-Nutzer in Malaysia rund 2.000 US-Dollar erzielen. Ein LKW-Fahrer in den USA verdient durch das Hochladen von Aufnahmen seiner Fahrten und Fotos von Schlaglöchern sogar rund 7.400 US-Dollar monatlich, was sein Einkommen verdoppelt hat. Kled AI zahlt weltweit die gleichen Raten, um Chancengleichheit zu gewährleisten.
Die finanzielle Seite: Wachstum und Investitionen
Kled AI hat kürzlich eine Finanzierungsrunde von 6,5 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 150 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Diese Mittel sollen unter anderem in den Aufbau von Betrugserkennungssystemen fließen, um die Authentizität der hochgeladenen Daten sicherzustellen. Zuvor hatte das Unternehmen bereits eine Seed-Runde von 5,5 Millionen US-Dollar bekannt gegeben, wodurch sich das Gesamtfinanzierungsvolumen auf bis zu 10 Millionen US-Dollar beläuft.
Zu den namhaften Investoren gehören:
- Sebastian Thrun (Gründer von Waymo)
- Aglaé (Venture Fund von Bernard Arnault)
- K5 Global
- Diplo
- Parable VC
- Cox Exponential (CX2)
- Daniel Greenberg (Gründer von MSCHF)
- Harrison Shih (DoorDash Labs)
- Kent Lacob (Eigentümer der Golden State Warriors)
Das Kapital wird auch für das Skalieren der Datenbeschriftungsoperationen, die Verbesserung der technologischen Infrastruktur und den Ausbau von Partnerschaften mit Content-Anbietern und KI-Entwicklern eingesetzt. Kled AI arbeitet bereits mit mehreren führenden KI-Laboren und Unternehmen zusammen.
Die Zukunft der Datenmonetarisierung
Avi Patel ist überzeugt, dass der Verkauf persönlicher Daten in Zukunft noch passiver werden wird. Er stellt sich vor, dass Nutzer ihre Spotify- oder Netflix-Konten verbinden könnten, um basierend auf ihrer Nutzung bezahlt zu werden. Hedgefonds und Konsumgütermarken hätten großes Interesse an solchen Daten, und Menschen könnten ihre Abonnements durch das Teilen von Nutzungsdaten finanzieren. Patels Ziel ist es, dass jeder Mensch Geld mit seinen Daten verdienen kann, anstatt dass Unternehmen diese kostenlos nutzen. Das derzeit elfköpfige Team von Kled AI sieht in diesem Ansatz ein enormes Wachstumspotenzial.