
Netflix-Regisseur Carl Rinsch im Betrugsprozess um 11 Millionen Dollar
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Im Betrugsprozess gegen den ehemaligen Netflix-Regisseur Carl Rinsch geht es um 11 Millionen Dollar, die für das Sci-Fi-Projekt "White Horse" bestimmt waren. Rinsch verteidigt seine Ausgaben als notwendige Investitionen für eine Mega-Franchise, während die Staatsanwaltschaft persönliche Luxusausgaben anprangert. Die Verhandlung beleuchtet die komplexen Finanzstreitigkeiten in Hollywood.
Der Kern des Betrugsprozesses um "White Horse"
Der Regisseur Carl Rinsch steht im Zentrum eines Betrugsprozesses in Manhattan, bei dem es um 11 Millionen US-Dollar geht, die er von Netflix für sein Sci-Fi-Projekt "White Horse" erhalten hatte. Netflix hatte 2018 zugestimmt, Dutzende Millionen Dollar in das Projekt zu investieren, das eine Welt künstlicher, klonähnlicher Wesen nach einer Spaltung mit der Menschheit darstellt. Keanu Reeves, der in Rinschs Film "47 Ronin" mitspielte, unterstützte das Projekt.
Bis November 2019 hatte Rinsch bereits mehr als die ursprünglich vereinbarten 44 Millionen Dollar für eine Staffel des Projekts ausgegeben. Im März 2020 überwies Netflix Rinschs Produktionsfirma weitere 11 Millionen Dollar, die nun den Kern des Betrugsverfahrens bilden. Die Staatsanwaltschaft wirft Rinsch vor, diese Gelder für persönliche Luxusausgaben wie Matratzen, Uber Eats, Rolls-Royces sowie Aktien- und Kryptohandel verwendet zu haben, anstatt für die Filmproduktion.
Rinschs Version der Ereignisse: Eine Mega-Franchise und Rückerstattung
Carl Rinsch stellte den Streit mit Netflix vor Gericht als ein großes Missverständnis dar. Er sagte aus, dass er "White Horse" als eine Mega-Franchise auf Augenhöhe mit "Star Wars" oder "Game of Thrones" sah und die Bedingungen für eine Fortsetzung verhandelte. Nach seiner Aussage hatte er bereits Millionen Dollar seines eigenen Geldes in das Herzensprojekt investiert und wollte das Vorhaben noch größer anlegen.
Die 11 Millionen Dollar, die Netflix im März 2020 überwies, waren laut Rinsch nur zu einem kleinen Teil für die Produktion bestimmt. Er schätzte, dass die von Netflix geforderten Produktionsarbeiten – wie Schnitt, Storyboards und Setbau – in einem Fünf-Wochen-Zeitraum lediglich 500.000 Dollar kosten würden. Die restlichen 10,5 Millionen Dollar sollten ihm als Erstattung für Kosten dienen, die er aus eigener Tasche für die Fortsetzung der Dreharbeiten während der Budgetüberschreitung bezahlt hatte.
Rinsch führte an, er habe eine Crew von etwa 100 Personen in einem Hotel untergebracht und deren Kosten subventioniert, während über die Fortsetzung verhandelt wurde. Als Belege für seine fortgesetzte Arbeit nannte er die Anstellung des erfahrenen Produzenten Clayton Townsend für 30.000 Dollar und die Sicherung eines Schlosses in Wien als Drehort für über 33.000 Dollar. Die von der Regierung kritisierten Rolls-Royces erklärte er als Teil einer "Flotte von Rolls-Royces" für Diplomaten in der Sci-Fi-Welt von "White Horse".
Netflix' Sicht und Widersprüche in der Aussage
Die Darstellung von Carl Rinsch steht im Widerspruch zu den Aussagen anderer Zeugen und früheren eigenen Erklärungen. Bryan Noon, ein damaliger Netflix-Manager, hatte in einer E-Mail vom März 2020 klargestellt, dass die 11 Millionen Dollar für Produktionskosten von "White Horse" innerhalb eines Fünf-Wochen-Zeitraums vorgesehen waren. Diese umfassten den Schnitt des vorhandenen Materials sowie Kosten für Storyboards, Produktionsdesign, Kostümdesign, Standortbuchungen, Talentsicherung und den Bau von Sets für zukünftige Dreharbeiten.
Während Rinsch vor Gericht angab, der Großteil der 11 Millionen Dollar sei für ihn selbst gewesen, hatte er in früheren eidesstattlichen Aussagen erklärt, die Gelder für zusätzliche Produktionsarbeiten zu verwenden. Auch widersprachen ehemalige Netflix-Manager seiner Behauptung, geplante Dreharbeiten in Kenia und Holland seien für eine zweite Staffel vorgesehen gewesen; sie seien vielmehr Teil des Drehbuchs für die erste Staffel gewesen. Rinsch ging in seiner Aussage nicht auf Vorwürfe ein, er habe 2021 Millionen Dollar für Luxusgüter ausgegeben, noch auf Zeugenaussagen über abgebrochene Treffen mit Netflix-Manager Peter Friedlander zur Lösung von Budgetproblemen.
Risikoreiche Finanzmanöver und ungewöhnliche Begründungen
Im Kreuzverhör wurden auch Rinschs ungewöhnliche Finanzentscheidungen thematisiert. Er tätigte riskante Optionsgeschäfte mit dem Pharmaunternehmen Gilead und verlor dabei Millionen von Dollar. Seine Begründung dafür war, er habe den Markt absichern wollen für den Fall einer "totalen Katastrophe, bei der Millionen von Menschen sterben", um die Arbeit an der Show fortsetzen zu können.
Zudem wurden bizarre Textnachrichten und E-Mails an Cindy Holland, die ranghöchste Netflix-Managerin für "White Horse", vorgelegt. In einem Dokument legte Rinsch ein Szenario dar, in dem Präsident Donald Trump die chinesische Gemeinschaft mobilisieren und eine Destabilisierung des chinesischen Präsidenten Xi Jinping herbeiführen würde. Cindy Holland hatte das Potenzial von "White Horse" ursprünglich als "unglaublich" eingeschätzt.
Die weitreichenden Folgen für Carl Rinsch
Carl Rinsch hat durch die Ereignisse bereits seine Karriere und sein gesamtes Vermögen verloren. In einem zivilrechtlichen Streit mit Netflix unterlag Rinsch im Mai 2024, wobei ein Schiedsrichter dem Unternehmen 8,8 Millionen Dollar und die Kontrolle über das "White Horse"-Material zusprach.
Fast ein Jahr später wurde Rinsch von Bundesanwälten angeklagt. Im Falle einer Verurteilung in allen Anklagepunkten drohen ihm bis zu 90 Jahre Haft.