
Musk vs. OpenAI: Milliardenklage und die "Distillation" von KI-Modellen
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Der Rechtsstreit zwischen Elon Musk und OpenAI hat eine neue Eskalationsstufe erreicht, als Musk vor Gericht aussagte und OpenAI des Verrats seiner gemeinnützigen Gründungsmission bezichtigte. Gleichzeitig räumte der Tesla-CEO ein, dass sein eigenes KI-Startup xAI Modelle von OpenAI "teilweise destilliert" hat, um Grok zu entwickeln. Die Klage fordert 150 Milliarden US-Dollar Schadenersatz und könnte weitreichende Folgen für die KI-Branche haben.
Musks Klage: Vorwurf des Missionsbruchs
Elon Musk, Mitbegründer von OpenAI im Jahr 2015, verklagt das Unternehmen, dessen CEO Sam Altman und Präsident Greg Brockman. Er wirft ihnen vor, die ursprüngliche gemeinnützige Mission, Künstliche Intelligenz (KI) zum Wohle der Menschheit zu entwickeln, verraten zu haben. Musk behauptet, OpenAI habe sich durch die Gründung einer gewinnorientierten Einheit im Jahr 2019 von dieser Mission abgewandt.
Musk fordert die Entfernung von Sam Altman und Greg Brockman aus dem Vorstand von OpenAI sowie die Rückkehr des Unternehmens zu seiner ursprünglichen gemeinnützigen Struktur. Er beziffert den Schaden auf über 150 Milliarden US-Dollar, die er der gemeinnützigen Einheit von OpenAI zukommen lassen würde. Musk hatte zwischen 2016 und 2020 rund 38 Millionen US-Dollar Startkapital für OpenAI bereitgestellt und bezeichnete sich selbst als "Narr" für diese Finanzierung.
xAI und die "Distillation" von KI-Modellen
Unter Kreuzverhör durch OpenAIs Anwalt William Savitt gab Musk zu, dass xAI, sein eigenes KI-Startup, Modelle von OpenAI "teilweise" destilliert hat. Auf die Frage, ob KI-Unternehmen generell Modelle anderer KI-Unternehmen destillieren, antwortete Musk: "Im Allgemeinen destillieren KI-Unternehmen andere KI-Unternehmen." Auf Nachfrage nach einem Ja oder Nein antwortete er "teilweise".
Distillation ist die Praxis, ein KI-Modell zu verwenden, um ein anderes zu trainieren. Diese Praxis ist laut den Nutzungsbedingungen von OpenAI verboten. Berichten zufolge haben xAI-Ingenieure auch auf Anthropic-Modelle für die Codierung zurückgegriffen.
Die Rolle von Microsoft im Prozess
Microsoft Corp. (NASDAQ:MSFT) ist ebenfalls als Beklagter in der Klage aufgeführt. Musks Anwälte argumentieren, dass Microsoft durch seine 13 Milliarden US-Dollar Investitionen und seine Cloud-Partnerschaft den angeblichen Bruch des gemeinnützigen Vertrauens durch OpenAI ermöglicht hat. Microsoft bestreitet eine Kollusion und argumentiert, dass die Partnerschaft erst nach Musks Ausscheiden begann.
Ein Urteil gegen OpenAI könnte eine Rückabwicklung der gewinnorientierten Umwandlung des Startups erzwingen und einen Börsengang verzögern, der das Unternehmen auf bis zu 1 Billion US-Dollar bewerten könnte. Dies würde Microsofts KI-Roadmap erheblich durcheinanderbringen, da der Großteil seiner kommerziellen KI-Angebote auf OpenAI-Modellen basiert.
Musks Ambitionen und Altmans Verteidigung
Die Feindseligkeit zwischen den ehemaligen Mitbegründern ist unübersehbar. Musk hat Sam Altman auf X als "Scam Altman" bezeichnet und strebt dessen Entfernung aus dem OpenAI-Vorstand an. Er behauptet, die Initiative für OpenAI sei vollständig seine gewesen und er habe das Konzept entwickelt, den Namen gewählt und Schlüsselpersonal rekrutiert.
OpenAI kontert Musks Behauptungen, indem es darauf hinweist, dass der Tesla-CEO selbst eine Fusion mit OpenAI anstrebte und an Diskussionen über die Gründung einer gewinnorientierten Einheit beteiligt war, bevor er 2018 aus dem Vorstand ausschied. Die gewinnorientierte Umwandlung im Jahr 2019 ermöglichte es OpenAI, Kapital von Investoren zu beschaffen, um die Rechenkapazität für die KI-Forschung zu skalieren, was zur Einführung von ChatGPT Ende 2022 führte.
Ein bemerkenswerter Moment im Gerichtssaal war, als Musk erklärte, Tesla verfolge "derzeit keine AGI" (Künstliche Allgemeine Intelligenz). Savitt präsentierte daraufhin einen X-Post von Musk vom 4. März, in dem dieser schrieb, Tesla werde "eines der Unternehmen sein, das AGI herstellt und wahrscheinlich das erste, das es in humanoider/atomformender Form herstellt."
Prognosemärkte: Wie stehen Musks Chancen?
Die Prognosemärkte zeigen ein geteiltes Bild über Musks Erfolgsaussichten. Auf Polymarket liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Elon Musk seinen Fall gegen Sam Altman gewinnt, bei nur 42 % ("Ja"), was einen Rückgang seit Prozessbeginn darstellt.
Der ähnliche Markt von Kalshi sieht Musk mit 55 % als Gewinner. Die Diskrepanz erklärt sich durch unterschiedliche Gewinnbedingungen der Märkte, wobei Polymarket eine höhere Hürde für Musk ansetzt.
Gerichtliche Entwicklungen und Ausblick
Richterin Yvonne Gonzalez Rogers, die den Prozess in Oakland, Kalifornien, leitet, blockierte am Donnerstag den Versuch von Musks Anwälten, Expertenaussagen zum KI-Aussterberisiko einzuführen. Dabei äußerte sie sich kritisch gegenüber dem Tesla-CEO und bemerkte, dass "viele Leute die Zukunft der Menschheit nicht in die Hände von Herrn Musk legen wollen."
Der Prozess, der voraussichtlich etwa vier Wochen dauern wird, wird weitere hochkarätige Zeugen sehen. Sam Altman, Microsoft-CEO Satya Nadella und die ehemalige OpenAI CTO Mira Murati sollen alle im Laufe des Verfahrens aussagen. Richterin Rogers ermahnte Musk zudem, seine Social-Media-Äußerungen zu mäßigen, nachdem er auf X Altman der Täuschung bezichtigt hatte.