
Lululemon: Gründer kritisiert Vorstand nach Leggings-Rückruf – Aktie unter Druck
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Lululemon hat den Online-Verkauf seiner neuen "Get Low" Leggings-Kollektion vorübergehend eingestellt, nachdem Kunden über mangelnde Blickdichte und Transparenz klagten. Gründer Chip Wilson bezeichnete den Vorfall als "total operational failure" und kritisierte die Unternehmensführung scharf, was die Aktie des Athleisure-Riesen weiter unter Druck setzte.
Lululemon stoppt Online-Verkauf von "Get Low" Leggings
Lululemon Athletica hat den Online-Verkauf seiner kürzlich eingeführten "Get Low" Leggings-Kollektion vorübergehend ausgesetzt. Kunden hatten sich über die Transparenz der Hosen beschwert und sie als "see-through" und "not squat-proof" bezeichnet, was bedeutet, dass sie bei sportlichen Aktivitäten nicht blickdicht sind. Die Kollektion bleibt jedoch in den nordamerikanischen Filialen erhältlich.
Ein Sprecher von Lululemon erklärte, die vorübergehende Aussetzung des Online-Verkaufs diene dazu, "erstes Kundenfeedback besser zu verstehen und Produktschulungen zu unterstützen". Das Unternehmen erwarte, die Kollektion bald wieder in den nordamerikanischen E-Commerce-Kanälen anzubieten, während sie in anderen Märkten weiterhin verfügbar sei. Analyst Matthew Boss von JPMorgan stellte fest, dass die Produkte bereits am 16. Januar, nur drei Tage nach ihrem Debüt, nicht mehr auf der Lululemon-Website verfügbar waren.
Gründer Chip Wilson kritisiert Lululemon-Vorstand scharf
Chip Wilson, Gründer und ehemaliger CEO von Lululemon, äußerte sich in einem LinkedIn-Post vom Mittwoch vehement kritisch zum jüngsten Produktrückruf. Er bezeichnete den Vorfall als "new low" für die Marke und als "total operational failure", dessen Schuld er dem Vorstand des Unternehmens zuschreibt. Wilson ist der Meinung, Lululemon habe "längst seinen Coolness-Faktor verloren" und sei "als führendes Unternehmen für technische Bekleidung völlig vom Weg abgekommen".
Wilson kritisierte den Vorstand als unerfahren und kurzsichtig. Er führte aus, dass "anhaltende Misserfolge wie dieser aus der mangelnden Erfahrung dieses Vorstands in kreativen Unternehmen, dem Desinteresse an Produktentwicklung und -qualität sowie der Konzentration auf kurzfristige, eigennützige Prioritäten resultieren".
Wiederkehrende Qualitätsprobleme belasten die Marke
Der aktuelle Rückruf der "Get Low" Leggings ist nicht der erste Vorfall dieser Art für Lululemon. Bereits im Juli 2024, weniger als zwei Jahre zuvor, wurde die "Breezethrough"-Produktlinie nach Kundenbeschwerden über unvorteilhafte Nahtlinien vom Markt genommen. Noch gravierender war ein Vorfall im Jahr 2013, als Lululemon 17% all seiner Hosen wegen übermäßiger Transparenz zurückrufen musste.
Damals, als Chip Wilson noch im Vorstand des Unternehmens saß, wurde ein unvollständiges Testprotokoll als Ursache für den Herstellungsfehler genannt. Kunden wurden damals volle Rückerstattungen angeboten. Diese wiederkehrenden Qualitätsprobleme werfen Fragen zur Innovationsfähigkeit und Premium-Positionierung der Marke auf, wie Jefferies-Analysten in einer Notiz festhielten.
Finanzielle Auswirkungen und Herausforderungen in der Unternehmensführung
Die jüngsten Produktprobleme haben auch finanzielle Auswirkungen auf Lululemon. Der Aktienkurs des Unternehmens ist in den letzten fünf Tagen um etwa 10% gefallen und hat im vergangenen Jahr über 50% an Wert verloren. Am Dienstag fiel die Aktie um 5,9%, was die Verluste nach Bekanntwerden der Verkaufsunterbrechung noch verstärkte. Im Jahr 2025 sanken die Aktien um 46%.
Diese Rückschläge kommen zu einer Zeit, in der Lululemon versucht, das Umsatzwachstum wiederzubeleben und Kunden zurückzugewinnen. Das Unternehmen ist zudem auf der Suche nach einem Nachfolger für CEO Calvin McDonald, der Ende Januar zurücktreten soll.
Wilsons anhaltender Kampf um Einfluss
Chip Wilson, der den Vorstand von Lululemon im Jahr 2015 verlassen hat, hat die Marke seitdem mehrfach öffentlich kritisiert. Er verglich die Entwicklung des Unternehmens unter CEO Calvin McDonald mit einem "Flugzeugabsturz" und einem "sinkenden Schiff". Als größter Aktionär startete er im Dezember einen Proxy Fight, um die Unternehmensführung umzugestalten, und nominierte drei neue Vorstandsmitglieder seiner Wahl.
Der aktivistische Investor Elliott Investment Management hat ebenfalls eine Beteiligung von über 1 Milliarde US-Dollar an Lululemon aufgebaut und arbeitet seit Monaten mit der Einzelhandelsmanagerin Jane Nielsen zusammen. Diese Entwicklungen unterstreichen den Druck, unter dem Lululemon steht, um seine Produktqualität und Unternehmensführung zu stabilisieren.