
Maine bremst KI-Rechenzentren: Ein nationaler Trend gegen Big Techs Expansion
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Der US-Bundesstaat Maine steht kurz davor, als erster Staat ein Moratorium für den Bau von KI-Rechenzentren zu verhängen. Diese Entwicklung spiegelt eine wachsende nationale Debatte über die Auswirkungen der schnell expandierenden KI-Infrastruktur auf lokale Ressourcen, Stromnetze und die Umwelt wider. Während Maine kurz vor dem Erfolg steht, scheiterten ähnliche Initiativen in mindestens elf anderen Bundesstaaten.
Der Boom der KI-Infrastruktur und lokale Bedenken
Die Vereinigten Staaten verfügen über 4.000 Rechenzentren, weitere 3.000 sind entweder geplant oder im Bau, so das American Edge Project, eine Technologiekoalition. Ein Anstieg der Nachfrage nach KI-Infrastruktur befeuert diesen Boom landesweit und weltweit. Mit der wachsenden Präsenz dieser Anlagen mobilisieren lokale Gemeinschaften Proteste aufgrund vielfältiger Bedenken.
Diese Bedenken reichen von Lärmbelästigung über steigende Stromrechnungen bis hin zu den Auswirkungen auf die lokale Infrastruktur und Wasserversorgung. Befürworter der Moratorien argumentieren, dass eine Pause in der Entwicklung von Rechenzentren den staatlichen Behörden Zeit geben würde, die Auswirkungen des Wachstums auf Umwelt, Strompreise, öffentliche Gesundheit und lokale Infrastruktur zu untersuchen.
Maines wegweisender Schritt
Maines Repräsentantenhaus und Senat haben den Text eines Gesetzesentwurfs genehmigt, der den Weg für eine finale Abstimmung bis zum 15. April ebnet. Sollte der Gesetzesentwurf verabschiedet werden, würde er ein temporäres Verbot für den Bau von KI-Rechenzentren im Staat bis zum 1. November 2027 verhängen. Das Moratorium betrifft Rechenzentren mit einer Last von 20 Megawatt oder mehr.
Der Gesetzesentwurf, gesponsert von Rep. Melanie Sachs, D-Freeport, sieht auch die Einrichtung eines Maine Data Center Coordination Council vor. Dieses Gremium soll die Planung erleichtern und einen Abschlussbericht mit Empfehlungen bis zum 1. Februar 2027 dem Gesetzgeber vorlegen. Obwohl Maine derzeit keine großen KI-Rechenzentren beherbergt, hat es ein erhöhtes Interesse von Entwicklern verzeichnet, unter anderem in Sanford und Jay. Gouverneurin Janet Mills hat Unterstützung für das Moratorium signalisiert, bevorzugt jedoch Ausnahmen für bestimmte bereits laufende Projekte.
Lokale Initiativen in Maine
Parallel zu den staatlichen Bemühungen plant die Stadt Bangor, eine Verordnung im Schnellverfahren zu verabschieden, die Rechenzentren für die nächsten sechs Monate verbieten würde. Diese Maßnahme soll der Stadt Zeit geben, ihren Land Development Code anzupassen, bevor sie Vorschläge von Rechenzentren prüft. Die Dringlichkeit wird durch einen "plötzlichen Entwicklungsdruck von Rechenzentren" in Bangor begründet.
Stadtrat Joe Leonard äußerte Bedenken, dass Rechenzentren zwar kurzfristige Bauarbeitsplätze schaffen könnten, der langfristige wirtschaftliche Nutzen jedoch im Vergleich zu ihren Auswirkungen auf die Gemeinden "winzig" sei. Die Verordnung von Bangor würde 180 Tage lang oder bis zur Inkraftsetzung von Bebauungs- und Landnutzungsänderungen gelten.
Nationale Debatte und Bundesebene
Die Debatte um Rechenzentren hat auch die Bundesebene erreicht. Senator Bernie Sanders (I-Vt.) und Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez (D-N.Y.) führten im März 2026 ein Bundesgesetz ein, das eine nationale Pause in der Entwicklung von Rechenzentren fordert. Sanders betonte, dass "der Kongress weit hinter dem zurückliegt, wo er sein sollte, um die Natur dieser Revolution und ihre Auswirkungen zu verstehen."
Auch Präsident Donald Trump hat sich geäußert und fordert, dass große Technologieunternehmen einen größeren Teil der Infrastruktur- und Energiekosten tragen, die mit der Expansion von Rechenzentren verbunden sind. Anirban Basu, Chefökonom von Associated Builders and Contractors, kommentierte die Entwicklung in Maine mit den Worten: "Maine ist der Kanarienvogel in der Kohlenmine. Maine wird der erste von vielen Staaten sein, die solche Moratorien haben werden."
Gescheiterte Initiativen in anderen Staaten
Eine Überprüfung der Gesetzgebungsdossiers durch Business Insider ergab, dass 2026 in mindestens zwölf Staaten Gesetzesentwürfe für Moratorien eingebracht wurden. Außer Maine sind alle diese Initiativen ins Stocken geraten oder wurden abgelehnt:
- Georgia: Ein Gesetzesentwurf für einen temporären Stopp scheiterte. Der Staat beherbergt 93 Rechenzentren, darunter Elon Musks xAI in Atlanta und einen im Bau befindlichen Microsoft-Hub.
- Maryland: Eine Notstandsmaßnahme für einen sofortigen Baustopp scheiterte. Der offizielle Versorgungsbeauftragte des Staates warnte, dass stromhungrige Anlagen die Strompreise in die Höhe treiben.
- Michigan: Ein parteiübergreifender Gesetzesentwurf für ein Moratorium bis zum 1. April 2027 ist unwahrscheinlich erfolgreich, da Gouverneurin Gretchen Whitmer sich zuvor gegen ein Moratorium ausgesprochen hatte. Lokale Moratorien wurden jedoch in East Lansing, Huron County, Delta County und Big Rapids Township verabschiedet.
- New Hampshire: Ein demokratischer Abgeordneter scheiterte mit einem einjährigen Moratorium.
- New York: Ein Gesetzesentwurf für einen dreijährigen Stopp und eine Umweltprüfung steckt im Ausschuss fest.
- Oklahoma: Ein Gesetzesentwurf für ein Moratorium bis 2029 scheiterte früh. Senatorin Kendal Sacchieri betonte, dass "Fortschritt nicht auf Kosten der Lebensqualität oder der Versorgungskosten der Oklahomaner gehen darf." Tulsa und die Seminole Nation verhängten lokale Moratorien.
- South Carolina: Ein Moratoriums-Gesetzesentwurf scheiterte. Google expandiert im Staat, und Meta baut einen Rechenzentrums-Campus in Aiken County.
- South Dakota: Ein Moratoriums-Gesetzesentwurf wurde im Senatsausschuss abgelehnt. Auch Gesetze zur Förderung der Branche, wie eine 50-jährige Umsatzsteuerbefreiung, scheiterten.
- Vermont: Ein Moratoriums-Gesetzesentwurf steckt im Finanzausschuss fest.
- Virginia: Die Gesetzgeber vertagten einen Moratoriums-Gesetzesentwurf auf 2027. Virginia beherbergt die weltweit größte Konzentration von Rechenzentren. Eine Umsatzsteuerbefreiung für die Branche kostete den Staat im Fiskaljahr 2025 1,9 Milliarden US-Dollar.
- Wisconsin: Ein Versuch, den Bau von Rechenzentren zu pausieren, scheiterte im Senat. Ein Vorort von Milwaukee, Port Washington, verabschiedete jedoch ein Referendum, das zukünftige Steuervergünstigungen für Rechenzentren der Zustimmung der lokalen Wähler unterstellt.
Wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen
Rechenzentren verbrauchten in den Vereinigten Staaten im Jahr 2024 etwa 183 Terawattstunden Strom, was über 4 % des gesamten Stromverbrauchs ausmacht. Diese Zahl wird sich bis 2030 voraussichtlich mehr als verdoppeln. Maine hat bereits einige der höchsten Strompreise im Land, und Gesetzgeber warnen, dass energieintensive Rechenzentren die Kosten für die Bewohner weiter erhöhen könnten.
Tracey Hyatt Bosman, eine Standortberaterin bei BLS & Co., bezeichnete lokale Maßnahmen zur Einschränkung von Rechenzentren als "ein Warnsignal", das die Standortsuche einschränke. Kritiker warnen, dass solche Beschränkungen die wirtschaftliche Entwicklung und Investitionen begrenzen könnten. Tony McDonald, ein Entwickler, der an einem Rechenzentrumsprojekt in Jay, Maine, arbeitet, äußerte, dass der Vorschlag Unsicherheit geschaffen habe: "Plötzlich sind wir in dieses Schleppnetz geraten."