NATO-Krise und Russlands Wirtschaft: Stagnation trotz Kriegsboom

NATO-Krise und Russlands Wirtschaft: Stagnation trotz Kriegsboom

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Die transatlantische Allianz steht vor einer ihrer größten Zerreißproben, ausgelöst durch US-Präsident Donald Trumps Drohung, Zölle gegen NATO-Länder zu verhängen, die Truppen in Grönland stationiert haben. Diese Entwicklung wird in Moskau mit Genugtuung aufgenommen, während die russische Wirtschaft selbst zunehmend unter dem Druck des Ukraine-Krieges leidet und Anzeichen einer drohenden Stagnation zeigt.

NATO-Krise um Grönland und russische Reaktionen

US-Präsident Donald Trump hat eine existenzielle Krise für die NATO ausgelöst, indem er Zölle gegen NATO-Länder ankündigte, die Truppen in dem halbautonomen dänischen Territorium Grönland stationiert haben. Diese Maßnahmen sollen so lange in Kraft bleiben, bis ein "Deal für den vollständigen und totalen Kauf Grönlands" erreicht ist. Die Zölle von 10 Prozent sollen am 1. Februar in Kraft treten und am 1. Juni auf 25 Prozent steigen, betroffen sind Länder wie Frankreich, Schweden, Dänemark, Norwegen, Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Finnland.

Kirill Dmitriev, Wladimir Putins Gesandter für Investitionen und wirtschaftliche Zusammenarbeit, begrüßte diese Entwicklung auf X mit den Worten: "Zusammenbruch der transatlantischen Union. Endlich – etwas, das es wert ist, in Davos diskutiert zu werden." Auch der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew interpretierte Trumps Rhetorik als Zeichen tiefer werdender Spaltungen innerhalb der NATO. Die EU-Länder haben alarmiert reagiert und die dänische Position öffentlich unterstützt, während Zypern als EU-Ratspräsidentschaft ein Notfalltreffen der EU-Botschafter einberief.

Russlands Wirtschaft unter Druck: Stagnation und steigende Belastungen

Während die NATO-Krise in Moskau gefeiert wird, zeigen sich in der russischen Wirtschaft zunehmend Ermüdungserscheinungen. Nach einem Wachstum von über 4 Prozent in den Jahren 2023 und 2024 wird für 2025 ein BIP-Wachstum von 1 Prozent oder weniger erwartet, und 2026 soll sich dieser Trend fortsetzen. Das Institute for the Study of War (ISW) stellte fest, dass die russische Bevölkerung die Auswirkungen der Priorisierung der Verteidigungsindustrie durch den Kreml zunehmend spürt.

Die Rüstungsindustrie und ihre Zulieferer florieren dank massiver Investitionen und Kredite des Kremls, doch der Rest der Wirtschaft leidet. Steigende Löhne, verursacht durch kriegsbedingten Arbeitskräftemangel und den Wettbewerb um Arbeitskräfte zwischen Verteidigungs- und Zivilunternehmen, treiben die Inflation an. Dies zwang die russische Zentralbank, die Zinssätze auf ein sehr hohes Niveau anzuheben, die erst kürzlich wieder zu sinken begannen.

Zunehmende Belastung für Zivilisten und Unternehmen

Im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres stellten mehrere große russische Zivilhersteller auf Vier-Tage-Wochen um und kündigten Entlassungen aufgrund sinkender Nachfrage an. Die hohen Kreditkosten erschweren es russischen Bürgern, Wohneigentum zu erwerben. Zusätzlich zu den hohen Preisen wurde der Mehrwertsteuersatz erhöht, um den Krieg in der Ukraine zu finanzieren. Westliche Sanktionen und niedrige Rohölpreise haben zudem Moskaus Einnahmen aus Energieexporten geschmälert.

Die Belastungen im Privatsektor nehmen zu, was sich auch im Finanzsystem widerspiegelt. Russische Daten zeigen, dass sich die unbezahlten Löhne im Oktober im Vergleich zum Vorjahr auf über 27 Millionen US-Dollar fast verdreifacht haben, wobei Zwangsurlaube und kürzere Arbeitswochen häufiger werden. Infolgedessen haben immer mehr Verbraucher Schwierigkeiten, ihre Kredite zu bedienen.

Warnsignale im russischen Finanzsystem

Ein anonymer russischer Beamter äußerte gegenüber der Washington Post die Befürchtung: "Eine Bankenkrise ist möglich. Eine Nichtzahlungskrise ist möglich." Bereits im Juni hatten russische Banken vor einer potenziellen Schuldenkrise gewarnt, da hohe Zinsen die Kreditrückzahlungsfähigkeit der Schuldner beeinträchtigen. Der Leiter des Russischen Verbandes der Industriellen und Unternehmer warnte im selben Monat, dass viele Unternehmen sich in einer "Pre-Default-Situation" befänden.

Im September sprach German Gref, CEO der Sberbank und einer der führenden russischen Bankchefs, von einer "technischen Stagnation" der Wirtschaft, nachdem er bereits im Juli und August vor einem nahezu Nullwachstum gewarnt hatte. Das staatlich unterstützte russische Think Tank "Center for Macroeconomic Analysis and Short-Term Forecasting" prognostizierte im vergangenen Monat, dass das Land bis Oktober nächsten Jahres mit einer Bankenkrise konfrontiert sein könnte, falls sich die Kreditprobleme verschärfen und Einleger ihre Gelder abziehen. Dmitry Belousov, Leiter des Think Tanks, schrieb in einer Notiz, die der Financial Times vorlag: "Die Situation in der russischen Wirtschaft hat sich merklich verschlechtert. Die Wirtschaft ist zum ersten Mal seit Anfang 2023 an den Rand der Stagflation geraten."

Ausblick: Hybrid-Eskalation und anhaltender Druck

Der Krieg in der Ukraine bleibt ein zermürbender Kampf, in dem Russland nur minimale konventionelle militärische Fortschritte erzielt. Schätzungen zufolge belaufen sich die russischen Verluste auf 1,4 Millionen, und die Reserven an sowjetischer Ausrüstung schwinden. Die offiziellen Verteidigungsausgaben haben sich seit 2021 verfünffacht, und die tatsächliche Belastung könnte bis zu 9 Prozent des BIP erreichen – ein Niveau, das mit den nicht nachhaltigen Ausgaben der späten Sowjetzeit vergleichbar ist.

Angesichts der fiskalischen Engpässe und militärischen Beschränkungen sehen Sicherheitsanalysten den Kreml auf dem Weg zu einer dreigliedrigen hybriden Offensive im Jahr 2026. Diese umfasst Sabotageakte, politische Subversion und psychologische Kriegsführung, um die westliche Entschlossenheit zu untergraben. Das ISW betont, dass ein erhöhter westlicher Wirtschaftsdruck auf Russland, zusammen mit der Unterstützung der Ukraine auf dem Schlachtfeld, entscheidend bleibt, um Putins Kalkül zu ändern und ihn zu ernsthafteren Kompromissen zwischen seinen maximalistischen Kriegszielen und der Lebensqualität der russischen Bevölkerung zu zwingen.

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