Myrrhe-Harz: Klimawandel bedroht Luxusparfüm-Lieferkette und Existenzen

Myrrhe-Harz: Klimawandel bedroht Luxusparfüm-Lieferkette und Existenzen

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Myrrhe, ein essenzieller Bestandteil vieler Luxusparfüms, ist zunehmend von einer historischen Dürre am Horn von Afrika bedroht. Dies gefährdet nicht nur die Zukunft des kostbaren Harzes, sondern auch die Existenzgrundlage tausender Menschen in Äthiopien, die vom traditionellen Sammeln leben und nur einen Bruchteil des Endpreises erhalten. Eine undurchsichtige Lieferkette und die Auswirkungen des Klimawandels stellen die Gemeinden vor immense Herausforderungen.

Myrrhe: Ein Luxusgut unter Druck

Das Harz des Myrrhe-Baumes ist eine entscheidende Note in einigen der weltweit bekanntesten Parfüms. Marken wie Tom Ford, Comme des Garcons und Jo Malone nutzen Myrrhe für ihre Kreationen, die Flaschenpreise von bis zu 500 US-Dollar erreichen können. Doch die Quelle dieses begehrten Rohstoffs, insbesondere in der Somali-Region Äthiopiens, steht unter massivem Druck.

Experten sprechen von einer historischen Dürre, die die Myrrhe-Bäume bedroht. Die einst dichten Wälder sind durch Wassermangel und hungriges Vieh, das an den Bäumen knabbert, in Gefahr. Dies hat weitreichende Folgen für die globale Luxusgüterindustrie und die lokalen Gemeinschaften.

Die undurchsichtige Lieferkette und geringe Erlöse

Obwohl Myrrhe handgeerntet wird, was ihren Preis erhöht, sehen die Sammler vor Ort nur einen geringen Anteil des Gewinns. Für ein Kilogramm des Harzes erhalten sie lediglich 3,50 bis 10 US-Dollar. Dies steht in starkem Kontrast zu den hohen Verkaufspreisen der Endprodukte.

Anfang dieses Jahres besuchten Forscher, unterstützt von der American Herbal Products Association, die Region, um die Lieferkette zu untersuchen. Ihr Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Erntearbeiter mehr direkte Gewinne erhalten, anstatt dass Zwischenhändler entlang der undurchsichtigen Lieferkette den Großteil abschöpfen. Äthiopien, ein Hauptlieferant von Myrrhe, erhebt zudem keine Steuern auf diese Güter, die hauptsächlich von Händlern aus dem benachbarten Somalia gekauft werden.

Traditionelle Ernte in Gefahr

Die traditionelle Erntemethode in Äthiopien, bei der Harz aus natürlich entstandenen Wunden der Bäume gesammelt wird, schützt die Bäume und liefert Harz höchster Qualität. Anjanette DeCarlo, Expertin für nachhaltige Lieferketten an der University of Vermont, betont: „Traditionelle Praktiken sind im Gleichgewicht und schützen die Bäume. Sie sollten gefeiert werden.“

Doch die Dürre gefährdet diese nachhaltige Praxis. Obwohl erwachsene Bäume im Allgemeinen gesund sind, produzieren sie weniger Harz. Zudem überleben immer weniger junge Bäume. Mohamed Osman Miyir, ein lokaler Ältester, äußert sich besorgt: „Leider werden viele Setzlinge von Kindern, die ihr Vieh in der Nähe weiden lassen, entwurzelt, und die Tiere fressen oft die Knospen der jungen Bäume. Wir sind zutiefst besorgt über den Rückgang der Myrrhe-Baum-Population.“

Klimawandel und die Folgen für Mensch und Baum

Die jährlichen Regenfälle sind in den letzten Jahren ausgeblieben, unterbrochen im Jahr 2023 von verheerenden Überschwemmungen. Diese historische Dürre in der ariden Region wird von Experten dem Klimawandel zugeschrieben. Ohne ausreichenden Regen werden voraussichtlich weitere junge Bäume absterben, und Anjanette DeCarlo befürchtet, dass schließlich auch die erwachsenen Bäume betroffen sein werden.

Die Auswirkungen sind für die lokale Bevölkerung dramatisch. Dorfbewohner verbringen ihre Tage damit, Wasser für sich und ihr Vieh zu transportieren. Hirten reisen bis zu 200 Kilometer über die ausgetrocknete, rissige Erde zum Dorf Sanqotor, das über einen seltenen Brunnen verfügt. Ali Mohamed, ein lokaler Vorsteher, berichtet, dass Gäste zuerst ihre Tiere tränken dürfen, dann erst die Dorfbewohner. Die ärmsten Bewohner sind ausschließlich auf Baumharze wie Myrrhe angewiesen, um zu überleben.

Hoffnung auf faire Märkte

Die lokalen Gemeinschaften setzen ihre Hoffnung auf mehr Sichtbarkeit und direkte Marktbeziehungen. Abdinasir Abdikadir Aweys, leitender Forscher am Somali Regional Pastoral and Agro-Pastoral Research Institute, erklärt: „Sie äußerten die Hoffnung, dass ein direkter Markt es ihnen ermöglichen würde, bessere Preise zu erzielen und nachhaltige Lebensgrundlagen zu sichern.“

Ein direkterer Zugang zu globalen Märkten könnte nicht nur die Einkommen der Sammler verbessern, sondern auch Anreize für den Schutz der Myrrhe-Bäume schaffen. Angesichts des wachsenden globalen Interesses an natürlichen Heilmitteln könnten sich zudem neue Nutzungsmöglichkeiten für Myrrhe ergeben, was die wirtschaftliche Bedeutung des Harzes weiter steigern würde.