Machtkampf um die Fed: Trump droht Powell mit Entlassung – rechtliche Hürden und Marktfolgen

Machtkampf um die Fed: Trump droht Powell mit Entlassung – rechtliche Hürden und Marktfolgen

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Die US-Notenbank Federal Reserve steht vor einer potenziell turbulenten Phase, da Präsident Trump erneut gedroht hat, den amtierenden Fed-Vorsitzenden Jerome Powell zu entlassen. Powells Amtszeit als Fed-Chef endet am 15. Mai, doch seine Rolle als Fed-Gouverneur könnte bis Januar 2028 andauern, was einen komplizierten Rechtsstreit nach sich ziehen könnte. Dieser Konflikt wirft Fragen zur Unabhängigkeit der Notenbank und den möglichen Auswirkungen auf die Finanzmärkte auf.

Trumps Drohungen und Powells Standhaftigkeit

Präsident Trump äußerte in einem Interview mit Maria Bartiromo auf Fox Business am Mittwoch seine Absicht, Jerome Powell zu entlassen, sollte dieser nach dem 15. Mai nicht auch seinen Sitz als Mitglied des Board of Governors der US-Zentralbank räumen. Trump begründete dies mit Powells Festhalten an seinem Amt als Gouverneur, solange eine strafrechtliche Untersuchung des Justizministeriums bezüglich laufender Gebäuderenovierungen bei der Fed andauert. Powell selbst sieht diese Untersuchung als Versuch, ihn zu niedrigeren Zinsen oder zum Rücktritt zu drängen.

Der Präsident hat in der Vergangenheit wiederholt seine Unzufriedenheit mit dem Tempo der Zinssenkungen der Federal Reserve geäußert, die er als zu langsam empfindet. Er betonte, er habe sich bisher mit einer Entlassung zurückgehalten, um nicht "kontrovers" zu wirken, doch nun sei er bereit, diesen Schritt zu gehen, falls Powell nicht "pünktlich" gehe. Powell erklärte im März, er habe nicht die Absicht, das Board zu verlassen, bevor die Untersuchung "wirklich und wahrhaftig beendet" sei, und seine Entscheidung würde darauf basieren, "was er für das Beste für die Institution und die Menschen, denen wir dienen", hielt.

Die rechtliche Lage: "For Cause" als Hürde

Eine Entlassung Powells durch den Präsidenten wäre rechtlich fragwürdig, wie Dan Urman, Direktor für Recht und öffentliche Ordnung an der Northeastern University, gegenüber CBS News erklärte. Laut dem Federal Reserve Act von 1913 können Mitglieder des Federal Board of Governors nur "aus wichtigem Grund" (for cause) entlassen werden, was schwerwiegendes Fehlverhalten voraussetzt. Urman betonte, dass Powell kein solches Fehlverhalten vorgeworfen werden könne.

Fed-Gouverneure dienen 14-jährige Amtszeiten, im Gegensatz zu den vier Jahren für den Fed-Vorsitzenden. Dies bedeutet, dass der Leiter der US-Zentralbank auch nach dem Ausscheiden aus dem Vorsitz im Fed-Board verbleiben kann. Im Fall von Powell endet seine Amtszeit als Vorsitzender am 15. Mai, während seine Amtszeit als Fed-Gouverneur bis Januar 2028 läuft.

Der Fall Warsh und politische Blockaden

Ein weiteres Hindernis für die Ablösung Powells ist die schleppende Bestätigung des ehemaligen Fed-Beamten Kevin Warsh als neuer Fed-Vorsitzender. Der republikanische Senator Thom Tillis aus North Carolina hat angekündigt, keine Fed-Nominierten zu bestätigen, solange die Untersuchung des Justizministeriums zu den Fed-Renovierungen nicht eingestellt wird. Tim Duy, Chefökonom bei SGH Macro, kommentierte, dass Trumps Feindseligkeit gegenüber Powell einen reibungslosen Übergang zu Warsh verhindere.

Powell selbst erklärte im März, er würde als "pro tem chair" der Fed dienen, bis ein Nachfolger im Amt bestätigt werden kann. Obwohl Präsident Trump den Fed-Gouverneur Stephen Miran am 15. Mai zum amtierenden Fed-Vorsitzenden ernennen könnte, würde dieser Schritt wahrscheinlich rechtlich angefochten werden. Jaret Seiberg, Analyst bei TD Securities, wies darauf hin, dass Powell klagen könnte, um seine Position als amtierender Vorsitzender zu behaupten, was die Situation "ziemlich chaotisch" machen würde. Finanzminister Scott Bessent zeigte sich jedoch optimistisch, dass Kevin Warsh "pünktlich" Fed-Vorsitzender sein werde und die Frage damit hinfällig sei.

Mögliche Szenarien und Marktfolgen

Sollte Präsident Trump seine Drohungen wahr machen und versuchen, Powell zu entlassen, würden die Anleger wahrscheinlich negativ reagieren. Brett House, Professor an der Columbia Business School, merkte an, dass die Finanzmärkte die Fähigkeit der Fed, die Geldpolitik unabhängig von politischem Druck zu steuern, sehr schätzen. Eine solche Einmischung könnte das Vertrauen der Märkte erschüttern und zu einem Ausverkauf führen.

Präzedenzfall vor dem Obersten Gerichtshof

Der Oberste Gerichtshof der USA prüft derzeit zwei Fälle, die sich mit der Frage befassen, ob ein US-Präsident die rechtliche Befugnis hat, Leiter unabhängiger Bundesbehörden zu entlassen. Einer dieser Fälle betrifft die Fed-Gouverneurin Lisa Cook, die Trump im August wegen angeblichen Hypothekenbetrugs entlassen wollte, was sie bestritt. Cook wurde nicht strafrechtlich angeklagt.

Dan Urman zufolge ist der Fall Cook "direkt einschlägig" und fragt, ob der Präsident ein Mitglied des Federal Reserve Board entlassen kann. Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs wird bis Ende Juni erwartet – nach dem Ende von Powells Amtszeit als Fed-Chef. Urman betonte, dass jeder Versuch, Powell vorher zu entlassen, "ziemlich eindeutig rechtswidrig" wäre. Die Entscheidung des Gerichts könnte somit einen wichtigen Präzedenzfall für die Unabhängigkeit der US-Notenbank und anderer unabhängiger Behörden schaffen.

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