
Netflix verteidigt 82,7-Milliarden-Dollar-Deal für Warner Bros. Discovery
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Netflix Co-CEO Greg Peters sah sich kürzlich mit kritischen Fragen von Investoren und Medien konfrontiert, nachdem Warner Bros. Discovery (WBD) das Angebot des Streaming-Riesen für den Großteil seiner Vermögenswerte bekräftigt hatte. Die Akquisition, bewertet mit 82,7 Milliarden US-Dollar, hat am Markt für erhebliche Unsicherheit gesorgt und den Netflix-Aktienkurs seit Mitte Oktober von 124 US-Dollar auf rund 95 US-Dollar fallen lassen, was die Marktkapitalisierung von über 500 Milliarden US-Dollar auf 437 Milliarden US-Dollar reduzierte. Investoren äußern Bedenken hinsichtlich der Bewertung, der Wachstumsaussichten und der Integrationsrisiken eines Deals dieser Größenordnung, den Netflix noch nie zuvor getätigt hat.
Netflix verteidigt milliardenschwere Akquisition von Warner Bros. Discovery
Greg Peters, der Co-CEO von Netflix, trat den Zweifeln entschieden entgegen. Er bezeichnete die massive Akquisition nicht als defensive Maßnahme, sondern als notwendige Evolution für das Unternehmen. Peters erklärte gegenüber CNBC, dass Netflix sich im Geschäft befinde, Dinge zu tun, die es noch nie zuvor getan habe, und zu lernen, sie gut zu machen. Obwohl Netflix seinen "organischen Wachstumspfad" schätze, sei es "wahrscheinlich unverantwortlich", diese Gelegenheit nicht diszipliniert zu nutzen.
Peters, der zuvor Chief Operating Officer und Chief Product Officer war, betonte zudem die volle Übereinstimmung mit Co-CEO Ted Sarandos bezüglich der Strategie. Er beschrieb die Arbeit als iterativ, mit dem Ziel, Modelle zu entwickeln und die Integration zu meistern, sobald der Deal abgeschlossen ist.
Strategische Neuausrichtung: Mehr als nur Abonnentenwachstum
Kritiker befürchteten, Netflix wolle lediglich einen Konkurrenten aufkaufen, um ihn stillzulegen. Peters wies diese Vorstellung zurück und betonte die komplementäre Natur der Dienste. Er hob hervor, dass über 75 % der HBO Max-Mitglieder bereits Netflix abonniert haben, was eine Chance für "besser optimierte" Abonnementpläne biete.
Darüber hinaus bringt der Deal Vermögenswerte mit sich, die Netflix bisher fehlten: eine erfolgreiche Kinofilmsparte und ein erstklassiges Fernsehstudio. Peters erklärte, diese würden als Vermögenswerte und nicht als Verbindlichkeiten betrachtet. Er versprach, den Betrieb von Warner Bros. aufrechtzuerhalten und Filme mit branchenüblichen Kinofenstern zu veröffentlichen. Ted Sarandos bekräftigte dies bei einem Auftritt in Paris und einer Konferenz in New York, indem er betonte, Netflix habe die Firma nicht gekauft, um deren Wert zu zerstören.
Sarandos fügte hinzu, dass Netflix bisher keine Kinovertriebsmechanismen besessen habe, was seine frühere Rhetorik über ein "veraltetes" Kinovertriebsmodell als taktisch erscheinen lasse. Er hob hervor, dass die Bibliothek von Warner Bros. hundert Jahre zurückreicht, während die von Netflix nur ein Jahrzehnt umfasst.
Analysten-Skepsis und die Zukunft des Kinofensters
Trotz der Zusicherungen von Netflix äußern einige Analysten Skepsis. Nicholas Grous von ARK Invest merkte an, dass Netflix in der Vergangenheit oft seine Meinung geändert habe. Er vermutet, dass Netflix die traditionellen Kinofenster "über Nacht" ändern würde, wenn es die Möglichkeit dazu hätte.
Sollte dies geschehen, könnte es laut Grous eine "Katastrophe" und ein "Todesstoß" für Hollywoods traditionelles Geschäft bedeuten, da Zuschauer auf eine Veröffentlichung auf Netflix warten würden. Gleichzeitig zeigte sich Grous beeindruckt von Netflix' Innovationsfähigkeit und sieht langfristig Potenzial für eine Neugestaltung des Kinoerlebnisses. Sarandos selbst hatte zuvor angedeutet, dass sich die Veröffentlichungsfenster "entwickeln" könnten.
Warum Warner Bros. Discovery Netflix den Vorzug gab
Samuel Di Piazza Jr., der Vorstandsvorsitzende von Warner Bros. Discovery, erläuterte, warum der Vorstand Netflix gegenüber einem konkurrierenden Angebot von Paramount den Vorzug gab. Di Piazza beschrieb das Netflix-Angebot als "überzeugend", insbesondere aufgrund des hohen Baranteils, der hohen Kündigungsgebühr und der Sicherheit des Abschlusses.
Das konkurrierende Paramount-Angebot, das von Oracle-Mitbegründer Larry Ellison finanziert werden sollte, scheiterte laut Di Piazza an Finanzierungsbedenken. Der Vorstand hatte Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Eigenkapitalfinanzierung zum Zeitpunkt des Abschlusses. Netflix hingegen bot eine "saubere" Struktur und eine Investment-Grade-Bilanz, die Paramount nicht vorweisen konnte.
Hürden der Regulierung und wirtschaftspolitisches Argument
Die Akquisition steht vor einer anspruchsvollen regulatorischen Prüfung in Washington und Brüssel, für die Peters einen Zeitrahmen von 12 bis 18 Monaten erwartet. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Fakten den Deal unterstützen. Peters argumentierte, dass das kombinierte Unternehmen im Bereich des "TV View Share" immer noch hinter Giganten wie YouTube und Disney zurückliegen würde.
Um die kommende Regierung zu überzeugen, führte Peters ein Argument des Wirtschaftspatriotismus an. Er verwies auf die Schaffung von 140.000 Arbeitsplätzen durch Netflix in den USA in den letzten vier Jahren. Die Fusion positionierte er als Gewinn für die amerikanische Industrie, der ein "ikonisches Studio in ein nachhaltiges Modell" überführt und Gewerkschaftsarbeitsplätze schützt. Auf die Frage, ob Netflix eine mögliche Klage des Justizministeriums (DOJ) bekämpfen würde, antwortete Peters unmissverständlich: "Wir haben einen guten Fall, und wir glauben, dass wir diesen Fall verteidigen sollten." In einem internen Memo an die Mitarbeiter betonten Peters und Sarandos zudem, der Deal sei "kein Ende" der Unterhaltungsindustrie, sondern ein "Gewinn" und stärke eines der "ikonischsten Studios Hollywoods".