Kupfer auf Rekordhoch: US-Hortung, Engpässe und KI treiben Preise

Kupfer auf Rekordhoch: US-Hortung, Engpässe und KI treiben Preise

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Die Kupferpreise haben kürzlich ein neues Rekordhoch erreicht. Dieser Anstieg ist eine komplexe Mischung aus strategischer Lagerhaltung in den USA, anhaltenden Lieferkettenproblemen und einer spekulativen Nachfrage, die durch den Ausbau von KI-Infrastruktur und die Energiewende befeuert wird. Trotz eines prognostizierten globalen Überschusses im kommenden Jahr, deuten die aktuellen Dynamiken auf eine anhaltende Marktanspannung hin.

Kupferpreis auf Rekordjagd

Der Benchmark-Dreimonatskontrakt für Kupfer an der London Metal Exchange (LME) erreichte kürzlich ein Allzeithoch von 11.952 US-Dollar pro Tonne. Aktuell notiert er um 11.655 US-Dollar pro Tonne und verzeichnete in diesem Jahr bereits einen Anstieg von rund 33 Prozent. Dieser Preisanstieg markiert den Höhepunkt eines volatilen Jahres für das rote Metall, das in Bauwesen, Stromnetzen und Elektronik unverzichtbar ist.

US-Strategie treibt Preise in die Höhe

Ein wesentlicher Faktor für die Preisexplosion ist die aggressive Lagerhaltung in den Vereinigten Staaten. Die USA horten große Mengen Kupfer, um potenziellen Zöllen zuvorzukommen, was das global handelbare Angebot erheblich verknappt. Analysten von Goldman Sachs bezeichnen die US-Bestände als "effektiv gefangen", da sie dem globalen Markt entzogen sind.

Anfang des Jahres strömte Kupfer in die USA, da Importeure hohe Zölle unter der Trump-Regierung erwarteten. Obwohl die Regierung raffiniertes Kupfer unerwartet von diesen Zöllen ausnahm, bleibt die Unsicherheit bestehen. Goldman Sachs erwartet, dass das Weiße Haus in der ersten Hälfte des Jahres 2026 Zölle auf raffiniertes Kupfer ankündigen wird, die 2027 in Kraft treten sollen. Dies könnte die US-Lagerhaltung weiter anheizen. Die US-Kupferbestände sind seit März 2025 um über 300 Prozent gestiegen und liegen bei über 500.000 Tonnen, während die LME-Bestände unter 100.000 Tonnen liegen.

Globale Angebotsengpässe verschärfen Lage

Parallel zur US-Lagerhaltung wird das globale Kupferangebot durch reale Produktionsausfälle beeinträchtigt. Rückschläge bei großen Minen in Indonesien (z.B. Schlammlawine in Grasberg), im Kongo und in Chile (z.B. Quebrada Blanca) haben die Produktion in den letzten Monaten gedrosselt. Diese Dynamik führt zu hohen Kupferprämien außerhalb der USA.

Die International Copper Study Group (ICSG) prognostiziert für 2026 ein Defizit von 150.000 Tonnen bei raffiniertem Kupfer, eine Umkehrung früherer Überschussprognosen. J.P. Morgan Global Research erwartet für 2026 ein globales Defizit von etwa 330.000 Tonnen. Goldman Sachs rechnet für den Rest der Welt mit einem Defizit von 450.000 Tonnen im kommenden Jahr. Hinzu kommt, dass chinesische Schmelzen planen, ihre Produktion von raffiniertem Kupfer um rund 10 Prozent zu kürzen, was die Angebotsknappheit weiter verschärft.

KI und Energiewende als Nachfragetreiber

Ein weiterer Preistreiber ist die wachsende Nachfrage aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Energiewende. Kupfer wird zunehmend als "Tech-Asset" betrachtet, da es für den Bau von Rechenzentren und die Infrastruktur für erneuerbare Energien unerlässlich ist. Elektrofahrzeuge benötigen beispielsweise viermal mehr Kupfer als Verbrennungsmotoren.

Die ICSG schätzt, dass Elektrifizierung und KI in den kommenden Jahren mehrere Millionen Tonnen zusätzliche Nachfrage generieren könnten. Wood Mackenzie prognostiziert einen Anstieg der globalen Kupfernachfrage um 24 Prozent bis 2035. Analysten von Goldman Sachs warnen jedoch, dass die spekulative Natur dieser Nachfrage den Preis anfällig für eine schnelle Umkehr machen könnte, insbesondere wenn der Hype um den Rechenzentrums-Ausbau nachlässt.

Chinas Rolle im Kupfermarkt

China spielt eine entscheidende Rolle im Kupfermarkt. Die chinesische Führung hat kürzlich angekündigt, das Wirtschaftswachstum 2026 zur obersten Priorität zu machen und eine "proaktivere" Fiskalpolitik sowie eine "moderat lockere" Geldpolitik zu verfolgen. Diese Maßnahmen sollen Investitionen in Stromnetze, erneuerbare Energien und Rechenzentren fördern, die alle kupferintensiv sind.

Trotzdem zeigten Daten aus China, dass deflationäre Tendenzen anhalten und die Binnennachfrage schwach bleibt. Die Kupferimporte Chinas sanken im November den zweiten Monat in Folge, da die hohen Preise die Nachfrage dämpften. J.P. Morgan geht jedoch davon aus, dass China angesichts der akuten Angebotsengpässe bald gezwungen sein könnte, zu höheren Kupferpreisen einzukaufen.

Ausblick und Risiken

Der Kupfermarkt bleibt angespannt und volatil. Während für 2025 ein globaler Überschuss von 300.000 Tonnen erwartet wird, deuten die Prognosen für 2026 auf ein deutliches Defizit hin. Goldman Sachs prognostiziert für 2026 einen Kupferpreis von 11.400 US-Dollar pro Tonne, was unter den aktuellen Niveaus liegt. Citic Securities warnt, dass die Preise 2026 durchschnittlich über 12.000 US-Dollar pro Tonne liegen müssten, um Investitionen in neue Minen zu rechtfertigen.

Die Erwartung von Zinssenkungen durch die US-Notenbank im Jahr 2026 könnte den US-Dollar schwächen, was dollarpreisige Metalle wie Kupfer für internationale Käufer günstiger macht und den Preisen zusätzlichen Auftrieb verleiht. Die spekulative Natur der aktuellen Rallye birgt jedoch das Risiko einer schnellen Korrektur, insbesondere bei einer Abschwächung der KI-Begeisterung.