
Luxusaktien unter Druck: Kering und Hermes enttäuschen mit Quartalszahlen
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Die jüngsten Quartalsergebnisse führender Luxuskonzerne wie Kering und Hermes haben die Anleger enttäuscht und zu einem deutlichen Kursrutsch im gesamten Sektor geführt. Insbesondere der Konflikt im Nahen Osten belastet die Verkaufszahlen und trübt die Aussichten für eine schnelle Erholung des Luxusmarktes.
Deutliche Kursverluste bei Luxusaktien
Am Mittwoch verzeichneten Luxusaktien erhebliche Einbußen, nachdem Gucci-Eigentümer Kering und Hermes ihre Ergebnisse für das erste Quartal vorgelegt hatten. Die Hermes-Aktie stürzte um 14 Prozent ab, während Kering einen Rückgang von 10 Prozent hinnehmen musste. Diese Entwicklungen zogen auch andere Branchengrößen mit sich: Burberry, Christian Dior, LVMH und Moncler gehörten zu den größten Verlierern im pan-europäischen Stoxx 600 Index mit Kursrückgängen zwischen 2 und 3 Prozent.
Hermes meldete für das erste Quartal einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro. Das Unternehmen gab an, dass die Umsätze in den eigenen Geschäften trotz der Verlangsamung der Touristenströme im Zusammenhang mit der Lage im Nahen Osten um 7 Prozent gestiegen seien. Allerdings wurde das Großhandelsgeschäft, insbesondere in Konzessionsgeschäften im Nahen Osten und an Flughäfen, erheblich beeinträchtigt.
Gucci bleibt eine Herausforderung für Kering
Kering meldete am Dienstagabend Umsatzzahlen, die unter den Erwartungen lagen. Der Konzernumsatz sank im ersten Quartal auf berichteter Basis um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,57 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer Basis zu konstanten Wechselkursen blieb der Umsatz stabil.
Die größte Marke des Luxuskonglomerats, Gucci, blieb trotz der Bemühungen des neuen CEO Luca de Meo, das Ruder herumzureißen, ein Bremsklotz. Die organischen Umsätze von Gucci fielen um 8 Prozent, was einen stärkeren Rückgang darstellt als die von Analysten erwarteten 6 Prozent oder 4,3 Prozent. Dies markiert den elften Quartalsrückgang in Folge für Gucci, dessen Umsatz von Januar bis März bei 1,35 Milliarden Euro lag.
Bernstein-Analyst Luca Solca beschrieb die Ergebnisse als "Reality Check". Er merkte an, dass es für den Markt einfacher und schneller sei, an eine Wiederbelebung zu glauben, als für das Management, diese tatsächlich zu realisieren.
Der Einfluss des Nahost-Konflikts auf den Luxusmarkt
Der Konflikt im Nahen Osten hat sich als signifikanter Faktor für die schwachen Ergebnisse erwiesen. Kering berichtete, dass die Einzelhandelsumsätze in der Region im ersten Quartal um 11 Prozent zurückgingen, nachdem sie in den ersten beiden Monaten des Jahres noch gewachsen waren. Der Nahe Osten macht mit 79 Geschäften etwa 5 Prozent des Einzelhandelsumsatzes von Kering aus.
Der Konflikt reduzierte das Gesamtwachstum von Kering auf Konzernebene um etwa einen Prozentpunkt. Ähnliche Auswirkungen meldete auch der größere Konkurrent LVMH, Eigentümer von Marken wie Louis Vuitton und Christian Dior. LVMH stellte fest, dass weniger wohlhabende Käufer aus den Golfstaaten lokale Einkaufszentren besuchten oder nach Europa reisten, um Luxusgüter zu erwerben.
Kering's strategische Neuausrichtung unter Luca de Meo
Trotz der enttäuschenden Ergebnisse richten sich die Augen der Investoren auf den Capital Markets Day von Kering am Donnerstag, dem 16. April. Dort wird CEO Luca de Meo seine strategische Roadmap "ReconKering" präsentieren. De Meo, der im September die Führung übernahm, hat bereits schnelle Personalwechsel vorgenommen und die Einführung neuer Kollektionen beschleunigt.
"Gucci bleibt unsere oberste Priorität. Eine umfassende Neuausrichtung ist im Gange, mit entscheidenden Maßnahmen in Bezug auf Kunden, Vertrieb und vor allem das Angebot", erklärte de Meo in einer Stellungnahme. Gucci hat unter seiner Führung einen neuen Leiter und mit Demna Gvasalia, ehemals bei Balenciaga, einen neuen Kreativdirektor erhalten. Die ersten Stile von Demna sind bereits in den Geschäften erhältlich.
Regionale Entwicklungen und Ausblick
Die Umsätze von Kering aus dem eigenen Einzelhandelsnetzwerk, einschließlich Online-Verkäufen, gingen um 2 Prozent zurück und zeigten sich regional und markenübergreifend uneinheitlich. Während sich die Trends in den Vereinigten Staaten beschleunigten, bleibt das Umfeld in China, einem Schlüsselmarkt für Luxusgüter, aufgrund der anhaltenden Immobilienkrise herausfordernd.
Kering-Finanzchefin Armelle Poulou merkte an, dass es in China ein Umfeld gebe, das nicht helfe, aber auch eigene Schwierigkeiten, an denen gearbeitet werde. Analysten erwarten, dass Gucci frühestens in der zweiten Jahreshälfte wieder Wachstum verzeichnen könnte. Die Kering-Aktie ist seit Jahresbeginn 2026 um etwa 7 Prozent gefallen, während LVMH im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 25 Prozent verzeichnete.