Lagarde über Handel, Zölle und die Unabhängigkeit der EZB

Lagarde über Handel, Zölle und die Unabhängigkeit der EZB

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EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat sich am 22. Februar 2026 in einem Interview mit Margaret Brennan in der Sendung "Face the Nation" zu zentralen wirtschaftlichen und geldpolitischen Themen geäußert. Sie sprach über die globale Handelsunsicherheit, die Auswirkungen von Zöllen auf die Verbraucher und die fundamentale Bedeutung der Unabhängigkeit von Zentralbanken.

Handelsunsicherheit als "größtes Gift" für die Wirtschaft

Lagarde betonte die kritische Bedeutung von Klarheit in den Handelsbeziehungen. Sie verglich die Situation mit dem Autofahren: Man müsse die Verkehrsregeln kennen, bevor man losfährt. Diese Klarheit sei essenziell für Handel und Investitionen, um rechtliche Auseinandersetzungen und Unsicherheiten zu vermeiden. Der deutsche Kanzler, dessen Land die größte Volkswirtschaft Europas ist, hatte zuvor geäußert, dass Zölle allen schaden und die Unsicherheit über Zölle das "größte Gift" für die Volkswirtschaften Europas und der USA sei.

Die EZB-Präsidentin äußerte die Hoffnung, dass die Vorschläge zur Klärung der Handelsbeziehungen ausreichend durchdacht und gesetzeskonform sein werden. Obwohl ein Handelsabkommen zwischen der EU und den USA eine Zoll-Obergrenze von 15 Prozent vorsieht, gibt es Ausnahmen und Bereiche ohne Zölle. Eine erneute Erschütterung des Gleichgewichts, an das sich die Handelspartner gewöhnt haben, würde laut Lagarde zu Störungen im Geschäftsleben führen.

Zölle belasten US-Verbraucher

Auf die Frage nach den Auswirkungen von Zöllen, die sie im Oktober des Vorjahres noch nicht als schmerzhaft für die Weltwirtschaft bezeichnet hatte, stellte Lagarde klar: "Ich glaube nicht, dass die Verbraucher den Schmerz vermieden haben." Aktuelle Studien würden zeigen, dass die Hauptlast der Zölle von US-Importeuren und letztendlich von US-Verbrauchern getragen wird.

Importeure hätten ihre Margen zunächst reduziert, um zusätzliche Kosten zu absorbieren. Es gebe jedoch einen Punkt, an dem diese Kosten an die Verbraucher weitergegeben werden müssen. Die EZB analysiere kontinuierlich Daten, um die Auswirkungen auf den Handel und die Volkswirtschaften zu verstehen.

Die Unabhängigkeit der Zentralbanken ist entscheidend

Ein weiteres zentrales Thema war die Unabhängigkeit der Zentralbanken. Lagarde verteidigte die Unabhängigkeit von Zentralbanken wie der Federal Reserve und der EZB als "von entscheidender Bedeutung". Sie verwies auf historische und analytische Belege, die zeigen, dass diese Unabhängigkeit für die Preis- und Finanzstabilität unerlässlich ist.

Zentralbanker, die für Zinsentscheidungen, Preisstabilität und Finanzstabilität verantwortlich sind, sollten nicht unter politischem Einfluss stehen. Ihre Entscheidungen entfalten ihre Wirkung oft erst nach 6, 12, 18 Monaten oder sogar zwei Jahren. In dieser Zeit müsse die Zentralbank "immun" gegenüber dem politischen Tagesgeschäft sein. Lagarde äußerte großen Respekt für Jerome Powell und Kevin Warsh, der im Mai die Nachfolge von Powell antreten soll. Sie selbst werde am Folgetag eine Auszeichnung im Namen von Paul Volcker erhalten.

Lagardes Mission: Stabilität und ein starker Euro

Angesprochen auf Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied von der EZB, um die Nachfolgerwahl zu beeinflussen, bekräftigte Lagarde ihre Mission: "Ich bin an eine Mission gefesselt, und meine Mission ist Preisstabilität, Finanzstabilität." Sie wolle, dass der Euro, dessen Hüterin die EZB ist, stark und zukunftsfähig sei.

Die EZB habe bereits viel erreicht: Die Inflation liege im Zielbereich, das Wachstum sei mit 1,5 Prozent widerstandsfähig, wenn auch nicht brillant, und die Arbeitslosigkeit befinde sich auf dem niedrigsten Stand aller Zeiten. Diese Errungenschaften müssten konsolidiert werden, wofür sie bis zum Ende ihrer Amtszeit benötigt werde. "Ich bin noch nicht fertig", so Lagarde.

Währungsstärke und Zahlungssysteme

Im Hinblick auf die Versuche Russlands und Chinas, westliche Sanktionen durch die Nutzung eigener Währungen zu umgehen, betonte Lagarde die Verantwortung der westlichen Zentralbanken. Es sei ihre Aufgabe, sicherzustellen, dass die eigenen Währungen stark und die Zahlungssysteme robust und unabhängig bleiben. Dies sei ein kontinuierlicher Prozess, der aus den genannten Gründen fortgesetzt werde.

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