
Mobile Wallets: Visa und Mastercard forcieren globale Expansion
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Die globalen Zahlungsnetzwerke Visa und Mastercard intensivieren ihre Bemühungen, mobile Geldbörsen weltweit zu etablieren. Durch eine Reihe strategischer Partnerschaften reagieren sie auf die wachsende Beliebtheit mobiler Zahlungen und bereiten sich auf einen sich wandelnden Markt vor, der durch regulatorische Entwicklungen und neue Wettbewerber geprägt ist.
Visa und Mastercard forcieren globale Mobile-Wallet-Strategien
Visa und Mastercard bauen ihre Reichweite bei mobilen Geldbörsen durch zahlreiche Kooperationen aus. Interne Untersuchungen beider Kartennetzwerke zeigen eine steigende Popularität für mobile Wallets, was die strategische Ausrichtung untermauert. Ein wesentlicher Treiber für diese Entwicklung ist Apples Vereinbarung mit den EU-Regulierungsbehörden, seine NFC-Technologie zu öffnen, was voraussichtlich im kommenden Jahr mehr Wallet-Anbieter anziehen wird.
Diese Öffnung schafft die Notwendigkeit für Visa und Mastercard, ihre Fähigkeit zur Unterstützung einer breiteren Palette neuer mobiler Geldbörsen zu erweitern. Verbraucher und Händler verlagern zunehmend mehr ihrer Aktivitäten auf Smartphones, was die Nachfrage nach mobilen Zahlungslösungen weiter antreibt.
Mastercards strategische Allianzen
Mastercard hat im Dezember 2025 zwei wichtige Partnerschaften bekannt gegeben, um den Zugang von Händlern zu mobilen Geldbörsen in Dutzenden von Ländern zu ermöglichen. Eine Zusammenarbeit mit TerraPay, einem in London ansässigen Unternehmen für grenzüberschreitende Zahlungen, erlaubt es Nutzern von TerraPays mobilen Geldbörsen, über 150 Millionen Mastercard-Akzeptanzstellen für NFC-basierte Zahlungen zu nutzen. Prakriti Singh, Executive Vice President für Core Payments bei Mastercard für Europa, den Nahen Osten und Afrika, betonte in einer Erklärung, dass "Kooperationen mit wichtigen Ökosystemakteuren wie Terrapay eine Schlüsselrolle spielen, um die positiven Auswirkungen über ihre vielfältigen Wallet-Partner zu skalieren und den Implementierungsprozess zu vereinfachen."
Des Weiteren plant Mastercard, die Nutzung mobiler Geldbörsen in Lateinamerika durch ein Joint Venture mit Telefonica, einem Telekommunikationsunternehmen aus Madrid, zu fördern. Sie wollen eine mobile Geldbörse in Brasilien und umliegenden Ländern einführen, die einen potenziellen Markt von bis zu 87 Millionen Verbrauchern erreichen könnte. Zu Mastercards jüngsten Kooperationen gehört auch "Pay like a local", eine Partnerschaft mit Alipay, die internationalen Reisenden in China bargeldlose Zahlungen ermöglicht, inklusive einer Integration mit Alipay Wallet und einer kontaktlosen Bezahltechnologie-Anbindung. Mastercard berichtet, dass 70 Prozent der persönlichen Transaktionen mittlerweile kontaktlos erfolgen, was die Verlagerung der Popularität mobiler Geldbörsen vom E-Commerce zum stationären Handel unterstreicht.
Visas Expansion im europäischen Markt
Ähnlich wie Mastercard hat auch Visa eine Reihe von Partnerschaften geschlossen, um seine Mobile-Wallet-Strategie zu skalieren. In Spanien kündigte Visa eine digitale Wallet-Partnerschaft mit BBVA an, die den Visa Token Service mit der Zahlungstechnologie der Bank kombiniert, um die mobile Geldbörse von BBVA zu ermöglichen. Ein "Token" bezieht sich hierbei auf die Sicherheit digitaler Zahlungen.
Weitere Visa-Projekte für mobile Geldbörsen in der EU umfassen eine iOS/Android-basierte kontaktlose mobile Zahlungskooperation mit Klarna, eine Visa Co-Wallet mit Vipps Mobile Pay in den nordischen Ländern und ein geplanter Pilotversuch im Jahr 2026 mit Bancomat, einem italienischen digitalen Zahlungsprodukt. Mathieu Altwegg, Senior Vice President und Head of Product and Solutions für Europa bei Visa, erklärte gegenüber American Banker: "Dies wird die Wahlmöglichkeiten der Verbraucher ermöglichen, was ein großes grundlegendes Thema für uns und unsere Strategie ist." Er fügte hinzu: "Wir sehen eine Nachfrage nach diesen Wallets, sowohl für Online- als auch für persönliche Transaktionen." Visa-eigene Untersuchungen zeigen, dass mobile Zahlungen 59 Prozent aller E-Commerce-Transaktionen in Europa ausmachen und voraussichtlich in den nächsten vier Jahren 75 Prozent erreichen werden. Dem Kartenanbieter zufolge nutzen 32 Prozent der europäischen Verbraucher ausschließlich mobile Geldbörsen für Zahlungen.
Wettbewerb durch bankgeführte Wallets in Europa
In Europa sehen sich die Kartennetzwerke einer wachsenden Konkurrenz durch bankgeführte Wallets gegenüber, die direkte Banküberweisungen anstelle von Kartenzahlungen nutzen. Ron van Wezel, strategischer Berater bei Datos Insights, erläuterte gegenüber American Banker: "Bankenkonsortien bieten digitale Wallets in ganz Europa an, die durch gemeinsame Anstrengungen mehrerer Banken ins Leben gerufen wurden." Beispiele für erfolgreiche bankgeführte Wallets in spezifischen nationalen Märkten sind MobilePay in Dänemark, Swish in Schweden, Vipps in Norwegen und Bizum in Spanien.
Diese Systeme sind "direkte Bankkontozahlungssysteme, die mit Karten konkurrieren", so Van Wezel. Wenn jemand mit diesen Wallets bezahlt, wird das Geld Bank-zu-Bank über SEPA-Sofortüberweisungen bewegt, ohne Visa, Mastercard und ohne Interbankenentgelte. Die Apple/EU-Einigung zur Öffnung der NFC-Technologie ist hierbei von großer Bedeutung, da diese Bank-Wallets vor der Einigung nicht an Apple-Geräten am Point-of-Sale funktionierten. Tony DeSanctis, Senior Director bei Cornerstone Advisors, betonte, dass es in diesem Umfeld entscheidend sei, dass Karten in digitalen Geldbörsen verfügbar sind. Die Frage sei, welche Wallets relevant sein werden.
Weitere globale Entwicklungen im Zahlungsverkehr
Parallel zu diesen Entwicklungen im Bereich der mobilen Geldbörsen gab es im Dezember 2025 weitere wichtige Fortschritte im globalen Zahlungsverkehr. Am 2. Dezember 2025 führten China und Vietnam offiziell einen bilateralen QR-Code-Zahlungsdienst in Hanoi ein, der die regionale Zahlungsvernetzung stärkt. Diese Initiative ermöglicht es chinesischen Verbrauchern, bei vietnamesischen Händlern über das nationale VietQR-System mit chinesischen mobilen Zahlungstools zu bezahlen.
Der Dienst wurde von der National Payment Corporation of Vietnam, UnionPay International, der Industrial and Commercial Bank of China und Vietcombank eingeführt. Ziel ist es, die Nutzung lokaler Währungen bei grenzüberschreitenden Transaktionen zu erhöhen und Handel, Tourismus sowie die breitere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu unterstützen. Auch auf regulatorischer Ebene gab es Fortschritte, wie die vorläufige politische Einigung des Rates der EU und des Europäischen Parlaments über die Texte der vorgeschlagenen PSD3 und der Zahlungsdienstleistungsverordnung zeigt.