
Krypto-Meilenstein: OCC genehmigt Ripple und Circle als nationale Treuhandbanken
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Das US-Bankensystem öffnet sich zunehmend für die Krypto-Branche. Kürzlich erteilte das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) fünf führenden Krypto-Firmen, darunter Ripple und Circle, eine bedingte Genehmigung, als nationale Treuhandbanken zu operieren. Dieser Schritt markiert einen bedeutenden regulatorischen Meilenstein für die Integration digitaler Assets in die traditionelle Finanzwelt.
Krypto-Firmen erhalten Treuhandbank-Zulassung
Das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) hat fünf Krypto-Firmen eine bedingte Genehmigung erteilt, nationale Treuhandbanken zu gründen oder in solche umzuwandeln. Diese Entscheidung signalisiert klar, dass US-Bundesregulierungsbehörden Teile des Krypto-Sektors in den traditionellen Finanzrahmen integrieren wollen. Nach Erfüllung aller Auflagen werden diese Firmen zu den rund 60 bestehenden nationalen Treuhandbanken gehören, die bereits vom OCC beaufsichtigt werden.
Zu den zugelassenen Firmen gehören:
- Ripple National Trust Bank: Eine neue, mit Ripple verbundene Charta.
- First National Digital Currency Bank: Verbunden mit Circle, dem Emittenten von USDC.
- **BitGo, Fidelity Digital Assets und Paxos**: Diese wandeln bestehende staatliche Treuhand-Charter in nationale um.
Nationale Treuhandbanken unterscheiden sich von traditionellen Geschäftsbanken. Sie dürfen keine Einlagen annehmen oder Kredite vergeben, können aber Vermögenswerte verwahren, Zahlungen abwickeln und Treuhanddienste unter Bundesaufsicht anbieten. Alle fünf Firmen müssen noch Kapital-, Governance-, Compliance- und Risikomanagement-Bedingungen erfüllen, bevor sie voll funktionsfähig werden. Dieser Schritt baut auf einem Präzedenzfall von 2021 auf, als Anchorage Digital die erste Krypto-Firma mit einer nationalen Treuhand-Charta wurde.
Ripple's strategische Positionierung im US-Bankensystem
Die bedingte Genehmigung für die Ripple National Trust Bank (RNTB) ist ein "massiver Schritt nach vorn", so Ripple CEO Brad Garlinghouse. Diese Entwicklung positioniert Ripple als eines der ersten Krypto-Unternehmen, das im US-Bankensystem Fuß fasst. Die Genehmigung erfolgte im Juli 2025, nachdem Präsident Trump den GENIUS Act unterzeichnet hatte, der Ripple einen wichtigen Schritt zur föderal beaufsichtigten Finanzinstitution ermöglichte.
Für Ripple ist die Zulassung besonders relevant für seinen dollarbasierten Stablecoin RLUSD. Dieser steht nun unter doppelter Aufsicht: der Bundesaufsicht des OCC und der staatlichen Aufsicht des New York Department of Financial Services. Garlinghouse betonte, dass Ripple bereit sei, unter denselben strengen Regeln wie traditionelle Finanzinstitute zu agieren. Er kritisierte Bankenlobbyisten, die Krypto-Firmen mangelnde Regulierung vorwerfen, mit der Frage: "What are you so afraid of?"
Auswirkungen auf XRP und das breitere Ökosystem
Obwohl die OCC-Genehmigung XRP nicht direkt betrifft, könnte Ripples Integration in das Bankensystem seine institutionelle Präsenz langfristig stärken. Eine vollständige Etablierung der RNTB könnte Ripple ermöglichen, Treuhanddienste direkt für Banken und Finanzinstitute anzubieten und so möglicherweise die Kontrolle über grenzüberschreitende Abwicklungen zu erhöhen. Analysten vermuten, dass dies die praktische Nutzung von XRP, insbesondere für grenzüberschreitende Liquidität, steigern könnte.
XRP, der native Vermögenswert von Ripple, gewinnt zunehmend an Zugkraft bei institutionellen Anlegern. Nach einer SEC-Einigung über 125 Millionen US-Dollar wurde der Token Anfang des Jahres von der Regulierungsbehörde von einem Wertpapier in eine Ware umklassifiziert. Diese Neuklassifizierung hat zu einem erhöhten Interesse geführt, wobei derzeit mindestens neun Spot XRP ETF-Anträge in Bearbeitung sind. Marktprognosen sehen XRP unter moderaten Bedingungen bis Jahresende in einem Bereich von 2,80 bis 3,20 US-Dollar, in bullischeren Szenarien sogar bei 5,50 bis 6,00 US-Dollar, falls die regulatorische Klarheit und institutionelle Adoption weiter zunehmen.
Ripple erweitert zudem sein Finanzdienstleistungs-Ökosystem. Das Unternehmen erwarb Algrim, um Ripple Prime zu starten, die erste Krypto-eigene globale Prime Brokerage. Dies verschafft Ripple Zugang zu institutionellen Verwahrungs- und Handelsdienstleistungen. In Europa sicherte sich Ripple mit der Schweizer AMINA Bank seinen ersten Bankkunden für seinen Zahlungs-Stack, um grenzüberschreitende Überweisungen für Krypto-Kunden zu unterstützen und traditionelle Bankensysteme mit Blockchain-basierten Abwicklungen zu verbinden.
Regulatorische Reaktionen und Ausblick
Die Krypto-Unternehmen begrüßten den Schritt des OCC weitgehend als lang erwarteten Fortschritt hin zu regulatorischer Klarheit. Viele in der XRP-Community äußern zudem die Ansicht, dass dieser Schritt das langfristige Vertrauen in den Token stärken könnte. Traditionelle Bankengruppen zeigten sich jedoch weniger begeistert. Das Bank Policy Institute warnte in einer Erklärung, dass die Entscheidung ungelöste Fragen zur regulatorischen Konsistenz und Aufsicht aufwerfe.
Trotz des jüngsten Aufschwungs steht XRP im Wettbewerb mit anderen großen Akteuren. Ethereum führt beispielsweise weiterhin bei Total Value Locked und täglichen App-Gebühren, während Projekte wie Solana und Cold Wallet (CWT) mit hohen ROI-Ansprüchen um Marktanteile kämpfen. XRP hat sich jedoch eine einzigartige Position erarbeitet, die sich von Ethereum unterscheidet, das sich auf dezentrale Anwendungen und Smart Contracts konzentriert. Die bedingte Genehmigung zeigt einen großen Wandel: Ein führendes Krypto-Unternehmen strebt die direkte Integration in das traditionelle US-Bankensystem an und setzt damit einen neuen regulatorischen Standard für die Branche.