
Micron und Sandisk: KI-Boom treibt Speicherchip-Rallye und Rekordkurse an
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Die Aktien der Speicherchip-Hersteller Micron und Sandisk setzen ihre beeindruckende Rallye fort, angetrieben durch eine anhaltend hohe Nachfrage nach Speicherlösungen für Künstliche Intelligenz. Dieser KI-Boom führt zu einem globalen Chip-Engpass, der die Preise in die Höhe treibt und die Unternehmen zu massiven Investitionen in neue Produktionskapazitäten veranlasst. Analysten sehen den Beginn eines neuen, möglicherweise weniger zyklischen Wachstumszyklus.
Starke Rallye bei Speicherchip-Aktien
Die Aktien von Micron und Sandisk verzeichneten am Montag erneut deutliche Zuwächse und setzten damit ihre ausgedehnten Aufwärtsbewegungen fort. Micron stieg am Montag um 5,6 % und hat im vergangenen Jahr mehr als 550 % zugelegt. Das Unternehmen wird derzeit zu einem Rekordkurs gehandelt, und seine Marktkapitalisierung nähert sich 600 Milliarden US-Dollar.
Sandisk legte am Montag um 8,1 % zu und verzeichnete im vergangenen Jahr einen Anstieg von über 3.000 %, wodurch die Marktkapitalisierung die Marke von 157 Milliarden US-Dollar überschritt. Die Aktie schloss letzte Woche nahe 990 US-Dollar und setzte ihren Aufwärtstrend am Montag mit einem Plus von über 7 % fort. Am 20. April 2026 wurde Sandisk in den Nasdaq-100 aufgenommen, was in der Regel zu Käufen durch passive Fonds und einer erhöhten Sichtbarkeit führt.
KI als Haupttreiber der Nachfrage
Die Speicherchip-Unternehmen profitieren massiv von einem globalen Engpass bei Mikrochips, die für Künstliche Intelligenz benötigt werden. High Bandwidth Memory (HBM) wird direkt mit den fortschrittlichsten Grafikprozessoren (GPUs) von Nvidia und Advanced Micro Devices (AMD) verbunden, die nahezu alle großen KI-Rechenzentren antreiben. HBM besteht aus Stapeln von Dynamic Random Access Memory (DRAM), der eine schnelle, temporäre Datenspeicherung ermöglicht, damit GPUs parallele Aufgaben ausführen können.
Auch NAND-Speicher, eine Art Flash-Speicher, der Daten auch bei ausgeschalteten Geräten speichert, erlebt einen ähnlichen Nachfrageschub, da KI-Server immer größere Datenmengen speichern müssen. Sandisk ist ein wichtiger Hersteller von Solid-State-Drives (SSDs), die auf NAND-Speicher basieren. Ben Reitzes, Analyst bei Melius Research, betonte, dass die Nachfrage nach Speicher exponentiell zunimmt und man davon ausgehen müsse, dass die Preise weiter steigen, wenn KI sich weiterentwickelt.
Der globale Chip-Engpass und seine Folgen
Micron, Samsung und SK Hynix, die weltweit führenden Speicherhersteller, haben einen Großteil ihrer DRAM-Lieferungen für die Produktion von HBM verwendet. Dies führte zu einem Engpass bei allgemeinem Speicher, was die Preise in die Höhe schnellen ließ. Laut Daten von Counterpoint Research verzeichnete der DRAM-Markt in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen ein Wachstum von 30 % im Vergleich zum Vorquartal, angetrieben durch steigende Speicherpreise.
Diese Preissteigerungen wirken sich auch auf die Verbraucher aus: Gartner prognostiziert, dass die PC-Preise in diesem Jahr um 17 % steigen werden. Solid-State-Drives (SSDs) in PCs kosten mittlerweile zwei- bis dreimal so viel wie im Dezember. Die Marktbedingungen drängen Speicherabnehmer zu längeren Verträgen von drei oder sogar fünf Jahren. SK Hynix und Micron haben beide berichtet, dass Hyperscaler zunehmend bereit sind, langfristige Liefervereinbarungen zu unterzeichnen, um sich ausreichend Speicher zu sichern. So hat beispielsweise der Chipdesign-Hersteller Broadcom seine Speicherversorgung bis 2028 gesichert.
Massive Investitionen in die Zukunft
Die Speicherhersteller sind ebenfalls bereit, sich längerfristig zu binden, um eine zuverlässigere Nachfrage zu gewährleisten, insbesondere wenn sie über Kapazitätserweiterungen nachdenken. Bernstein-Analyst Mark Newman merkte an, dass der Bau neuer Fabriken etwa zweieinhalb Jahre dauert, bevor die Produktion beginnen kann.
Micron investiert 24 Milliarden US-Dollar in eine große Erweiterung seiner NAND-Fertigungsanlage in Singapur und baut zudem riesige neue Chipfabriken in New York und Idaho in den USA. SK Hynix hat den Grundstein für sein erstes US-Speicherverpackungswerk in Indiana gelegt und erweitert Produktion und Verpackung mit neuen Anlagen in Südkorea.
Analysten sehen langfristiges Potenzial
Analysten äußern sich optimistisch über die Zukunft der Speicherchip-Branche. Ben Reitzes von Melius Research stufte Micron am Montag auf "Kaufen" hoch und prognostizierte ein weiteres Kurspotenzial von 41 % in den nächsten 12 Monaten. Für Sandisk sagte er einen Anstieg von weiteren 36 % im gleichen Zeitraum voraus. Reitzes schrieb: "Der Markt wird letztendlich bereit sein, mehr für die ungewöhnliche Beständigkeit der Margen- und Nachfrageprofile zu zahlen, die KI ermöglicht." Er fügte hinzu, dass er erwartet, dass Nvidia bald mehr in Speicher investieren wird, und betonte: "Wir stehen erst am Anfang dieses KI-Zyklus, und der Bedarf an Speicher war noch nie so stark."
Mark Newman von Bernstein, der eine Kaufempfehlung für Sandisk hat, sagte: "Die Zahlen sprechen für sich. Die Gewinnschätzungen steigen erheblich, und das wird durch sehr, sehr starke Speicherpreise angetrieben." Trotz der starken Rallye wird die Bewertung von Sandisk im Vergleich zum breiteren Halbleitersektor als relativ moderat angesehen, obwohl traditionelle Speicherunternehmen historisch als zyklisch galten. Melius Research argumentiert jedoch, dass dieser Zyklus aufgrund struktureller Veränderungen durch KI und die Verlagerung hin zu längerfristigen Liefervereinbarungen anders sein könnte.
Ausblick und bevorstehende Ereignisse
Micron schätzt, dass der HBM-Markt von 35 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 100 Milliarden US-Dollar im Jahr 2028 ansteigen wird, was einer Verdreifachung in drei Jahren entspricht. Dies sei schwer zu bewältigen, weshalb der Speicherchip-Engpass auf absehbare Zeit anhalten werde. Micron kann nach eigenen Angaben mittelfristig nur die Hälfte bis zwei Drittel der HBM-Nachfrage decken.
Sandisk wird nächste Woche seine Quartalsergebnisse vorlegen, während Microns nächster großer Katalysator der voraussichtliche Gewinnbericht am 24. Juni 2026 sein wird. Analysten erwarten für Micron einen EPS von 18,95 US-Dollar, gegenüber 1,91 US-Dollar im Vorjahr.