
Krugman: Trumps "Drill Baby, Drill" scheitert an der Wirtschaftlichkeit
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Der Ökonom Paul Krugman kritisiert die aggressive Ölproduktionsstrategie von Donald Trump als wirtschaftlich unrentabel. Er argumentiert, dass Trumps Vision einer wiederbelebten Ölförderung im In- und Ausland an grundlegenden Rentabilitätsberechnungen scheitert, da die aktuellen Ölpreise nicht ausreichen, um neue Investitionen zu rechtfertigen.
Trumps "Drill Baby, Drill"-Strategie vor wirtschaftlichen Hürden
Der Nobelpreisträger Paul Krugman analysiert in seinem Newsletter, dass Donald Trumps erneuter Vorstoß für eine aggressive Ölproduktion, bekannt als "Drill Baby, Drill", mit harten wirtschaftlichen Realitäten konfrontiert ist. Trump kehrte laut Krugman mit zwei großen Wirtschaftsideen ins Weiße Haus zurück: Zölle und die "Drill Baby, Drill"-Strategie. Auf dem Wahlkampf versprach Trump, die Energiepreise zu senken, und erklärte in seiner Antrittsrede 2025 einen nationalen Energienotstand.
Er betonte: "Wir werden wieder eine reiche Nation sein, und es ist dieses flüssige Gold unter unseren Füßen, das uns dabei helfen wird." Trump stellte sich Amerika im Jahr 2025 wie Osttexas im frühen 20. Jahrhundert vor, wo Öl einfach aus dem Boden sprudelt.
Veraltete Vision: Schieferöl und hohe Förderkosten
Krugman bezeichnet Trumps Vision als eine veraltete Fantasie. Nach Jahrzehnten der Ölgewinnung seien "Ölquellen, die von selbst sprudeln, Vergangenheit". Die meiste US-Produktion stammt heute aus Schieferöl, dessen Gewinnung teures hydraulisches Fracking erfordert.
Der Ökonom hebt hervor, dass sich das Bohren einer neuen Quelle nur lohnt, wenn der Ölpreis "ausreichend hoch" ist. Die Gewinnschwelle für neue Bohrungen in den großen US-Schieferölregionen liegt bei "rund 62 Dollar pro Barrel", während die aktuellen Ölpreise "leicht darunter" liegen. Dies macht neue Investitionen wirtschaftlich unattraktiv.
Marktinteresse bleibt aus: Colorado und Venezuela
Ein klares Zeichen für das mangelnde Marktinteresse zeigte sich bei einer Auktion des Bureau of Land Management. Dort wurden "mehr als 20.000 Acres öffentliches Land in Colorado" für Öl- und Gasbohrungen angeboten, doch es gingen keine Gebote ein, obwohl das Land zu sehr niedrigen Preisen angeboten wurde.
Dieses Problem erstreckt sich laut Krugman auch auf Venezuela. Bei einem kürzlich im Weißen Haus live übertragenen Treffen zeigten sich die Ölmanager weitgehend unenthusiastisch bezüglich Trumps Vision für das lateinamerikanische Land. Exxon Mobil Corp. (NYSE:XOM) CEO Darren Woods bezeichnete Venezuela unter den aktuellen Bedingungen als "nicht investierbar".
Trumps Reaktion und die Rolle von Chevron
Donald Trump reagierte auf Woods' Äußerungen, indem er erklärte, er sei "geneigt", ExxonMobil Investitionen in Venezuela zu blockieren. Er fügte hinzu: "Mir gefiel ihre Antwort nicht." Die einzige Firma, die eine feste Zusage für Trumps Vision in der Region machte, war Chevron Corp. (NYSE:CVX). Chevron ist das einzige US-Energieunternehmen mit Präsenz in Venezuela und plant, die Produktion nach der Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro erheblich zu steigern.
Krugman fasst zusammen, dass "Drill Baby, Drill" im In- und Ausland tot ist, nicht aufgrund von Umweltpolitik, sondern weil die "Gewinn- und Verlustrechnung" sie nicht mehr unterstützt.
Ölpreise und Marktentwicklungen
Die WTI-Rohöl-Futures für März zeigten am Montagabend einen Anstieg von 0,71 % und notierten bei 59,74 Dollar. Über die vergangene Woche stiegen sie um 4,90 % inmitten eskalierender Spannungen im Iran.
Der iShares U.S. Oil & Gas Exploration & Production ETF (BATS:IEO), der führende US-Öl- und Gasproduzenten abbildet, verzeichnete am Montag einen Rückgang von 0,49 % und schloss bei 90,60 Dollar pro Aktie. Obwohl der Fonds in Benzingas Edge Stock Rankings schlecht abschneidet, zeigt er langfristig einen günstigen Preistrend.
Historischer Kontext und Bidens Einfluss
Interessanterweise erlebte die fossile Brennstoffproduktion unter der Biden-Administration einen Boom, entgegen der Annahme, dass sie zurückgegangen sei. Ein Reuters-Artikel vom 28. März 2024 zeigte, dass die Gewinne der fünf größten börsennotierten Ölkonzerne – BP, Shell, Exxon, Chevron und Total Energies – in den ersten drei Jahren der Biden-Administration 410 Milliarden Dollar betrugen. Dies entspricht einer Steigerung von 100 % gegenüber den ersten drei Jahren von Donald Trumps Präsidentschaft.
Dieser Boom war teilweise auf Russlands Invasion in der Ukraine zurückzuführen, die die Öl- und Gaspreise in die Höhe trieb, sowie auf die globale wirtschaftliche Erholung nach der COVID-Pandemie. Die daraus resultierenden hohen Gewinne führten schließlich zu einem Anstieg des Angebots und einem Rückgang der Ölpreise, die nun zu niedrig sind, um weitere Ölexplorationen oder den Wiederaufbau der Infrastruktur in Venezuela zu rechtfertigen.