
Naher Osten: Trumps Öl-Drohungen und die Folgen für globale Märkte
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Der Konflikt im Nahen Osten spitzt sich zu, während US-Präsident Donald Trump offen über die Beschlagnahmung iranischer Ölvorkommen und der strategisch wichtigen Insel Kharg Island spekuliert. Diese Äußerungen fallen in eine Zeit erhöhter regionaler Spannungen, die bereits zu einem deutlichen Anstieg der Rohölpreise geführt haben.
Trumps Drohungen und die Ölstrategie
US-Präsident Donald Trump erklärte am Sonntag gegenüber der Financial Times, seine "Präferenz wäre es, das Öl im Iran zu nehmen". Er zog dabei Vergleiche zur US-Militäroperation in Venezuela, wo die USA nach der Gefangennahme von Nicolás Maduro die Kontrolle über die Ölindustrie des lateinamerikanischen Landes erlangten. Trump fügte hinzu: "Meine Lieblingssache ist es, das Öl im Iran zu nehmen, aber einige dumme Leute in den USA sagen: 'Warum tust du das?' Aber das sind dumme Leute."
Die strategische Insel Kharg Island, Irans wichtigster Ölexporthafen, steht dabei im Fokus. Trump sagte: "Vielleicht nehmen wir Kharg Island, vielleicht auch nicht. Wir haben viele Optionen." Er merkte an, dass dies bedeuten würde, "eine Weile dort [auf Kharg Island] zu bleiben." Die Trump-Administration hat laut Reuters die Entsendung von Bodentruppen nach Kharg Island erwogen, wobei eine Quelle eine solche Operation als "sehr riskant" bezeichnete, da Teheran die Insel mit Raketen und Drohnen erreichen kann. Auf die Frage nach der iranischen Verteidigung auf Kharg Island antwortete Trump: "Ich glaube nicht, dass sie irgendeine Verteidigung haben. Wir könnten sie sehr leicht nehmen."
Trotz dieser Drohungen erwähnte Trump auch, dass indirekte Gespräche zwischen den USA und dem Iran über pakistanische "Emissäre" gut vorankämen. Er sprach von "Regime Change" im Iran, da viele iranische Führer während des Krieges getötet worden seien.
Eskalation im Nahen Osten und die Folgen für den Ölmarkt
Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran ist in seine fünfte Woche eingetreten, mit Angriffen, die sich über die Region ausweiten und Risiken für Energie- und Infrastrukturanlagen erhöhen. Am 14. März 2026 stieg Rauch aus einer Energieanlage im Golfemirat Fujairah auf, Stunden nachdem die USA Irans Kharg Island angegriffen hatten. Ein indischer Arbeiter wurde bei einem iranischen Angriff auf ein Wasserwerk in Kuwait getötet.
Die Unsicherheit hat die Rohölpreise stark ansteigen lassen. Futures für die internationale Benchmark Brent Crude stiegen im frühen asiatischen Handel um 2,92 % auf 115,86 US-Dollar pro Barrel. Gleichzeitig legten die US West Texas Intermediate Futures um 3,20 % auf 102,80 US-Dollar pro Barrel zu.
Das Pentagon bereitet sich laut Washington Post auf Wochen potenzieller Bodenkonflikte im Iran vor, wobei Tausende US-Truppen in der Region eintreffen. Rund 3.500 Soldaten trafen am Freitag ein, und Tausende weitere der 82. Airborne Division wurden zur Unterstützung des Krieges beordert.
Die Rolle der Golfstaaten und ihre Bedenken
Die Golfstaaten zeigen sich zunehmend frustriert über das Vorgehen der USA im anhaltenden Krieg mit dem Iran, wie ein Bloomberg-Bericht vom 27. März festhielt. Offizielle Kreise äußern privat Bedenken hinsichtlich der amerikanischen Sicherheitsgarantien und der wahrgenommenen mangelnden kohärenten Langzeitstrategie der Trump-Administration in der Region.
Trotz der Stationierung amerikanischer Militärbasen, die sie zu Zielen machen, sind die Golfstaaten iranischen Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt. Saudi-Arabien fing kürzlich ein halbes Dutzend Drohnen ab, und zwei kuwaitische Häfen wurden getroffen. Der verheerendste Schlag war jedoch die effektive Schließung der Straße von Hormuz, einem vitalen Schifffahrtskorridor, der zu Milliardenverlusten bei den Öleinnahmen geführt hat.
Regionale Beamte befürchten, dass US-Präsident Donald Trump vorzeitig einen Deal mit Teheran abschließen könnte, um den Sieg zu erklären und sich aus einem in den USA zunehmend unpopulären Krieg zurückzuziehen. Sie befürchten, dass ein solches Abkommen die Produktion ballistischer Raketen des Iran oder dessen Unterstützung für militante Stellvertretergruppen nicht eindämmen würde, wodurch die Golfstaaten mit einem verbitterten und gut bewaffneten Nachbarn zurückblieben, der die Kontrolle über die Straße von Hormuz behält.
Irans Taktik und regionale Machtverschiebungen
Die taktische Entwicklung der iranischen Militäroperationen ist ein direktes Ergebnis der Vertiefung seiner strategischen Allianz mit Russland. Teheran setzt auf eine dezentrale Kampagne kleinerer, anhaltender Drohnenangriffe gegen wirtschaftliche und zivile Infrastruktur, die Russlands Zermürbungskrieg in der Ukraine widerspiegelt. Dieser Ansatz, gestärkt durch russische Zielinformationen und den Transfer modifizierter Shahed-136-Angriffsdrohnen, zielt darauf ab, die Verteidigung der USA und ihrer Verbündeten durch langfristige wirtschaftliche und operative Störungen zu überdauern.
Die iranische Nachrichtenagentur Mehr veröffentlichte zudem ein KI-generiertes Video, das den "Beginn einer neuen Welle von Raketenangriffen" darstellt. Der Clip zeigt ein inszeniertes Militärkommando-Treffen, gefolgt von simulierten Raketenstarts und Explosionen in städtischen Gebieten, was als Teil von Irans Informationskampagne zur Projektion militärischer Stärke und zur Beeinflussung der öffentlichen Wahrnehmung während des Konflikts gesehen wird.
Angesichts der Unsicherheiten erwägen einige Golfregierungen, ihre geopolitischen Beziehungen über Washington hinaus zu diversifizieren und stärkere Bindungen zu China aufzubauen, das sie als eine vorhersehbarere und stabilere Supermacht betrachten. Die Spannungen wurden zusätzlich durch die US-Entscheidung verschärft, Sanktionen gegen iranisches Öl auf Tankern vorübergehend auszusetzen, um die steigenden Rohölpreise zu senken – ein Schritt, der erfolgte, während die arabischen Golfstaaten ihr eigenes Erdöl aufgrund iranischer Drohungen nicht exportieren können.