
Kubas Treibstoffkrise: Russische Airlines starten Evakuierungsflüge
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Kuba erlebt derzeit eine akute Jet-Treibstoffkrise, die weitreichende Folgen für den internationalen Flugverkehr hat. Russische Fluggesellschaften haben nun begonnen, ihre Bürger von der Insel zu evakuieren, nachdem kubanische Behörden einen monatelangen Mangel an Flugzeugtreibstoff angekündigt hatten. Diese Entwicklung verdeutlicht die Fragilität der Energieversorgung Kubas und die komplexen geopolitischen Verflechtungen.
Russische Airlines stellen Flugbetrieb ein
Moskaus Zivilluftfahrtbehörde Rosaviatsia bestätigte am Mittwoch, dass zwei große russische Fluggesellschaften, Rossiya Airlines und Nordwind Airlines, ihre Bürger aus Kuba repatriieren. Rossiya Airlines, Teil des russischen Luftfahrtriesen Aeroflot, und Nordwind Airlines, eine russische Luxusfluggesellschaft, gaben am selben Tag bekannt, dass sie Flüge nach Kuba aussetzen und nur noch One-Way-Tickets von der Insel anbieten würden.
Beide Airlines nannten "Schwierigkeiten bei der Betankung von Flugzeugen in Kuba" als Grund. Rossiya Airlines erklärte, dass ab dem 12. Februar eine Reihe von One-Way-Rückflügen von Havanna und Varadero nach Moskau durchgeführt werden, um russische Touristen, die sich derzeit auf Kuba befinden, zu befördern. Nordwind Airlines kündigte an, ausschließlich Repatriierungsflüge von den Ferienorten Varadero, Holguín und Cayo Coco durchzuführen. Der russische Reiseindustrieverband schätzte letzte Woche, dass sich mindestens 4.000 russische Touristen auf Kuba aufhalten. Rossiya plant, alle Operationen zur Insel bis zum 24. Februar einzustellen und organisiert mindestens sechs One-Way-Flüge. Beide Fluggesellschaften bieten betroffenen Passagieren Rückerstattungen an.
Kubas akute Treibstoffkrise
Die Ankündigungen der russischen Airlines folgten auf eine Warnung der kubanischen Luftfahrtbehörden vom Montag, dass auf der Insel für einen Monat kein Jet-Treibstoff an internationalen Flughäfen verfügbar sein würde. Mitteilungen an Luftfahrer (NOTAMs) vom internationalen Flughafen José Martí in Havanna zeigten an, dass Jet A-1-Treibstoff an neun internationalen Flughäfen der Insel ab dem 10. Februar nicht mehr erhältlich sein würde, wobei die Beschränkungen voraussichtlich bis mindestens zum 11. März in Kraft bleiben.
Kuba ist stark von Venezuela für seine Ölimporte abhängig. Diese Importe stoppten demnach am 3. Januar, als der venezolanische Präsident Nicolás Maduro von US-Kräften gefangen genommen wurde. Mexiko, der zweitgrößte Öllieferant Kubas, stellte ebenfalls seine Exporte ein, nachdem der damalige US-Präsident Donald Trump Zölle auf Länder verhängt hatte, die Öl nach Havanna liefern. Auch kanadische Fluggesellschaften wie Air Canada, WestJet und Air Transat, die einige der meistfrequentierten Routen nach Kuba bedienen, haben Flüge zur Insel ab Montag eingestellt und fliegen leere Flugzeuge nach Kuba, um Passagiere abzuholen.
Geopolitische Spannungen und Abhängigkeiten
Kuba gilt seit Langem als enger Verbündeter Moskaus und als Hochburg des sowjetischen und russischen Einflusses in Lateinamerika. Russland, das aufgrund des Krieges gegen die Ukraine internationalen Sanktionen unterliegt, hat in jüngster Zeit versucht, die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zu Kuba auszubauen. Dies umfasste die Förderung russischer Unternehmen in den Bereichen Bankwesen, Landwirtschaft und IT auf der Insel.
Im September gaben ukrainische Geheimdienstmitarbeiter an, dass der Kreml über 20.000 kubanische Bürger als Söldner rekrutiert habe, um gegen Kiews Streitkräfte zu kämpfen, wobei die Insel zu den Top-Lieferanten ausländischer Kämpfer zähle. Die Situation auf Kuba zieht auch die Aufmerksamkeit der USA auf sich. Donald Trump äußerte sich Anfang des Monats und sagte Reportern: "Ich denke, wir werden einen Deal mit Kuba machen."
Internationale Reaktionen und Hilfsangebote
Die Treibstoffkrise und die damit verbundenen Flugausfälle sind nicht nur für Russland ein Problem. Am Dienstag äußerte sich ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, auf einer Pressekonferenz. Er betonte, dass Peking "entschieden gegen die unmenschlichen Handlungen ist, die dem kubanischen Volk sein Recht auf Existenz und Entwicklung entziehen."
Lin Jian fügte hinzu: "China wird, wie immer, unser Bestes tun, um Kuba Unterstützung und Hilfe zukommen zu lassen." Die Rosaviatsia erklärte, dass beide Parteien alternative Optionen prüfen, um Flüge in beide Richtungen im Interesse der Bürger beider Länder wieder aufzunehmen. Die Aussetzung der Flüge ist ein erheblicher Rückschlag für Kubas Tourismusindustrie, die ihre Strände und All-Inclusive-Resorts lange Zeit russischen Reisenden als Alternative zu mediterranen Zielen vermarktet hat.