
Meta AI im Umbruch: LeCun kritisiert Wang, Zuckerberg frustriert
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Der KI-Pionier Yann LeCun kritisiert Alexandr Wang, den neuen Leiter von Metas Super Intelligence Lab, als "unerfahren". Diese Äußerungen beleuchten interne Spannungen und strategische Meinungsverschiedenheiten innerhalb von Metas KI-Abteilung, die durch Mark Zuckerbergs Neuausrichtung und den Fokus auf Large Language Models (LLMs) verstärkt werden. Prominente Abgänge und ein Strategiewechsel bei der Modellentwicklung sind die Folge.
Interne Spannungen bei Meta AI
Yann LeCun, ehemaliger Chef-KI-Wissenschaftler von Meta und Turing-Award-Gewinner, der im November seinen Abschied bekannt gab, um ein eigenes Startup zu gründen, äußerte sich in einem Interview mit der Financial Times kritisch über Alexandr Wang. Wang, der 28-jährige Mitbegründer von Scale AI, wurde von Mark Zuckerberg rekrutiert, um Metas Super Intelligence Lab (MSL) zu leiten. Meta hatte eine 49-prozentige Beteiligung an Scale AI für 14,8 Milliarden US-Dollar erworben, wobei Wang als "Kronjuwel" des KI-Talentkriegs galt und zum öffentlichen Gesicht von Zuckerbergs KI-Neustart avancierte.
Wang soll sich Berichten zufolge privat darüber beschwert haben, dass Mark Zuckerbergs Mikromanagement des KI-Vorstoßes "erstickend" sei und den Fortschritt behindere. Intern stellen einige Mitarbeiter Wangs Eignung infrage, da ihm die Erfahrung im Management großer Teams fehle und seine Expertise eher im Bereich der KI-Datendienste als in bahnbrechender KI-Forschung liege.
LeCuns Kritik an Wang und der LLM-Strategie
LeCun bezeichnete Wang als "unerfahren" und bemängelte, dass dieser KI-Forscher nicht vollständig verstehe. Er sagte: "Er lernt schnell, er weiß, was er nicht weiß... Es gibt keine Erfahrung mit Forschung oder wie man Forschung betreibt, wie man sie macht. Oder was für einen Forscher attraktiv oder abstoßend wäre." Obwohl Wang nach Zuckerbergs KI-Reorganisation kurzzeitig LeCuns Vorgesetzter war, betonte LeCun, dass Wang ihn nicht wirklich anwies: "Man sagt einem Forscher nicht, was er tun soll. Man sagt sicherlich keinem Forscher wie mir, was er tun soll."
LeCun vertritt zudem die Ansicht, dass Large Language Models (LLMs) eine "Sackgasse" sind, wenn es um Superintelligenz geht. Er erklärte: "Ich bin sicher, es gibt viele Leute bei Meta, vielleicht auch Alex, die möchten, dass ich der Welt nicht erzähle, dass LLMs im Grunde eine Sackgasse sind, wenn es um Superintelligenz geht. Aber ich werde meine Meinung nicht ändern, nur weil irgendein Typ denkt, ich liege falsch. Ich liege nicht falsch. Meine Integrität als Wissenschaftler erlaubt mir das nicht." Sein eigenes Startup, das Berichten zufolge Advanced Machine Intelligence heißen wird, verfolgt einen anderen Ansatz. LeCun wird dort als Executive Chair fungieren, nicht als CEO, da er sich als Wissenschaftler und Visionär sieht, der zu unorganisiert und zu alt für die CEO-Rolle sei.
Zuckerbergs Frustration und die Neuausrichtung
Mark Zuckerberg zeigte sich frustriert über die enttäuschenden Fortschritte bei Llama, Metas Flaggschiff-KI-Modell. LeCun zufolge wurden einige Ergebnisse von Llama 4 "geschönt", was zu Kritik führte, Meta würde Benchmark-Tests manipulieren. Dieses Ereignis verärgerte Zuckerberg zutiefst.
"Mark war wirklich verärgert und verlor im Grunde das Vertrauen in alle Beteiligten", so LeCun. "Und so wurde im Grunde die gesamte GenAI-Organisation kaltgestellt." Obwohl Zuckerberg LeCuns Ansichten zur Zukunft der KI weiterhin unterstütze, konzentrierten sich Metas größere Neueinstellungen auf die Entwicklung von Large Language Models. Metas neues KI-Team wird als "komplett LLM-fixiert" beschrieben.
Strategiewechsel und Abgänge
Die neue Führung bei Meta hat das frühere Frontier-Modell namens Behemoth aufgrund enttäuschender Leistungstests aufgegeben. Alexandr Wangs Superintelligenz-Team drängt darauf, Metas nächstes Modell "geschlossen" zu halten, was einen Bruch mit Metas langjähriger Philosophie der Open-Source-Veröffentlichung von Modellen darstellt. Diese Änderung stößt bei einigen alteingesessenen Mitarbeitern auf Widerstand.
Metas KI-Abteilung wird in eine dramatische Vierteilung reorganisiert, mit Gruppen, die sich auf Forschung, Superintelligenz-Entwicklung, Produkte und Infrastruktur konzentrieren. Im Zuge dieser Neuausrichtung und der sich abzeichnenden neuen Vision haben einige Top-Namen das Unternehmen verlassen. Dazu gehören neben Yann LeCun auch Metas langjährige Chief Legal Officer Jennifer Newstead, die zu Apple wechselte, und Chief Revenue Officer John Hegeman, der die Gründung eines eigenen Startups ankündigte. Die Spannungen zwischen Wang und Zuckerberg sollen bereits seit einiger Zeit "brodeln", während Zuckerberg im "Talentkrieg" neunstellige Vergütungspakete zahlte, um Top-Forscher von Konkurrenten abzuwerben.