Lieferroboter im Alltag: Zwischen Vandalismus, Hilfsbereitschaft und Geschäftsrisiko

Lieferroboter im Alltag: Zwischen Vandalismus, Hilfsbereitschaft und Geschäftsrisiko

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Tausende Lieferroboter sind bereits in dicht besiedelten Städten und auf College-Campussen in den USA im Einsatz. Während soziale Medien oft Pannen und menschliche Aggressionen gegen die rollenden Maschinen zeigen, zeichnen die CEOs der größten Lieferroboterunternehmen ein differenzierteres Bild: Vandalismus ist demnach selten, und überraschenderweise zeigen viele Menschen eine unerwartete Hilfsbereitschaft gegenüber den Robotern.

Die Präsenz der Lieferroboter im Alltag

In Vierteln wie Hollywood, Los Angeles, sind Lieferroboter allgegenwärtig. William Gude, ein langjähriger Bewohner, dokumentiert auf seinem TikTok-Kanal "Film The Robots LA" mit fast einer halben Million Followern die "Fehltritte" der vierrädrigen Maschinen. Gude, der nach eigenen Angaben täglich mit Robotern in Konflikt gerät, kanalisiert damit eine reale Frustration, die einige Menschen gegenüber der Automatisierung und der potenziellen Arbeitsplatzverdrängung empfinden.

Menschliche Interaktion: Zwischen Ärger und Hilfsbereitschaft

Die Interaktion der Menschen mit Lieferrobotern ist vielschichtig. Während Gude in seinen Videos oft seinen Ärger über die Roboter zum Ausdruck bringt, erhält er auch Drohungen von Zuschauern, die ihn auffordern, "netter zum Baby" zu sein. Er selbst hilft Robotern manchmal auf die Beine, nicht aus Mitleid, sondern aus einem Gefühl des "öffentlichen Dienstes".

Zach Rash, CEO von Coco Robotics, erinnert sich an die Anfänge von Bird-Elektrorollern um 2019, die in Los Angeles oft mutwillig zerstört wurden. Diese Erfahrungen schürten die anfängliche Sorge, ob Menschen mit den teureren Robotern friedlich koexistieren oder diese ausnutzen würden. Doch diese Befürchtungen haben sich nicht vollständig bewahrheitet. Es entsteht sogar ein neuer Trend in sozialen Medien: Videos, die Menschen zeigen, wie sie Robotern helfen. Serve Robotics hat eine Funktion eingeführt, die es Robotern ermöglicht, Passanten zu bitten, Ampelknöpfe zu drücken, um Lieferzeiten zu verkürzen. Rash berichtet ebenfalls, dass Menschen feststeckenden Robotern zur Hilfe eilen.

Die Sicht der Unternehmen: Vandalismus ist selten

Die CEOs von Serve Robotics, Starship Technologies und Coco Robotics betonen, dass menschliche Einmischung und Vandalismus minimal sind. Ali Kashani, CEO von Serve Robotics, gab an, dass von 10.000 Lieferungen nur 11 unvollständig waren (eine Ausfallrate von 0,11 %), wobei diese Zahl auch Stürze, Infrastrukturprobleme und menschliche Eingriffe umfasste. Er kommentierte: "Ich glaube, es wurde sehr schnell klar, dass wir als Spezies eine geringere Meinung von uns selbst haben. Wir denken, wir sind schlimmer, als wir tatsächlich sind."

Ahti Heinla, CEO von Starship Technologies, berichtete, dass nach über neun Millionen Lieferungen kein einziger Roboter gestohlen wurde und menschliche Eingriffe so selten sind, dass sie nicht als wichtige Metrik erfasst werden. Auch Zach Rash von Coco Robotics bestätigte, dass es keinen Diebstahl gab und Probleme mit Missbrauch oder Vandalismus "für das Geschäft unerheblich" seien. Laut Kashani sind die Roboter "dafür gebaut, Tritte zu überstehen", und Graffiti wird nachts entfernt, "es sei denn, es sieht cool aus". Coco Robotics setzt zudem einen Alarm ein, der "Manipulationen abschreckt", wie Operations Manager Jonathan Boeri erklärte.

Design als Erfolgsfaktor

Ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz der Lieferroboter scheint ihr Design zu sein. Ali Kashani von Serve Robotics stellte fest, dass die Anbringung von Kulleraugen an einem frühen Robotermodell dazu führte, dass Menschen anhielten und fragten, ob sie einen kaufen könnten. Zach Rash von Coco Robotics vergleicht das Design seiner Roboter mit R2-D2 aus "Star Wars" – nützlich und angenehm, im Gegensatz zum "nervigen" C-3PO.

Naomi Fitter, Professorin für Robotik an der Oregon State University, die sich mit Mensch-Roboter-Interaktion beschäftigt, bestätigt, dass anthropomorphe Designentscheidungen die Wahrnehmung von Robotern verbessern können. Sie warnt jedoch davor, dass eine zu menschenähnliche oder sozial kompetente Erscheinung dazu führen kann, dass Menschen die Fähigkeiten des Roboters überschätzen.

Sicherheitsbedenken und öffentliche Diskussion

Trotz der positiven Wahrnehmung gibt es Bedenken hinsichtlich Sicherheit, Zugänglichkeit und Privatsphäre, wie Fitters Forschung zeigt. Diese Einstellungen könnten sich mit zunehmender Exposition verschlechtern, insbesondere wenn Roboter Gehwege blockieren. Ein Vorfall in Chicago, bei dem ein Serve Robotics Lieferroboter in eine Bushaltestelle krachte und Glas zersplitterte, löste eine Debatte über die Sicherheit der Pilotprogramme aus.

Serve Robotics bezeichnete den Vorfall als "extrem selten" und versicherte, die Kosten für die Reparatur zu übernehmen. Ald. Walter Burnett (27. Bezirk) betonte die Wichtigkeit der öffentlichen Sicherheit und einer konsequenten Überwachung der Roboter. Josh Robertson startete eine Petition mit über 3.700 Unterschriften, um die Roboterlieferungen in Chicago zu beenden, da das Pilotprogramm "störender für den Alltag der Chicagoer" sei, als es sein sollte.

Arbeitsplatzverdrängung: Eine anhaltende Debatte

Die Sorge vor Arbeitsplatzverdrängung durch Automatisierung ist ein wiederkehrendes Thema. Die CEOs der Lieferroboterunternehmen widersprechen jedoch der Annahme, dass ihre Roboter einfach Arbeitsplätze vernichten werden. Ali Kashani argumentiert, dass Technologie den Arbeitsmarkt historisch eher verändert als zerstört hat. Zach Rash meint, dass günstigere Lieferungen durch Roboter die Nachfrage steigern und gleichzeitig neue Arbeitsplätze schaffen könnten. Naomi Fitter ergänzt, dass Roboter in einigen Fällen menschliche Arbeit erweitern können, anstatt sie zu ersetzen. Die übergeordnete Frage bei der Entwicklung neuer Technologien sollte laut Fitter sein, ob sie "die menschliche Erfahrung verbessern".

Vorerst haben Lieferroboter ihren Platz auf Amerikas Gehwegen eingenommen: Für einige eine leichte Belästigung, von den meisten ignoriert und in manchen Fällen sogar von anderen geholfen.

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