
Mehrgenerationenhaushalte: Wie sie Wohnkosten senken und Gemeinschaft fördern
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In den USA erleben Mehrgenerationenhaushalte eine Renaissance: Zwischen 1971 und 2021 hat sich die Zahl der Menschen, die in solchen Wohnformen leben, vervierfacht. Dieser Trend, der von Kosteneinsparungen und dem Wunsch nach Gemeinschaft angetrieben wird, verändert die Immobilienlandschaft und bietet neue Perspektiven für das Zusammenleben von Jung und Alt.
Die Rückkehr des Mehrgenerationenwohnens
Das Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach ist in den Vereinigten Staaten wieder auf dem Vormarsch. Laut einer Studie von Pew Research ist die Anzahl der Personen, die in Mehrgenerationenhaushalten leben – definiert als Haushalte mit zwei oder mehr erwachsenen Generationen – zwischen 1971 und 2021 um das Vierfache gestiegen. Der Anteil der Menschen in diesen Wohnformen erhöhte sich im selben Zeitraum von 7 % auf 18 %.
Kosteneinsparungen als Haupttreiber
Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung sind die potenziellen Kosteneinsparungen. Familien können Miet- und Hypothekenzahlungen aufteilen, was die finanzielle Belastung erheblich reduziert. Darüber hinaus ergeben sich Einsparungen bei den Kinderbetreuungskosten sowie bei den Langzeitpflegekosten für ältere Angehörige. Diese finanziellen Vorteile machen das Mehrgenerationenwohnen besonders attraktiv.
Immobilienmarkt reagiert auf den Trend
Der Immobilienmarkt passt sich dieser wachsenden Nachfrage an. Die National Association of Realtors stellt fest, dass Immobilienkäufer zunehmend Objekte wählen, die speziell für das Mehrgenerationenwohnen konzipiert sind. Auch Zillow verzeichnete einen landesweiten Anstieg der Suchanfragen für sogenannte Accessory Dwelling Units (ADUs), auch bekannt als "Granny Flats" oder Einliegerwohnungen, im Jahr 2025.
Historischer Kontext und soziale Vorteile
Vor dem Zweiten Weltkrieg war es in den USA üblich, dass ältere Erwachsene im Familienverband lebten und jüngere Menschen oft erst nach der Heirat auszogen. Diese Tradition änderte sich, als Familien räumlich getrennter lebten, unabhängige Pflegedienste für Senioren zugänglicher wurden und mehr Frauen in den Arbeitsmarkt eintraten. Heute bietet das Mehrgenerationenwohnen nicht nur finanzielle, sondern auch soziale Vorteile, indem es sozialer Isolation entgegenwirkt. Besonders für "Solo-Agers" – ältere Menschen ohne Kinder oder Partner – kann das Leben in einer Gemeinschaft lebensrettend sein, wie Bob Kramer, Gründer des National Investment Center for Seniors Housing and Care, betont. Sara Zeff Geber, eine Beraterin für Solo-Aging, unterstreicht, dass diese Menschen Gemeinschaft benötigen, um Einsamkeit und Isolation zu vermeiden.
Intergenerationelles Wohnen: Vielfältige Modelle
Neben dem klassischen Mehrgenerationenhaushalt gewinnt auch das intergenerationelle Wohnen an Bedeutung. Hierbei teilen sich nicht verwandte Personen unterschiedlichen Alters ein Zuhause oder eine Gemeinschaft. Die Bandbreite reicht von einem älteren Hausbesitzer, der einen jüngeren Mitbewohner aufnimmt, bis hin zu speziell errichteten intergenerationellen Wohnkomplexen. Diese sind bewusst für ältere und jüngere Bewohner konzipiert und verfügen oft über Gemeinschaftsräume und gemeinsame Programme.
Beispiele für solche intentionalen Gemeinschaften sind:
- One Flushing in Queens, New York: Ein gemischt genutzter Komplex mit 231 Wohnungen, von denen 66 für ältere Menschen reserviert sind. Ein Gemeindezentrum bringt lokale Gymnasiasten zusammen, die älteren Erwachsenen bei Computerkenntnissen helfen.
- Gemeinnützige intergenerationelle Wohnprojekte in Oregon, Massachusetts und Illinois: Diese bringen ältere Erwachsene und Pflegefamilien zusammen.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Trotz der Vorteile bleiben die Kosten ein zentrales Anliegen, insbesondere für Menschen mit mittlerem Einkommen. Diese verdienen oft zu viel, um staatliche Leistungen in Anspruch zu nehmen, haben aber gleichzeitig Schwierigkeiten, marktübliche Preise zu bezahlen. Robyn Stone, Senior Vice President bei LeadingAge, einem gemeinnützigen Verband für Altersdienstleister, äußert Bedenken: "Das, was viele von uns beunruhigt, ist, dass wir wirklich nicht viele Optionen für Menschen mit bescheidenem Einkommen haben."
Experten warnen davor, dass es keine Einheitslösung für alle gibt. Die Bedürfnisse, Budgets und Vorlieben von Boomern, Gen Zern und allen dazwischen variieren stark. Robyn Stone merkt an: "Ich glaube nicht, dass ich mein Haus jemandem öffnen würde, wenn ich alleine leben würde. Aber ich denke, ich würde mir eine intentionalere intergenerationelle Gemeinschaft wünschen, wenn ich älter werde." Dies unterstreicht, dass individuelle Präferenzen bei der Wahl der Wohnform entscheidend sind.