
Nahost-Diplomatie: Libanon-Waffenstillstand und Iran-Deal unter Druck
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Die Vereinigten Staaten berufen kurzfristig diplomatische Gespräche in Washington, D.C. ein, um einen Waffenstillstand im Libanon zu erzielen. Dort haben israelische Truppen Ziele der vom Iran unterstützten Hisbollah mit Luftangriffen bombardiert und auch libanesische Zivilisten getötet. Diese Bemühungen sind Teil einer komplexen diplomatischen Landschaft, die durch den Krieg zwischen den USA/Israel und dem Iran sowie unterschiedliche Interpretationen eines regionalen Waffenstillstands geprägt ist.
Dreiseitige Gespräche in Washington, D.C.
Das Büro von Außenminister Marco Rubio plant dreiseitige Gespräche, die nächste Woche in Washington, D.C. stattfinden sollen. Geleitet werden sie vom US-Botschafter im Libanon, Michel Issa, zusammen mit der libanesischen Botschafterin Nada Hamadeh Moawad und dem israelischen Botschafter Yechiel Leiter. Quellen beschreiben diese Treffen als eine Diskussion darüber, wie direkte Gespräche eingeleitet werden können. Ein Beamter des Außenministeriums bestätigte, dass Vertreter beider Seiten nächste Woche im Ministerium zusammenkommen werden.
Der breitere Konflikt und die Rolle der Hisbollah
Der Krieg zwischen Israel und den USA auf der einen Seite und dem Iran auf der anderen begann am 28. Februar. Kurz darauf feuerte die Hisbollah Raketen auf Israel ab, um ihre Solidarität mit Teheran zu demonstrieren. Israel startete daraufhin eine neue Offensive gegen die Hisbollah und drang in weite Teile des südlichen Libanon ein. Der Libanon hat sich zu einem der heikelsten Themen entwickelt, das die beginnende Diplomatie zwischen den USA und dem Iran erschwert.
Die Hisbollah wurde 1982 von den iranischen Revolutionsgarden gegründet und gilt als die vorderste Kraft in Teherans regionalem Bündnis bewaffneter Akteure. Die Gruppe eröffnete am 2. März das Feuer auf Israel. Vier libanesische Quellen berichteten, dass die Hisbollah davon ausging, dass die iranische Führung den Krieg überleben und ein regionaler Waffenstillstand die libanesische Gruppe ausdrücklich einschließen würde.
Uneinigkeit über die Waffenstillstandsbedingungen
Ein am Donnerstag angekündigter Waffenstillstand sollte ursprünglich für die gesamte Nahostregion gelten, einschließlich des Libanon. Präsident Trump hatte dem zugestimmt, und Vermittler wie der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif sowie Irans Außenminister Abbas Araghchi bestätigten dies. Ein Beamter des Weißen Hauses erklärte am Tag des Waffenstillstands, dass auch Israel den Bedingungen des von Pakistan vermittelten Abkommens zugestimmt hatte.
Die Position der USA änderte sich jedoch nach einem Telefonat zwischen dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und Präsident Trump. Vizepräsident JD Vance sprach von einem "legitimen Missverständnis" bezüglich der Waffenstillstandsbedingungen und machte die Iraner für das Missverständnis verantwortlich, dass ihre Stellvertreterkräfte im Libanon eingeschlossen seien. Netanjahu betonte am Donnerstag, dass es im Libanon keinen Waffenstillstand gebe, stimmte aber zu, dass israelische Diplomaten die Bitte der libanesischen Regierung um Gespräche annehmen könnten.
US-Diplomatie und die Rolle von Vizepräsident Vance
Vizepräsident JD Vance hat sich als führende Persönlichkeit in der Diplomatie mit dem Iran etabliert. Er war der ranghöchste US-Beamte, der sich mit omanischen Vermittlern traf, die erfolglos versuchten, einen Deal zur Abwendung der US- und israelischen Angriffe vom 28. Februar zu vermitteln. Frühere diplomatische Bemühungen unter US-Sondergesandtem Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner wurden durch US-Militäraktionen unterbrochen. Mehrere diplomatische Quellen berichteten CBS News, dass der Iran Vances Beteiligung besonders begrüßte, da ein Misstrauen gegenüber Witkoff und Kushner bestehe.
Irans Forderungen und Israels Haltung
Der Iran hat Vermittlern mitgeteilt, dass jedes Waffenstillstandsabkommen mit den Vereinigten Staaten und Israel den Libanon und eine Einstellung der israelischen Angriffe auf die Hisbollah umfassen muss. Teherans Außenminister Abbas Araghchi warf den USA vor, Premierminister Netanjahu die Diplomatie töten zu lassen. Ein hochrangiger iranischer Beamter bestätigte, dass Teheran einen US-Vorschlag zur Beendigung des Konflikts noch prüft.
Israel hingegen hat klargestellt, dass es die libanesische und iranische Front nicht als einen einzigen Konflikt betrachtet. Das israelische Außenministerium erklärte öffentlich, dass "Israel keine Verhandlungen mit dem iranischen Terrorregime geführt hat und nicht führt." Eine Quelle, die über Israels Militärstrategie informiert ist, sagte, dass israelische Angriffe auf die Hisbollah wahrscheinlich auch nach dem Ende des Luftkriegs mit dem Iran fortgesetzt würden, da die beiden Fronten operativ unverbunden seien.
Kommende Gespräche in Islamabad und globale Auswirkungen
Parallel zu den D.C.-Gesprächen wird Islamabad, Pakistan, an diesem Wochenende hochrangige US-amerikanische und iranische Beamte zu Verhandlungen empfangen. Diese Treffen finden sechs Wochen nach den koordinierten Angriffen der USA und Israels auf den Iran statt, die den Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei töteten und einen Krieg auslösten, der Tausende von Menschen in mehreren Ländern das Leben kostete. Der Konflikt führte auch zur Schließung der weltweit wichtigsten Ölpassage, der Straße von Hormus, und ließ die Energiepreise in die Höhe schnellen.
Die Verhandlungen in Islamabad sollen am Samstagmorgen beginnen und könnten bis zu 15 Tage dauern. Sie werden im Serena Hotel stattfinden. Irans Angriffe auf seine Golfnachbarn und die faktische Schließung der Straße von Hormus, durch die in Friedenszeiten 20 Prozent des weltweiten Öls und Gases fließen, haben die globalen Märkte erschüttert und die Energiepreise auf Rekordhöhen getrieben.
Herausforderungen und Ausblick
Die Diplomatie ist von tiefem Misstrauen und regionalen Spannungen bedroht. Iranische Beamte beklagen, dass Washington wiederholt verhandelt habe, während es militärisch eskalierte, was zu einem "Null-Vertrauen"-Umfeld geführt habe. Das Erbe des US-Rückzugs aus dem Atomabkommen von 2015 überschattet ebenfalls die aktuellen Bemühungen. Analysten wie Sanam Vakil von Chatham House sehen eine Rückkehr zum Krieg als wahrscheinlicher an als eine sinnvolle Einigung, da die Forderungen beider Seiten sehr maximalistisch sind und Kompromisse in einem zweiwöchigen Zeitrahmen schwer zu finden sein werden.