
Nachlassplanung: Finanzielle Sicherheit für jedes Alter sichern
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Viele Menschen unterschätzen die Bedeutung einer frühzeitigen Nachlassplanung, bis sie selbst mit den Konsequenzen konfrontiert werden. Die Finanzexpertin Beth Pinsker erlebte dies am eigenen Leib, als fehlende Dokumente zu unerwarteten Kosten und Komplikationen führten. Doch nicht nur im Alter, sondern bereits ab 18 Jahren sind grundlegende Vorkehrungen entscheidend, um finanzielle und gesundheitliche Notfälle abzusichern und die Familie zu schützen.
Die unterschätzte Notwendigkeit der Nachlassplanung
Beth Pinsker, eine zertifizierte Finanzplanerin und Kolumnistin bei MarketWatch, musste feststellen, wie schnell fehlende Nachlassplanung zu Problemen führen kann. Nachdem ihr Vater verstorben war, richtete sie für ihre Mutter eine neue Nachlassplanung ein, die auch eine Vorsorgevollmacht umfasste. Dieses Rechtsdokument ermächtigt eine Person, finanzielle Entscheidungen im Namen einer anderen zu treffen, falls diese handlungsunfähig wird.
Jahre später, als ihre Mutter operiert werden musste, bemerkte Pinsker, dass ein entscheidender Schritt vergessen worden war: Das Dokument war nicht bei der Bank hinterlegt und aktiviert worden. Dieser Fehler führte zu Komplikationen, da Pinsker feststellte, dass ihre Mutter mit den Zahlungen für ihre Langzeitpflegeversicherung im Rückstand war. Da die Prämie verfallen war, musste ihre Mutter 6.800 US-Dollar nachzahlen – ein Betrag, den Pinsker aus eigener Tasche vorstrecken musste, während die Vorsorgevollmacht geklärt wurde. Eine AARP-Umfrage aus dem Jahr 2021 ergab, dass pflegende Angehörige durchschnittlich 7.242 US-Dollar pro Jahr aus eigener Tasche ausgeben. Pinsker überschritt diesen Betrag innerhalb eines Monats. In ihrem neuen Buch "My Mother's Money: A Guide to Financial Caregiving" möchte sie andere Betreuer mit den notwendigen Informationen ausstatten. Pinsker betonte gegenüber CNBC.com: "Man möchte versuchen, schlechte Ergebnisse so weit wie möglich zu verhindern."
Finanzielle Fallstricke im Alter
Mit zunehmendem Alter sind Menschen anfälliger für finanzielle Fehltritte, die gelöst werden müssen. Eine aktuelle Studie der Wharton School an der University of Pennsylvania zeigt, dass die Finanz- und Gesundheitskompetenz älterer Erwachsener über einen Zeitraum von 12 Jahren im Durchschnitt um etwa einen Prozentpunkt pro Jahr sinkt, ausgehend von einem durchschnittlichen Basiswert von etwa 70 %. Dies macht diese Personen anfälliger für Betrug und finanzielle Fehler.
Pinsker berichtete, dass sie eingreifen musste, bevor ein geliebter Mensch 40.000 US-Dollar an einen Telefonbetrüger überwies. Eine Freundin ihrer Mutter versäumte es, ihre Required Minimum Distributions (RMDs) aus Altersvorsorgekonten zu entnehmen, was zu zusätzlichem Steueraufwand und Kosten führte. Eine neue Vanguard-Studie zeigt, dass Anleger, die ihre RMDs verpassen, im Durchschnitt mehr als 1.100 US-Dollar an Steuerstrafen zahlen müssen. Pinsker empfiehlt, teure Versäumnisse zu minimieren, indem man sich einem Bereich widmet, den viele meiden: der Nachlassplanung.
Warum Prokrastination teuer wird
Ein Hauptgrund, warum Menschen kein Testament haben, ist Prokrastination, so das Center for Retirement Research am Boston College. Selbst Prominente sind von diesem Fehler nicht ausgenommen. Als Prince Schlagzeilen machte, weil er kein Testament hinterlassen hatte, verzeichneten Unternehmen, die Testamentsdienste anbieten, einen deutlichen Anstieg des Interesses, so Pinsker. Doch mit der Zeit lässt dieses Interesse wieder nach.
Ein Testament ermöglicht es Einzelpersonen, zu entscheiden, was mit ihrem Besitz nach ihrem Tod geschieht. Doch die meisten Menschen übersehen diesen Schritt der Finanzplanung, selbst wenn sie ein Haus kaufen – oft ihre bedeutendste Anschaffung. Pinsker merkte an: "Wenn Sie einen Hypothekenvertrag unterschreiben, wird Sie niemand fragen oder von Ihnen verlangen, einen Erbschaftsplan für dieses Haus zu haben. Aber ein Haus ist der schwierigste Gegenstand oder Besitz, den man weitergeben kann."
Wichtige Dokumente ab 18: Fast kostenlos, aber unverzichtbar
Nachlassplanung ist nicht nur etwas für ältere Erwachsene. Bereits ab 18 Jahren sollte jeder Dokumente besitzen, die jemanden ermächtigen, im Notfall seine Gesundheits- und Finanzangelegenheiten zu regeln, so Pinsker. Ohne diese Planung sei das "System sehr unversöhnlich" gegenüber jeglicher rechtlicher oder medizinischer Intervention durch Dritte. Zum Beispiel können Eltern keinen Arzttermin für ein Kind über 18 Jahren vereinbaren, ohne eine Gesundheitsvollmacht.
Eine Gesundheitsvollmacht ist ein Rechtsdokument, das jemanden dazu bestimmt, medizinische Entscheidungen in Ihrem Namen zu treffen. Sobald sie 18 sind, sollten Einzelpersonen auch eine Vorsorgevollmacht einrichten, die es einer anderen Person ermöglicht, finanzielle Entscheidungen in ihrem Namen zu treffen, falls sie handlungsunfähig werden. Pinsker betont: "Die Gesundheitsvollmacht und die Vorsorgevollmacht zu besorgen, kostet praktisch fünf Minuten Ihrer Zeit und ist kostenlos." Beide sind einfache Dokumente, die leicht aus dem Internet heruntergeladen werden können. Sie werden erst offiziell, wenn ein Notar sie unterschreibt, ein Service, der oft lokal verfügbar ist.
Weitere wichtige Dokumente sind:
- Eine HIPAA-Autorisierung: Ermöglicht einer anderen Partei den Zugriff auf persönliche Gesundheitsinformationen.
- Eine Patientenverfügung: Ermöglicht es, festzulegen, welche Art von Pflege am Lebensende gewünscht wird, einschließlich der Nutzung von Beatmungsschläuchen und Wiederbelebungsmaßnahmen.
Pinsker fasst zusammen: "Das sind nicht nur nutzlose Punkte auf einer To-Do-Liste."
Besondere Verantwortung: Nachlassplanung für Eltern
Für Eltern ist die Erstellung eines soliden Nachlassplans eine der liebevollsten und verantwortungsvollsten Handlungen, die sie für ihre Kinder tun können, unabhängig vom Alter der Kinder. Viele Familien zögern die Nachlassplanung hinaus, weil sie denken, sie seien "zu jung" oder hätten "nicht genug Vermögen". Doch Nachlassplanung dreht sich um Menschen, nicht nur um Geld. Wenn Sie jemanden lieben, der von Ihnen abhängig ist, brauchen Sie einen Plan.
Ein Widerruflicher Treuhandfonds (Revocable Living Trust) ist für Eltern besonders wichtig. Er ermöglicht es, Vermögenswerte in einen Trust zu überführen, den Sie zu Lebzeiten kontrollieren und der klar festlegt, was passiert, wenn Sie versterben oder handlungsunfähig werden. Dies ist entscheidend, um ein langwieriges und öffentliches Nachlassgerichtsverfahren zu vermeiden. In Nevada beispielsweise kann ein solches Verfahren zeitaufwendig, öffentlich und teuer sein. Ein ordnungsgemäß finanzierter Living Trust hilft Ihrer Familie, gerichtliche Beteiligung, Verzögerungen und unnötigen Stress in einer ohnehin schwierigen Zeit zu vermeiden. Statt monatelang auf den Zugriff auf Vermögenswerte zu warten, kann Ihr Treuhänder sofort eingreifen, um die Dinge reibungslos zu regeln.
Ebenso wichtig ist, dass ein Trust Ihnen die Kontrolle darüber gibt, wie und wann Ihre Kinder Vermögenswerte erhalten. Anstatt dass ein 18-Jähriger alles auf einmal erbt, können Sie die Ausschüttungen über die Zeit strukturieren – für Bildung, wichtige Meilensteine oder das Erwachsenenalter.
Auch mit einem Living Trust ist ein Testament unerlässlich. Ihr Testament benennt Vormunde für Ihre minderjährigen Kinder. Hier legen Sie klar fest, wer Ihre Kinder im Falle einer Tragödie aufziehen soll. Ohne Testament würde ein Gericht diese Entscheidung treffen, basierend auf Gesetzen und Anträgen Dritter – möglicherweise nicht das Ergebnis, das Sie gewählt hätten. Die Benennung von Vormunden gibt Ihnen eine Stimme, wenn es am wichtigsten ist.
Die gute Nachricht ist, dass widerrufliche Living Trusts flexibel sind. Sie können sie ändern, wenn sich das Leben ändert – neue Kinder, neue Vermögenswerte, Umzüge. Denken Sie an die Nachlassplanung wie an das Packen einer Wickeltasche: Man hofft, nie jeden Gegenstand zu brauchen – aber wenn doch, ist man unglaublich froh, dass alles da ist.
Die Folgen ohne Testament: Wenn der Staat entscheidet
Wenn eine Person ohne Testament verstirbt, spricht man vom Tod "intestate" (ohne letztwillige Verfügung). Die Gesetze des jeweiligen Bundesstaates, wie beispielsweise in Pennsylvania, legen dann fest, wie viel jeder Familienangehörige erben würde. Wenn Sie ohne Testament mit einem Ehepartner und Kindern versterben, sieht das Gesetz einen "Einheitsansatz" vor, der bestimmt, dass Ihr Ehepartner nur die Hälfte des Nachlasswertes plus 30.000 US-Dollar erhält, der Rest wird unter Ihren Kindern aufgeteilt. Oftmals wünscht sich eine Person jedoch, dass ihr Ehepartner das gesamte Vermögen erbt und es erst an die Kinder übergeht, wenn auch der Ehepartner verstirbt, was ein Testament erfordert, um diese Absicht widerzuspiegeln.
Die gesetzlichen Erbfolgeregelungen berücksichtigen nicht, ob Ihre Kinder fünf oder fünfundfünfzig Jahre alt sind, wenn es um die Verteilung und den Zugang zu den Vermögenswerten geht. Wenn Sie ein Testament aufsetzen, können Ihre Vermögenswerte in einen Trust überführt werden, wobei eine vertrauenswürdige Person als Treuhänder benannt wird, um die Vermögenswerte zu verwalten, bis Ihre Kinder ein in Ihrem Testament festgelegtes Reifealter erreichen.
Für junge Eltern ist es ein schwieriges Gespräch, darüber zu sprechen, wer ihr minderjähriges Kind oder ihre Kinder im Falle einer Tragödie aufziehen würde. Es kann ein bestimmtes Familienmitglied geben, dem beide vertrauen, und diese Person kann in Ihrem Testament als Vormund Ihrer Kinder benannt werden. Es ist wichtig, dieses Gespräch frühzeitig zu führen und dies mit dem potenziellen Vormund zu besprechen. Dies kann dazu beitragen, dass Gerichte nicht in die Entscheidung über Sorgerechte involviert werden und Ihre wahre Absicht umgesetzt wird.
Die einfache Wahrheit ist, dass ein Testament und Nachlassplanungsdokumente viel Unsicherheit und Verwirrung für Ihre Familie beseitigen. Überlassen Sie es nicht dem Zufall, dass die gesetzlichen Erbfolgeregelungen wirklich Ihre Wünsche für Ihr Vermögen widerspiegeln. Es ist am besten, frühzeitig auf alles vorbereitet zu sein, was passieren könnte, und Ihre Nachlassplanungsdokumente zu überarbeiten, wenn sich Ihr Leben und das Ihrer Umgebung ändern. Die Nachlassplanung mag auf den ersten Blick entmutigend erscheinen, aber mit der richtigen rechtlichen Unterstützung kann jede junge Familie für die kommenden Jahre abgesichert sein.