
Meta: Metaverse-Mythen, KI-Fokus und die Suche nach Plattform-Kontrolle
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Die Schlagzeilen klingen dramatisch: Meta Platforms soll nach Verlusten von über 80 Milliarden US-Dollar das Metaverse aufgeben. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich ein differenzierteres Bild. Während sich der Fokus von Mark Zuckerberg tatsächlich verschoben hat, bleibt Metas Engagement im Bereich der immersiven Technologien bestehen, wenn auch in einer angepassten Form.
Metaverse-Verluste: Die $80-Milliarden-Frage
Es stimmt, dass Metas Reality Labs-Einheit, die für die Entwicklung des Metaverse zuständig ist, erhebliche Verluste verzeichnet hat. Diese beliefen sich auf mindestens 80 Milliarden US-Dollar, allein im Jahr 2025 waren es über 19 Milliarden US-Dollar. Diese Zahlen haben zu Berichten geführt, Meta würde sich vom Metaverse-Projekt verabschieden.
Allerdings ist Reality Labs weit mehr als nur das virtuelle Sozialnetzwerk Horizon Worlds, das von nur wenigen Nutzern besucht wurde. Die Einheit entwickelt und verkauft auch die Hardware, die Meta über die Jahre auf den Markt gebracht hat.
Reality Labs: Mehr als nur Horizon Worlds
Reality Labs ist weiterhin aktiv und treibt die Entwicklung verschiedener Produkte voran:
- **Quest VR-Brillen:** Metas Virtual-Reality-Headsets sind weiterhin ein Kernprodukt.
- **Ray-Ban AI-Brillen:** Diese intelligenten Brillen scheinen eine gewisse Akzeptanz bei den Verbrauchern zu finden.
- Zukünftige Hardware: Innerhalb der nächsten Jahre plant Meta die Einführung einer weiteren Brillen-Generation, die angeblich das Streamen von Filmen zu Hause ermöglichen soll. Netflix Co-CEO Ted Sarandos erwähnte kürzlich, dass Regisseur James Cameron von diesen Brillen begeistert sei.
Während die Bemühungen, VR-Headsets über die Gaming-Community hinaus zu etablieren, bisher nur begrenzt erfolgreich waren, arbeiten Meta, Apple und andere Unternehmen intensiv daran, ähnliche Technologien in leichtere Brillen zu integrieren. Reality Labs wird voraussichtlich auch in diesem und den kommenden Jahren Milliardenverluste generieren.
Horizon Worlds, das einst als zentraler Baustein des Metaverse galt, wird jedoch neu ausgerichtet. Die Anwendung wird bis zum 15. Juni von Quest-Headsets entfernt und Ende März als eigenständige App eingestellt, um danach als mobile Anwendung mit geringerem Fokus von Meta weitergeführt zu werden.
Der Wandel des Metaverse-Konzepts
Die Vorstellung, Meta würde das Metaverse aufgeben, ist komplex. Meta selbst wehrt sich gegen diese Annahme und argumentiert, dass das Metaverse nicht zwingend Headsets erfordert. Metaverse-ähnliche Aktivitäten könnten auch über das Smartphone oder in Kombination mit neuen Brillen stattfinden.
Meta CTO Andrew Bosworth bekräftigte diese Haltung in einem Tweet vom 19. März 2026. Dennoch ist festzustellen, dass Mark Zuckerbergs öffentliches Interesse am Metaverse seit 2021, als er die Zukunft im virtuellen Raum sah, merklich nachgelassen hat.
Zuckerbergs neuer Fokus: Künstliche Intelligenz
Heute widmet sich Mark Zuckerberg hauptsächlich dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) und Metas Ambitionen, "Superintelligenz" zu entwickeln. Dies erklärt die massiven Investitionen in KI-Talente und Rechenzentren. Meta hat im späten Jahr 2023 erfolgreich auf Generative KI umgeschwenkt und bis 2025 KI in seinen gesamten Technologie-Stack integriert.
Am 13. März 2026 zeigten die META-Aktien im vorbörslichen Handel eine Widerstandsfähigkeit mit einem Anstieg von 1,4 % auf 672,40 US-Dollar, während Investoren die neuesten Berichte über die Einführung des "Behemoth"-Modells, der leistungsstärksten Iteration der Llama 4 KI-Serie, verarbeiteten.
Das übergeordnete Ziel: Plattform-Unabhängigkeit
Sowohl das Metaverse als auch die KI bieten Mark Zuckerberg die Aussicht auf etwas, das er seit Langem anstrebt: ein Geschäftsmodell, das nicht von Google oder Apple als Vermittler abhängig ist. Aktuell erreicht Meta seine Nutzer über Telefone und Betriebssysteme, die es nicht kontrolliert.
Auf dem Höhepunkt des Metaverse-Hypes hoffte Zuckerberg, das iPhone durch eigene Geräte ersetzen zu können. In einer KI-zentrierten Welt könnte das Smartphone an Bedeutung verlieren oder durch neue Geräte und Schnittstellen abgelöst werden. Dies deutet darauf hin, dass die treibende Kraft hinter Metas Strategie nicht primär die Technologie ist, sondern Zuckerbergs wiederkehrende Suche nach einer eigenen, kontrollierten Plattform.
Metas Geschäftsmodell 2026: App-Power und Hardware-Vision
Metas Geschäftsmodell im Jahr 2026 ruht auf zwei Hauptpfeilern:
- Family of Apps (FoA): Dies bleibt der primäre Gewinnmotor. Facebook, Instagram, Messenger und WhatsApp bedienen über 4 Milliarden monatlich aktive Nutzer. Die Einnahmen stammen fast ausschließlich aus Werbung, wobei Metas KI-automatisierte Werbe-Engine im Jahr 2026 Anzeigen in Echtzeit erstellt, optimiert und platziert, was für viele kleine Unternehmen den Bedarf an menschlicher kreativer Eingabe reduziert.
- Reality Labs (RL): Der "Metaverse"-Arm ist Metas kapitalintensives Langzeitprojekt. Er konzentriert sich auf VR-Headsets (Quest-Serie), AR-Brillen (Orion) und das Horizon OS. Obwohl RL weiterhin massive operative Verluste schreibt, wird es zunehmend als die "Compute Platform of the Future" angesehen, die Metas Abhängigkeit von mobilen Betriebssystemen Dritter wie iOS und Android beenden soll. Meta gibt jährlich über 70 Milliarden US-Dollar für Infrastruktur aus.
Aktienperformance: Trotz hoher Investitionen im Plus
Die Umbenennung von Facebook in Meta Platforms erfolgte am 29. Oktober 2021. Damals notierten die Aktien unter dem Ticker FB bei etwa 325,52 US-Dollar. Eine Investition von 1.000 US-Dollar hätte damals 3,07 Aktien erworben. Heute wäre diese Investition 1.867,48 US-Dollar wert, was einem Anstieg von 86,7 % in den letzten viereinhalb Jahren entspricht. Zum Vergleich: Eine gleich hohe Investition in den SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY) hätte im selben Zeitraum einen Wertzuwachs von 44,1 % erzielt.
Nach einem turbulenten ersten Quartal 2026, das von branchenweiten Liquidationen und einer Rotation aus überbewerteten Tech-Aktien geprägt war, hat sich Meta als wichtiger Indikator für die nächste Phase der digitalen Wirtschaft erwiesen. Die Fähigkeit des Unternehmens, seine Margen zu verteidigen, während es jährlich Milliarden in die Infrastruktur investiert, ist die zentrale Frage für die globale Investmentgemeinschaft.