
Leveraged ETFs: Chancen und Risiken von TQQQ und SSO im Fokus
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Hebel-ETFs versprechen verlockende Renditen, indem sie die Wertentwicklung eines Referenzindex wie des S&P 500 verdoppeln oder verdreifachen. Doch bevor Anleger in diese Produkte investieren, ist ein tiefes Verständnis ihrer Funktionsweise und Risiken unerlässlich. Sie sind nicht für jeden Anlegertyp geeignet.
Was sind Leveraged ETFs?
Leveraged Exchange Traded Funds (ETFs) sind Finanzprodukte, die darauf ausgelegt sind, die täglichen Renditen eines zugrunde liegenden Index zu vervielfachen. Dies geschieht oft durch den Einsatz von Finanzderivaten. Beispiele hierfür sind der ProShares UltraPro QQQ (TQQQ) und der ProShares Ultra S&P 500 (SSO).
Das zentrale Merkmal dieser Leveraged ETFs ist der "Daily Leverage Reset". Dies bedeutet, dass die Hebelwirkung täglich neu eingestellt wird, um das angestrebte Vielfache der Indexrendite für diesen einen Tag zu erreichen. Diese Struktur kann Gewinne, aber auch Verluste über die Zeit hinweg verstärken.
TQQQ und SSO im Detailvergleich
Der TQQQ bildet die dreifache tägliche Rendite des Nasdaq-100 ab und ist stark technologieorientiert (54%), mit zusätzlichen Gewichtungen in Kommunikationsdienstleistungen (17%) und zyklischen Konsumgütern (13%). Er hält 123 Positionen, wobei Nvidia, Apple und Microsoft die größten Gewichtungen aufweisen. Der Fonds ist seit fast 16 Jahren am Markt.
Im Gegensatz dazu bietet der SSO eine zweifache tägliche S&P 500-Exposition mit einer breiteren Sektorverteilung: Technologie (31%), eine große Allokation in Barmittel und Sonstiges (30%) sowie Finanzdienstleistungen (9%). Seine Top-Holdings sind ebenfalls Nvidia, Apple und Microsoft, jedoch mit geringeren individuellen Gewichtungen. Beide Fonds nutzen tägliche Hebel-Resets.
Die Kehrseite der Medaille: Hohe Risiken und Drawdowns
Die Hebelwirkung funktioniert in beide Richtungen: Sie kann nicht nur hohe Gewinne, sondern auch erhebliche Verluste verursachen. Der TQQQ verzeichnete beispielsweise im Jahr 2022 einen Drawdown von 82%. Solche extremen Schwankungen sind bei Fonds mit 2x oder 3x Hebelwirkung möglich und müssen Anlegern bewusst sein.
Ein weiterer Effekt der hohen Hebelwirkung ist der "Time Decay" in Verbindung mit dem täglichen Leverage Reset. Über längere Zeiträume liefern diese Leveraged ETFs nicht die versprochenen 2x oder 3x Renditen. Die Fonds selbst weisen darauf hin, dass sie für tägliche und nicht für monatliche oder jährliche Renditen konzipiert sind.
Performance-Abweichungen und Kostenstruktur
Dies zeigt sich am Beispiel des TQQQ: Er erzielte über fünf Jahre eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 22,9%, während der zugrunde liegende QQQ eine CAGR von 16,1% aufwies. Würde der Fonds langfristig die dreifache Rendite liefern, müsste seine CAGR näher bei 48% liegen.
Beide Fonds erheben überdurchschnittlich hohe Gebühren. Ihre "Expense Ratios" liegen über 0,80%, was im Vergleich zu vielen anderen ETFs nicht günstig ist. Der TQQQ hat eine geringfügig niedrigere Expense Ratio als der SSO und bietet eine leicht höhere Dividendenrendite, was für einige Anleger attraktiv sein könnte. Allerdings birgt der TQQQ, gemessen an seinem Beta und seiner Volatilität, ein deutlich höheres Risiko.
Fazit für Anleger: Nicht für Buy-and-Hold
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Leveraged ETFs darauf ausgelegt sind, kurzfristige (tägliche) Renditen gegenüber ihren Benchmarks zu verstärken. Über längere Anlagehorizonte erfüllen sie diese Erwartung jedoch nicht. Ihre Abhängigkeit von Hebelwirkung führt in Korrekturen und Bärenmärkten zu extremen Drawdowns, die viele Anleger dazu verleiten können, zum ungünstigsten Zeitpunkt auszusteigen.
Hinzu kommen die überdurchschnittlich hohen Kosten. Diese Leveraged ETFs sind daher weder für schwache Nerven noch für Buy-and-Hold-Anleger geeignet. Sie erfordern ein aktives Management und ein tiefes Verständnis der damit verbundenen Risiken.