Nachlassverkäufe boomen: Millennials & Gen Z entdecken Boomer-Schätze

Nachlassverkäufe boomen: Millennials & Gen Z entdecken Boomer-Schätze

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Die Baby Boomer-Generation hat im Laufe ihres Lebens eine enorme Menge an Besitztümern angesammelt. Nun, da viele von ihnen ihr Leben umstrukturieren oder versterben, erleben Nachlassverkäufe einen beispiellosen Boom, der von jüngeren Generationen wie Millennials und Gen Z befeuert wird. Diese sehen in den gebrauchten Schätzen nicht nur eine nachhaltige Alternative, sondern auch eine Quelle für einzigartige Stücke.

Der "Tsunami der Dinge": Eine Generation räumt auf

Die Baby Boomer, oft kritisiert für ihren Konsum, haben tatsächlich eine beeindruckende Menge an Gegenständen angehäuft. Julie Hall, Direktorin der American Society of Estate Liquidators, beschreibt dies als einen "Tsunami der Dinge", der gerade seinen Höhepunkt erreicht. Diese Generation, die erste, die in einer Ära der Massenproduktion und des Konsumismus aufwuchs, kaufte oft langlebige Produkte.

Allein in den USA erreichte die Bevölkerung über 65 Jahre im Jahr 2020 55,8 Millionen Menschen. Weitere 42,4 Millionen sind zwischen 55 und 64 Jahre alt. Das sind fast 100 Millionen Menschen, die im Laufe ihres Lebens eine große Menge an Besitztümern angesammelt haben – Dinge, die sie selbst kauften, von ihren Eltern erbten oder von ihren Kindern übernahmen. Sarah Hersh, Miteigentümerin von Ben Hersh Estate Sales in New Jersey, bestätigt: "Sie haben alles behalten."

Warum Nachlassverkäufe boomen: Die "Vier Ds"

Nachlassverkäufe finden nicht nur nach einem Todesfall statt, auch wenn dies oft die erste Assoziation ist. Es gibt vier Hauptgründe, die sogenannten "Vier Ds": Downsizing (Verkleinerung), Divorce (Scheidung), Decorating (Neueinrichtung) und Death (Tod). Viele ältere Menschen würden ihre Besitztümer gerne in der Familie weitergeben, doch Kinder und Enkelkinder haben oft keinen Platz oder kein Interesse an den Erbstücken.

Boomer waren eine Ära der Sammler. Sie glaubten an die Unterhaltung und waren stolz darauf, große Sammlungen von Dingen anzuhäufen, um sie der Welt zu präsentieren, so Hersh. Diese Gegenstände bieten heute ein hervorragendes Inventar für Wiederverkäufer und eine neue, jüngere Generation von Konsumenten, die diesen "Vibe" schätzen.

Junge Käufer entdecken den Wert des Alten

Jüngere Generationen treiben die Nachfrage auf dem Markt für gebrauchte Waren an. Die Gen Z schätzt die Nachhaltigkeit und Ästhetiken wie "Cottagecore" und "Grandmacore". Millennials und Gen X suchen oft nach Mid-Century Modern-Möbeln und funktionalen Stücken. Nach Jahrzehnten des Minimalismus erlebt der Maximalismus eine Renaissance.

Janelle Stone, eine hochkarätige Nachlassverkäuferin aus Dallas, bezeichnet ihr Geschäft als "Goldgrube". Sie beobachtet, wie 20-jährige Käufer diverse Nippes erwerben. Pelze sind "der Wahnsinn" geworden, ebenso wie Vintage-Mode. Kunden warten bis zu zwei Stunden für eine Herend-Porzellan-Seesternfigur, die sie online entdeckt haben.

Ein großes Thema ist auch Sterling-Silber, dessen Preis Anfang des Jahres ein Allzeithoch von über 120 Dollar pro Unze erreichte und sich seitdem bei etwa 85 Dollar eingependelt hat. Dies beeinflusst die Preisgestaltung, da 16.000 Dollar für ein achteiliges Besteckset kaum jemand bezahlen kann. Stone beschreibt das Abwiegen des Silbers mit Grammwagen und kleinen Beuteln: "Wir sehen aus wie Drogendealer."

Was nicht mehr gefragt ist: Porzellan und schwere Möbel

Nicht alle Gegenstände finden auf Nachlassverkäufen reißenden Absatz. Während Mid-Century Modern-Möbel immer noch verkauft werden, ist die Nachfrage nicht mehr so stark wie früher. Wenige Käufer interessieren sich für Porzellan, geätztes Kristall und klares Glas. Auch die großen, braunen Möbelstücke, die lange Zeit die Häuser der Baby Boomer und der Silent Generation füllten, bleiben oft unverkauft.

Julie Hall fasst es zusammen: "Eine Faustregel ist: Je größer, schwerer und dunkler ein Stück ist, desto wahrscheinlicher bleibt es dort und wird nicht verkauft." Jüngere Generationen bevorzugen kleinere, tragbare Stücke. Klares Glas ist laut Sarah Hersh "egal, was man tut", kein beliebter Verkaufsartikel.

Das Internet als Katalysator: Reseller und digitale Recherche

Das Internet hat die Nachlassbranche grundlegend verändert und beschleunigt. Verkäufer müssen heute genaue Recherchen zu Preisen anstellen, da Käufer den Wert von Gegenständen leicht online überprüfen können. Oft werden die verfügbaren Artikel vorab online veröffentlicht, sodass Käufer genau wissen, was sie suchen, bevor sie persönlich erscheinen.

Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Wiederverkäufer. Technologie hat eine Vielzahl von Wiederverkaufsplattformen wie eBay, Depop und Whatnot hervorgebracht. Viele Menschen nutzen den Weiterverkauf gebrauchter Gegenstände als Nebenverdienst oder sogar als Vollzeitbeschäftigung. Sarah Hersh beschreibt Wiederverkäufer als "bösartig", die sich in den ersten 50 Personen einer Schlange drängeln und sich "gegenseitig aus den Räumen drängen, um an die Sachen zu kommen."

Julie Hall sieht Wiederverkäufer jedoch grundsätzlich positiv, da das Ziel ist, das Haus zu leeren. Sie können jedoch aufdringlich sein und nach Rabatten fragen. "Wiederverkäufer wollen manchmal mehr Rabatt, und oft können wir ihnen diesen am ersten Tag nicht geben", sagt Hall.

Tipps für den erfolgreichen Nachlasskauf

Maddy Brannon, eine Nachlassverkaufs-Influencerin aus Washington, D.C., rät dazu, Nachlassverkäufe eher später am Tag zu besuchen, um den Andrang der Profis zu vermeiden. Sie empfiehlt, nicht die erste Person zu sein, es sei denn, man hat einen absoluten Must-Have-Artikel auf der Liste gesehen. Später am Tag sind auch Rabatte wahrscheinlicher.

Weitere Ratschläge von Brannon sind:

  • Unter der Woche gehen, um Menschenmassen zu vermeiden.
  • Die Zugangsregeln verstehen (manchmal wird man namentlich oder nach Nummer aufgerufen, nicht nur durch Anstehen).
  • Nicht vom "Hold"-Tisch kaufen, wo andere Käufer ihre gewünschten Artikel ablegen. "Die Leute regen sich darüber wirklich auf", sagt sie.

Mehr als nur Handel: Die emotionale Seite

Nachlassverkäufe haben eine eigentümliche Intimität. Man geht durch das Haus eines Menschen, berührt seine Dinge, schaut in Schubladen und kann sich Geschichten über die Person anhand ihrer Besitztümer ausdenken. Das Loslassen von Gegenständen kann emotional belastend sein, besonders wenn man gehofft hatte, dass geliebte Menschen sie wollten oder sie einen höheren Wert besaßen.

Es ist oft schwer zu akzeptieren, dass die eigenen Kinder das geschätzte Teeservice nicht wollen. Doch diese Erkenntnis gibt auch die Erlaubnis, loszulassen. Die goldene Ära der Nachlassverkäufe ist nicht nur eine "Goldgrube" an Inventar oder das "bösartige" Treiben des Wiederverkaufsmarktes. Es geht auch darum, wie wir das Leben durch materielle Gegenstände erfahren und wie diese Dinge mehrere Leben führen können, auch solche, an denen wir nicht beteiligt sind.

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