
Markt-Sell-off: Geopolitische Spannungen und Ölpreise belasten globale Aktienmärkte
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Die globalen Aktienmärkte verzeichneten am Freitag einen deutlichen Rückgang und erreichten den niedrigsten Stand seit August letzten Jahres. Steigende Sorgen über die Auswirkungen der US-Spannungen mit dem Iran auf die Ölpreise haben den Dow und den Nasdaq in Korrekturterritorium gedrückt, während der S&P 500 nach fünf Wochen in Folge mit Verlusten knapp an einer Korrektur vorbeischrammte. Diese Entwicklung zwingt Anleger, ihre Risikobewertungen neu zu kalibrieren.
Aktuelle Marktlage und geopolitische Spannungen
Der S&P 500 durchlebt seine längste Verlustserie seit 2022, eine Periode, die von erhöhter Volatilität und einer spürbaren Verschiebung der Marktstimmung geprägt ist. Am 26. März 2026 fiel der S&P 500 um -1,67 %, der Nasdaq Composite um -2,15 % und der Dow Jones Industrial Average um -1,73 %. Haupttreiber dieser Abwärtsbewegung sind geopolitische Instabilität und anhaltende Inflationssorgen.
Insbesondere der eskalierende Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran wirft einen langen Schatten auf die globalen Märkte. Nach US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran am Wochenende des 1. März 2026 schloss der S&P 500 am 2. März zunächst leicht mit 0,04 % im Plus, erholte sich von einem Intraday-Tief von -1,2 %. Diese anfängliche Gelassenheit wich jedoch schnell der Besorgnis, als der Dow am 3. März zeitweise über 1.200 Punkte einbrach, bevor er die Verluste auf 400 Punkte reduzierte.
Der schwindende "Trump Put" und Anlegervertrauen
Die Reaktionen der Finanzexperten auf den Markt-Sell-off deuten größtenteils auf das Weiße Haus als zentralen Faktor hin. Forscher von Barclays stellten fest: "Das Hin und Her und die Schlagzeilenmüdigkeit beginnen, die Wirksamkeit des 'Trump Put' ernsthaft zu untergraben." Dieser Begriff bezieht sich auf die verbreitete Annahme, dass Präsident Donald Trump in Abschwungphasen eingreifen wird, um die Märkte zu stützen. Zunehmend verlieren Anleger das Vertrauen in diese Absicherung, insbesondere wenn es um das Ende des Konflikts geht.
Expertenstimmen zur Marktentwicklung
Führende Finanzexperten äußern sich besorgt über die aktuelle Lage und geben unterschiedliche Einschätzungen zur weiteren Entwicklung ab:
- Mohamed A. El-Erian, Ökonom: Der bekannte Ökonom und ehemalige PIMCO-CEO Mohamed A. El-Erian schrieb auf X, dass die Märkte die Woche volatil beendeten, wobei sowohl Aktien als auch Anleihen fielen. Er wies darauf hin, dass selbst diversifizierte Anleger mit einem "60/40"-Portfolio (60 % Aktien, 40 % Anleihen) Verluste erleiden. Dies sei der steilste monatliche Verlust seit 2022 für ein solches Portfolio.
- **Marko Kolanovic, ehem. JPMorgan Chef-Marktstratege:** Marko Kolanovic erklärte auf X, dass die Verzögerung der Wiedereröffnung der Straße von Hormuz – einer kritischen Wasserstraße für die weltweite Energieversorgung – der Weltwirtschaft schade. Die Taktiken der Trump-Administration zur Beruhigung der Ölpreise seien kontraproduktiv gewesen, da sie das Ausmaß des Problems verschleierten und Maßnahmen zur Wiedereröffnung verzögerten.
- Peter Mallouk, CEO von Creative Planning: Peter Mallouk, CEO und Präsident des Vermögensverwalters Creative Planning, sieht den Sell-off als kurzfristiges Rauschen. Er betonte in einem X-Post, dass langfristig nur eines zähle: die Gewinne. Spekulanten konzentrierten sich auf das Kurzfristige, während Investoren das lange Spiel spielten.
- **Torsten Sløk, Chefökonom von Apollo Global Management:** Torsten Sløk vertrat die gegensätzliche Ansicht, dass der Iran-Krieg keine langfristigen Auswirkungen auf die breitere Wirtschaft haben werde. Er sagte, die Märkte überreagierten auf eine voraussichtlich vier- bis sechswöchige Volatilitätsperiode, die letztendlich zu 50 Jahren Stabilität auf den Ölmärkten, in den Lieferketten und in der Geopolitik führen werde.
- **Peter Tuchman, "Einstein der Wall Street":** Peter Tuchman, der New Yorker Börsenhändler, warnte auf X, dass der März auf dem besten Weg sei, der schlechteste Monat seit 2022 zu werden. Er sieht erhebliche inflationäre Folgen: "Es gibt kein Ende dieses Krieges in Sicht. Öl steigt, steigt, steigt. Wenn Öl über einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau bleibt, sind die inflationären Auswirkungen enorm, und genau da liegt das Problem." Er fügte hinzu, dass die Zinsen steigen könnten.
- Larry Weiss, Head of Trading bei Instinet: Larry Weiss von Instinet äußerte, dass Anleger den Zusicherungen von Regierungsvertretern bezüglich des Zeitrahmens des Krieges skeptisch gegenüberstünden. Der Markt hätte "gejubelt", nachdem Außenminister Marco Rubio sagte, der Krieg würde "Wochen, nicht Monate" dauern. Doch "niemand kennt die nächsten Schritte, und es gibt ein inhärentes Misstrauen gegenüber den Aussagen sowohl der Regierung als auch der Iraner", so Bloomberg.
Inflationäre Risiken und Ölpreise im Fokus
Die anhaltenden Spannungen und die Unsicherheit bezüglich der Ölversorgung haben direkte Auswirkungen auf die Inflationsaussichten und die Wirtschaft:
- **Mark Zandi, Chefökonom von Moody's Analytics:** Mark Zandi sagte am Montag, dass der Ölpreis im zweiten Quartal dieses Jahres nahe 125 US-Dollar pro Barrel liegen müsste, damit die US-Wirtschaft einen Kipppunkt erreicht. Angesichts der erhöhten Spannungen sei dies "keine Übertreibung". Ein Barrel Brent-Rohöl lag am Freitag bei rund 112 US-Dollar.
- **Barclays European Equity Strategy Analysten:** Die Analysten von Barclays schrieben in einer Notiz, dass mit fortschreitendem Krieg die Stagflationsgefahr wachse, obwohl der Energieschock für Europa nicht so schwerwiegend sei wie 2022 (in Bezug auf Russlands Invasion in der Ukraine).
- JPMorgan Analysten: Analysten von JPMorgan prognostizieren eine Verlangsamung des globalen Wachstums und einen Anstieg der Inflation um einen Prozentpunkt, selbst wenn die Spannungen im Nahen Osten später im Jahr nachlassen sollten. Ihr "Basisszenario" ist, dass der Preis für Brent-Rohöl bis Mitte des Jahres erhöht bleibt. Sollten die Spannungen nachlassen und der Ölpreis auf 80 US-Dollar pro Barrel sinken, schätzen sie, dass das globale Wachstum 2026 um 0,6 % sinken und die Verbraucherpreisinflation um 1 % steigen würde. Ein Szenario, in dem die Straße von Hormuz einen weiteren Monat geschlossen bleibt, könnte die Rohölpreise auf 150 US-Dollar pro Barrel treiben.
Die aktuelle Marktinflationsrate von 2,31 % liegt immer noch über dem Ziel der Fed, und weitere Ölpreisspitzen könnten dies verschärfen. Die 10-jährige Staatsanleiherendite liegt bei 4,44 % und der Federal Funds Rate bei 3,64 %, was ein Umfeld unterstreicht, in dem inflationäre Drücke durch einen Energieschock das Wachstum schnell entgleisen lassen könnten.
Historische Perspektiven und aktuelle Herausforderungen
Die Geschichte bietet oft eine beruhigende Erzählung in Konfliktzeiten. Daten von Wells Fargo deuten darauf hin, dass der S&P 500 innerhalb von zwei Wochen nach einem größeren Konflikt typischerweise ins Positive dreht und im Durchschnitt nach drei Monaten einen Gewinn von +1 % erzielt. Ähnlich fand die Carson Group, dass der S&P 500 im ersten Monat nach 40 großen geopolitischen Ereignissen durchschnittlich 0,9 % verlor, aber über sechs Monate um 3,4 % stieg.
Doch dieses Mal fühlt es sich anders an, aufgrund der drohenden Gefahr einer "schweren und anhaltenden Ölpreisstörung", wie Goldman Sachs-Stratege Dominic Wilson warnte. Die Kombination aus einem Energieversorgungsschock, hartnäckiger Inflation und hohen KI-Bewertungen erfordert einen differenzierteren, langfristigen Anlageansatz. Die "Magnificent Seven" Tech-Giganten haben in der vergangenen Woche gemeinsam über 850 Milliarden US-Dollar an Marktwert verloren, was eine deutliche Verschiebung von einheitlichen Gewinnen zu selektiver Anlegerprüfung signalisiert.