
Michigan: KI-Rechenzentrum von OpenAI und Oracle beeinflusst Strompreise
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Ein gigantisches Rechenzentrum von OpenAI und Oracle in Michigan rückt ins Zentrum einer Debatte, die die Stromrechnungen der Anwohner maßgeblich beeinflussen könnte. Während der Energieversorger DTE Energy eine deutliche Erhöhung der Tarife beantragt, stellt er im Gegenzug eine zweijährige Preispause in Aussicht – geknüpft an die pünktliche Inbetriebnahme dieses Milliardenprojekts. Die Situation verdeutlicht die Spannungen zwischen dem rasanten Ausbau der KI-Infrastruktur und den Kosten für die Verbraucher.
Ein Mega-Rechenzentrum für Michigan
OpenAI und Oracle errichten in Saline Township, Michigan, einen riesigen Rechenzentrumscampus, der Teil des OpenAI-Projekts "Stargate" ist. Dieses Projekt, ursprünglich ein Joint Venture zwischen Oracle, SoftBank und OpenAI, hat ein Volumen von 16 Milliarden US-Dollar und wird von Oracle unterstützt. Es soll eine Rechenleistung von über 1 Gigawatt liefern, was dem Stromverbrauch einer mittelgroßen Stadt entspricht.
Der Entwickler Related Digital hat die Finanzierung für das Projekt gesichert, mit Unterstützung von Investmentgrößen wie Blackstone und PIMCO. Der Bau des 250 Hektar großen Campus, der drei einstöckige Rechenzentrumsgebäude und zwei dedizierte Umspannwerke umfasst, hat im ersten Quartal dieses Jahres begonnen und soll bis zum vierten Quartal 2027 abgeschlossen sein. Das Projekt, intern als "The Barn" bekannt, ist darauf ausgelegt, den Wasserverbrauch durch ein geschlossenes, luftgekühltes System zu minimieren und strebt eine LEED-Zertifizierung an.
DTE Energy und die Strompreise
DTE Energy, der lokale Energieversorger, plant, seine durchschnittlichen Kundenrechnungen ab nächstem Jahr um 9,7 % monatlich zu erhöhen, was fast dem Dreifachen der Inflationsrate entspricht. Das Unternehmen argumentiert, dass es Dutzende Milliarden Dollar in neue Infrastruktur investieren muss, um die Rechenzentren von Oracle und OpenAI zu versorgen. Gleichzeitig verspricht DTE Energy, die Strompreise für seine gesamte Kundenbasis für mindestens zwei Jahre einzufrieren, sollte das 1,4 Gigawatt starke Rechenzentrum wie geplant bis Ende 2027 in Betrieb gehen.
DTE Energy erwartet, dass der Campus zusätzliche Einnahmen von 300 Millionen US-Dollar generieren wird, die es ermöglichen, die Kundenrechnungen stabil zu halten. Joi Harris, Präsidentin und CEO von DTE, erklärte, dass das Unternehmen bis mindestens 2028 keine weitere Preisanpassung beantragen werde, sofern das erste Rechenzentrumsprojekt wie geplant Ende 2027 in Betrieb geht und weitere behördliche Genehmigungen vorliegen.
Herausforderungen und Widerstand
Das Projekt sieht sich jedoch mit erheblichen Hürden konfrontiert. Lokale Gemeinden in Michigan, darunter Saline Township, leisten Widerstand gegen den Bau der Rechenzentren. Bereits im September 2025 lehnte der Gemeinderat die Umwidmung des Landes für das Projekt ab, woraufhin Related Digital und seine Investoren klagten und ein Richter den Bau erlaubte.
Auch Bauverzögerungen aufgrund von Arbeits-, Strom- und Ausrüstungsmängeln könnten die Entwicklung verlangsamen. Oracle hatte zudem Schwierigkeiten bei der Sicherung der Finanzierung für seine Rechenzentrumsprojekte, obwohl Related Digital nun die Finanzierung für den Standort in Michigan finalisiert hat.
Kritik von Verbraucherschützern
Die Generalstaatsanwältin von Michigan, Dana Nessel, kritisierte den Schritt von DTE Energy scharf, eine mögliche Preisfreigabe an die Leistung eines Rechenzentrums zu knüpfen. Sie bezeichnete das Angebot als "Lösegeldnote" und äußerte Skepsis gegenüber der Behauptung von DTE, dass die zusätzlichen Einnahmen aus den Rechenzentren die Rechnungen für alle erschwinglich halten würden. Ihr Büro hat Berufung gegen die Verträge von DTE mit Oracle und einem Google-Rechenzentrum in einem anderen Teil des Staates eingelegt.
Verbraucherschützer und öffentliche Amtsträger, darunter auch der ehemalige Präsident Donald Trump, fordern, dass private Hausbesitzer und Kleinunternehmer nicht die Last der Baukosten tragen müssen. Anwohner äußerten Bedenken hinsichtlich des enormen Stromverbrauchs von Rechenzentren, der dem von rund 100.000 Haushalten entsprechen kann, sowie potenzieller Lärm- und Hitzeentwicklung. Sie befürchten, dass die Kosten für die Erweiterung der Netzkapazitäten letztendlich von den regulären Stromkunden getragen werden.