
Kreditkarten-Zinsdeckel: Chance auf Entlastung oder Risiko für Kreditzugang?
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Präsident Donald Trump hat einen Plan vorgestellt, der Verbrauchern helfen soll: Eine Obergrenze für Kreditkarten-Zinssätze von 10 % für ein Jahr. Dieser Vorschlag, der eine deutliche Reduzierung gegenüber dem aktuellen US-Durchschnitt von rund 20 % bedeuten würde, hat eine intensive Debatte ausgelöst. Während einige Analysten potenzielle Einsparungen für Karteninhaber sehen, warnen andere vor weitreichenden negativen Folgen für den Kreditzugang und die Finanzlandschaft.
Trumps Vorschlag und die aktuelle Lage
Der Vorschlag von Präsident Trump sieht eine einjährige Begrenzung der Kreditkarten-Zinssätze auf 10 % vor. Dies folgt auf einen ähnlichen Gesetzesentwurf, der bereits im vergangenen Jahr von den Senatoren Bernie Sanders (I-VT) und Josh Hawley (R-MO) eingebracht wurde und eine fünfjährige Obergrenze von 10 % vorsah. Die durchschnittlichen jährlichen Zinssätze (APRs) in den USA sind in den letzten vier Jahren von unter 15 % auf über 21 % im Jahr 2024 gestiegen, wobei viele Amerikaner sogar Raten von über 30 % zahlen müssen.
Befürworter argumentieren, dass eine solche Maßnahme notwendig sei, um arbeitende Familien finanziell zu entlasten und "exzessive Gewinne" aus der Kreditkartenvergabe einzudämmen. Senator Sanders äußerte sich dazu in einer Pressemitteilung deutlich: "Wenn große Finanzinstitute über 25 Prozent Zinsen auf Kreditkarten verlangen, betreiben sie kein Geschäft, um Kredite zur Verfügung zu stellen. Sie betreiben Erpressung und Wucherei."
Potenzielle Entlastung für Verbraucher
Einige Analysten sehen in der vorgeschlagenen Zinsobergrenze eine Möglichkeit, dass Karteninhaber Hunderte von Dollar an Zinszahlungen einsparen könnten. Die Befürworter betonen, dass die Gesetzgebung darauf abzielt, finanzielle Erleichterung für Familien zu schaffen und die Gewinne aus der Kreditvergabe zu begrenzen, die sie als übermäßig ansehen. Dies könnte insbesondere jenen zugutekommen, die monatlich einen Saldo auf ihren Kreditkarten mit sich führen.
Marcus Sturdivant Sr., geschäftsführendes Mitglied von The ABC Squared, merkt an, dass die Zinssätze für diejenigen, die ihre Karte jeden Monat vollständig bezahlen, irrelevant sind. Die Maßnahme würde vor allem die Amerikaner treffen, die von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck leben und am Monatsende einen Saldo auf ihren Karten haben.
Die Kehrseite: Einschränkung des Kreditzugangs
Finanzexperten warnen jedoch vor erheblichen unbeabsichtigten Folgen. Laut Marcus Sturdivant Sr. könnten neue Kreditnehmer und Personen mit begrenzter Bonität Schwierigkeiten haben, Kredite von Banken zu erhalten. Die Anforderungen für die Kreditvergabe würden sich verschärfen, was dazu führen könnte, dass viele Amerikaner ihre Kreditkarten verlieren oder keine neuen erhalten können.
Die Electronic Payments Coalition (EPC) und andere Bankenverbände warnen, dass zwischen 82 % und 88 % der Karteninhaber den Zugang zu ihren revolvierenden Kreditlinien verlieren könnten. Der Grund dafür ist, dass die vorgeschlagene Obergrenze es den Kartenherausgebern nicht ermöglichen würde, ihre Karten so zu bepreisen, dass sie das Risiko der Karteninhaber, insbesondere bei Kredit-Scores unter 740, angemessen managen können. Richard Hunt, Executive Chairman der EPC, erklärte, dass bei einem Kredit-Score von 740 oder darunter Kreditlimits tendenziell gestrichen werden. Der durchschnittliche Kredit-Score liegt bei 715.
Jennifer Doss, Executive Editor bei Cardratings.com, erklärt, dass hohe APRs es Banken ermöglichen, auch Personen Kredite zu gewähren, die sich sonst nicht qualifizieren würden. John Cabell, Managing Director of Payments Intelligence bei J.D. Power, fügt hinzu, dass Zinsobergrenzen es für Emittenten wirtschaftlich unrentabel machen könnten, Verbraucher zu bedienen, die mit Zahlungsverzügen zu kämpfen haben. Die American Bankers Association und weitere Bankenorganisationen bekräftigten in einer gemeinsamen Erklärung, dass eine 10%-Zinsobergrenze die Kreditverfügbarkeit reduzieren und Millionen von Familien und Kleinunternehmen schaden würde, die auf Kreditkarten angewiesen sind. Sie befürchten, dass dies Verbraucher zu weniger regulierten, teureren Alternativen wie Payday-Darlehen treiben könnte.
Auswirkungen auf Prämienprogramme und Gebühren
Auch Nutzer von Kreditkarten, die Prämien maximieren, könnten die Auswirkungen spüren. Marcus Sturdivant Sr. prognostiziert, dass die Vorteile und Vergünstigungen drastisch sinken oder ganz wegfallen würden. Dies würde insbesondere Amerikaner mit höherem Nettovermögen betreffen, die ihre Salden jeden Monat begleichen und Prämien und Vorteile nutzen.
Melanie Musson, Finanzexpertin bei Quote.com, warnt zudem, dass eine 10%-Kreditkartenobergrenze für Verbraucher möglicherweise nicht optimal ist, da sie zu höheren Schulden führen könnte. Der Anreiz, extrem hohe Zinssätze zu vermeiden, würde entfallen, und die Menschen könnten das Gefühl haben, dass die Kreditaufnahme weniger Auswirkungen hat. Eine weitere Möglichkeit für Kreditkartenunternehmen, Einnahmen zu generieren, wäre die Erhöhung von Servicegebühren. Musson erklärt, dass Geschäfte bereits die 3%ige Kreditkartengebühr entweder absorbieren oder an die Kartenbenutzer weitergeben. Sollten diese Gebühren steigen, könnten alle Käufer am Ende mehr für ihre Einkäufe bezahlen.
Der politische Prozess und offene Fragen
Es ist derzeit unklar, ob die von Präsident Trump vorgeschlagene Obergrenze per Dekret oder durch ein Gesetz im Kongress umgesetzt werden würde. Sollte ein Gesetz erforderlich sein, wären voraussichtlich Anhörungen und Studien zur Bestimmung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Obergrenze notwendig. Richard Hunt von der EPC merkt an, dass solche Studien und Anhörungen bezüglich des Hawley/Sanders-Gesetzesentwurfs bisher nicht stattgefunden haben. Zudem sei unklar, wie die Zahl von 10 % als Obergrenze zustande gekommen ist.