Märkte im Spannungsfeld: Zölle, Kreditrisiken und der Wandel im Softwaresektor

Märkte im Spannungsfeld: Zölle, Kreditrisiken und der Wandel im Softwaresektor

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Die Finanzmärkte sehen sich aktuell mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert, die von handelspolitischen Spannungen über regulatorische Eingriffe bis hin zu strukturellen Veränderungen im Technologiesektor reichen. Diese Faktoren beeinflussen die Anlegerstimmung und führen zu einer Neupositionierung in verschiedenen Branchen.

EU-Vergeltungszölle rücken in den Fokus

Die Schlagzeilen über EU-Vergeltungszölle sind wieder präsent und beleben das Handelsrisiko, gerade als die Märkte versuchten, sich zu stabilisieren. Die primäre Sorge gilt dabei nicht einem sofortigen Nachfrageeinbruch, sondern den Sekundäreffekten auf Lieferketten und Margen. Besonders Unternehmen mit globaler Ausrichtung und europäischem Engagement spüren diesen Druck zuerst, wenn Zolldiskussionen wieder aufkommen. Industriewerte und multinationale Konzerne sind hierbei besonders exponiert.

Kreditkarten-APR-Obergrenzen belasten Finanzwerte

Eine ab dem 20. Januar in Kraft tretende Obergrenze für Kreditkarten-APR (Annual Percentage Rate) hat sich schnell zu einem zentralen Risiko für den Finanzsektor entwickelt. Selbst wenn diese Maßnahme nur temporär ist oder überarbeitet wird, wirft die Politik ernsthafte Fragen hinsichtlich Margenkompression und einer potenziell reduzierten Kreditverfügbarkeit auf. Aktien von Unternehmen, die im Bereich Verbraucherkredite und Zahlungsdienstleistungen tätig sind, wie SoFi (NASDAQ:SOFI), American Express (NYSE:AXP), Capital One (NYSE:COF), Synchrony Financial (NYSE:SYF) und Nu Holdings (NYSE:NU), reagieren bereits auf diese Schlagzeilen, noch bevor die genauen Auswirkungen der Politik finalisiert sind.

Softwaresektor unter Druck durch Risikoaversion und KI

Der Softwaresektor fungiert erneut als Ventil in einem risikobereinigten Marktumfeld. Wachstumsaktien mit langer Duration werden verkauft, um Portfolios angesichts politischer Unsicherheiten und makroökonomischer Geräusche zu de-risiken. Hoch bewertete Software- und Datenplattformen wie Snowflake (NYSE:SNOW), MongoDB (NASDAQ:MDB), Salesforce (NYSE:CRM), Adobe (NASDAQ:ADBE) und Datadog (NYSE:DDOG) stehen unter Druck, da Anleger sich in Richtung wahrgenommener Sicherheit und Liquidität bewegen.

Die Künstliche Intelligenz (KI) könnte zudem weitere Herausforderungen für Softwareaktien mit sich bringen. Im Jahr 2025 blieben S&P 500 Softwareaktien bereits das zweite Jahr in Folge hinter dem breiteren Index zurück, während Unternehmen, die die "Schaufeln und Spitzhacken" des KI-Aufbaus liefern – wie Halbleiter und Speichergeräte – den Aktienmarkt anführten. Analysten erwarten, dass diese Herausforderungen, insbesondere für Anwendungsentwickler, auch 2026 anhalten werden.

Ein Beispiel hierfür ist die Herabstufung der Adobe (ADBE)-Aktie durch Oppenheimer von "Outperform" auf "Perform", wobei das Kursziel vollständig zurückgezogen wurde. Als Begründung wurden Bedrohungen durch KI genannt, die in unterschiedlichem Maße die gesamte Anwendungssoftwarebranche betreffen. Die Aktien von Adobe, die in den letzten zwölf Monaten über ein Fünftel ihres Wertes verloren haben, fielen an einem Dienstag um mehr als 5 %. Ein Hauptproblem für Adobe ist laut Oppenheimer die Wahrnehmung, dass KI seine Wettbewerbsposition schwächt. Generative KI "erhöht die Geschwindigkeit der Inhaltserstellung, während sie Preise und Abonnentenwachstum senkt", so die Analysten um Brian Schwartz. Das Unternehmen sieht sich neuer Konkurrenz durch LLM-Anbieter wie OpenAI und Werbeplattformen wie Meta gegenüber, die kreative Tools eingeführt haben, die Alternativen zu den bisherigen Adobe-Lizenzen und Spezialkenntnissen bieten. Zudem befürchten Anleger, dass generative KI das sitzbasierte Preismodell, auf dem viele Software-as-a-Service-Anbieter wie Adobe aufbauen, umkrempeln könnte. Eine Anpassung an nutzungsbasierte Preismodelle, wie sie von KI-Entwicklern und Hyperscalern bevorzugt werden, könnte notwendig werden.

American Express: Stärken und Herausforderungen

Die Aktien von American Express (NYSE:AXP) haben sich in den letzten sechs Monaten mit einem Plus von 15,4 % besser entwickelt als der Zacks Financial - Miscellaneous Services Index, der im gleichen Zeitraum ein Minus von 16 % verzeichnete. Das Unternehmen profitiert von einem anhaltenden Umsatzwachstum, das durch neue Produkteinführungen, strategische Partnerschaften und eine Erholung der Reise- und Unterhaltungsausgaben angetrieben wird. Die Umsätze stiegen in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 um 9 % im Jahresvergleich.

Eine starke Cash-Generierung und disziplinierte Kapitalrückführungen unterstreichen die Finanzkraft des Unternehmens. American Express schüttete allein im dritten Quartal 2,9 Milliarden US-Dollar durch Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre aus. Die Eigenkapitalrendite (ROE) von 33,4 % liegt über dem Branchendurchschnitt. Der Fokus auf die Gewinnung technikaffiner Kunden positioniert das Unternehmen für langfristiges Wachstum.

Dennoch gibt es auch Herausforderungen: Anhaltend steigende Ausgaben belasten die Margen, und die Rückstellungen für Kreditausfälle bleiben aufgrund der makroökonomischen Unsicherheit erhöht. American Express ist zudem weniger agil bei der Nutzung aufkommender nicht-kartenbasierter Zahlungstrends und trägt eine hohe Schuldenlast, die hohe Zinsaufwendungen verursacht. Analysten empfehlen daher eine vorsichtige Haltung gegenüber der Aktie.

Ausblick auf Flugpreise

Die Preise für Inlandsflüge in der Hauptkabine könnten in naher Zukunft steigen, wie Delta Air Lines (DAL) Präsident Glen Hauenstein prognostiziert. Fluggesellschaften, einschließlich Delta, verlieren derzeit Geld beim reinen Transport von Passagieren und erzielen Gewinne stattdessen durch Zusatzleistungen wie Co-Branded-Kreditkarten. Die Verluste sind in der Hauptkabine tendenziell größer, was Fluggesellschaften, die sich auf dieses Segment konzentrieren, stärker unter Druck setzt als Delta. Hauenstein betonte, dass sich dies irgendwann ändern müsse, da "die Mathematik stimmen muss". Die Ergebnisse von Delta für das vierte Quartal lagen leicht unter den Erwartungen der Analysten, und die Fluggesellschaft veröffentlichte eine zurückhaltendere Gewinnprognose als von der Wall Street erwartet. Delta führt die niedrigen Gewinnmargen bei Hauptkabinentarifen als Belastung für die Branche an. Trotzdem erreichten die Buchungen Anfang Januar einen wöchentlichen Rekord.