
Musk gegen OpenAI: Der Milliarden-Prozess um KI-Sicherheit und Gründungsmission
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Im Zentrum eines milliardenschweren Rechtsstreits steht derzeit die Zukunft von OpenAI, dem Unternehmen hinter ChatGPT. Elon Musk, Mitbegründer von OpenAI, sagte am Dienstag vor einem Bundesgericht in Oakland aus und legte seine Sicht der Dinge dar, die das Potenzial hat, die Landschaft der Künstlichen Intelligenz (KI) neu zu gestalten.
Der Prozessbeginn: Musk gegen OpenAI
Der Zivilprozess, der auf eine Klage Musks aus dem Jahr 2024 zurückgeht, bringt zwei der einflussreichsten Tech-Titanen, Elon Musk und Sam Altman, vor Gericht. Musk war der erste Zeuge und nutzte seine rund zweistündige Aussage, um seine Bedenken hinsichtlich der KI-Sicherheit zu untermauern und seine Rolle bei der Gründung von OpenAI zu betonen. Er wirft den OpenAI-Gründern, darunter CEO Sam Altman und Präsident Greg Brockman, vor, die ursprüngliche Non-Profit-Mission des Unternehmens zugunsten privater Gewinne aufgegeben zu haben.
Die Ursprünge von OpenAI und Musks Vision
Musk schilderte, wie er OpenAI 2015 mitbegründete, um ein "Gegengewicht zu Google" zu schaffen. Er sei besorgt gewesen, dass Google sich zu dieser Zeit nicht ausreichend um die KI-Sicherheit kümmerte. Bereits 2015 habe er in einem einstündigen Einzelgespräch den damaligen Präsidenten Barack Obama vor den Gefahren der KI gewarnt. Im selben Jahr habe ihn Larry Page, damals CEO von Google, als "speciest" bezeichnet, weil Musk "pro-Menschheit" gegenüber KI eingestellt sei. Musk betonte, er werde immer "pro-Mensch" sein, sollte es zu einem Konflikt zwischen Menschen und KI kommen. Er rekrutierte auch den KI-Forscher Ilya Sutskever von Google für OpenAI, was dazu führte, dass Larry Page sich weigerte, jemals wieder mit ihm zu sprechen.
Der Streitpunkt: Non-Profit vs. For-Profit
Kern der Klage ist Musks Behauptung, Altman und Brockman hätten ihn getäuscht, als er von Dezember 2015 bis Mai 2017 insgesamt 38 Millionen US-Dollar spendete. Diese Spenden seien unter der Prämisse erfolgt, dass OpenAI eine Non-Profit-Organisation bleibe, die KI zum Wohle der Allgemeinheit entwickle. Musk argumentiert, die Gründer hätten sein Geld genutzt, um eine "gewinnorientierte, marktlähmende Gorgone" zu schaffen, die OpenAI effektiv zu einer "Tochtergesellschaft von Microsoft" gemacht habe. Er warnte, ein Gerichtsverlust würde einen Präzedenzfall schaffen und "jede Wohltätigkeitsorganisation in Amerika zur Plünderung freigeben".
Die finanziellen Dimensionen und Beteiligungen
Musk fordert in seiner Klage ursprünglich über 100 Milliarden US-Dollar Schadenersatz, nun aber einen unbestimmten Betrag, der der gemeinnützigen Sparte von OpenAI zugutekommen soll. Er verlangt zudem die Rückabwicklung der For-Profit-Struktur des auf 850 Milliarden US-Dollar geschätzten Unternehmens. OpenAI durchlief im vergangenen Jahr eine Umstrukturierung hin zu einer konventionelleren For-Profit-Struktur, wobei Microsoft eine Beteiligung von rund 27 % an der gewinnorientierten Einheit hält, die weiterhin unter der Kontrolle des Non-Profit-Arms steht. Auch die eigenen KI-Ambitionen Musks sind beträchtlich: Er verließ OpenAI 2018 und gründete 2023 sein eigenes KI-Startup xAI, das im Februar von SpaceX übernommen wurde. SpaceX bereitet sich auf einen möglichen Börsengang in diesem Jahr vor, der das Unternehmen auf über 2 Billionen US-Dollar bewerten könnte. OpenAI selbst soll ebenfalls einen Börsengang in diesem Jahr mit einer Bewertung von 1 Billion US-Dollar anstreben.
Musks Bedenken zur KI-Sicherheit
Musk verglich KI mit einem sehr intelligenten Kind, das "explodieren" und außer Kontrolle geraten könnte, wenn niemand ihm die "richtigen Werte" vermittelt. Seine langjährige Sorge sei, "was passiert, wenn der Computer viel schlauer wird als Menschen?". Diese philosophische Haltung zur KI-Sicherheit ist ein zentrales Motiv für seine Klage und seine ursprüngliche Motivation zur Gründung von OpenAI.
Die Gegenargumente von OpenAI
OpenAI weist Musks Klage als "haltlosen und neidischen Versuch, einen Konkurrenten zu behindern" zurück, wie das Unternehmen in einem X-Post vor der Jury-Auswahl mitteilte. OpenAI behauptet, Musk und das Unternehmen hätten sich 2017 auf die Notwendigkeit einer For-Profit-Umstellung geeinigt. Musk habe jedoch "die volle Kontrolle gefordert" und sei gegangen, als er diese nicht erhielt. William Savitt, Anwalt von OpenAI und Altman, erklärte den Geschworenen, Musk habe "Dollarscheine" gesehen und das Unternehmen zu einem gewinnorientierten Geschäft gedrängt, das er möglicherweise als CEO hätte führen wollen. Savitt betonte, Musk wolle "die Schlüssel zum Königreich" und klage nur, weil er seinen Willen nicht bekommen habe. Die Schaffung einer For-Profit-Einheit im März 2019 sei entscheidend gewesen, um Rechenleistung zu kaufen und Top-Wissenschaftler zu bezahlen, um mit Googles DeepMind AI-Labor wettbewerbsfähig zu bleiben.
Auswirkungen und Ausblick
Der Prozess, der voraussichtlich etwa drei Wochen dauern wird, könnte das Kräfteverhältnis in der KI-Branche maßgeblich beeinflussen. Sollte die Jury die Beklagten für haftbar befinden, würde der Richter über die Konsequenzen entscheiden. Musk fordert unter anderem die Absetzung von Altman und Brockman von ihren Führungspositionen und die Rückgabe "aller unrechtmäßig erworbenen Gewinne" aus den For-Profit-Operationen von OpenAI. Für Musk birgt der Prozess auch Risiken, da er im vergangenen Monat von einer anderen Jury wegen Betrugs bei der Übernahme von Twitter im Jahr 2022 für haftbar befunden wurde. Die Verhandlung verspricht ein fesselndes Schauspiel mit gegensätzlichen Aussagen zweier der einflussreichsten und polarisierendsten Persönlichkeiten der Technologiebranche.