
NuScale Power: SMR-Pionier zwischen Potenzial und regulatorischen Hürden
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Die rasante Zunahme von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz hat die Kernkraft in den USA als Stromquelle neu belebt. NuScale Power nimmt dabei eine Schlüsselposition ein, da es das einzige Unternehmen mit einem von der US-Regulierungsbehörde genehmigten SMR-Design ist. Trotz dieser Vorteile kämpft die Aktie mit Herausforderungen und einem Kursrückgang von fast 40 % im letzten Jahr.
Die Wiederbelebung der Kernkraft und NuScales Rolle
Die steigende Nachfrage nach Energie, insbesondere durch den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz, hat der Kernkraft in den Vereinigten Staaten neuen Aufwind verliehen. Kernenergie wird als zuverlässige und kohlenstofffreie Stromquelle betrachtet, die den 24/7-Bedarf von Hochleistungsrechenzentren decken kann. In diesem Kontext positioniert sich NuScale Power (NYSE: SMR) als wichtiger Akteur im Bereich der kleinen modularen Reaktoren (SMR).
Das Unternehmen ist das einzige im Nuklearenergiesektor, dessen Design für einen kleinen modularen Reaktor von der U.S. Nuclear Regulatory Commission (NRC) genehmigt wurde. Diese SMR-Technologie gilt als vielversprechend, da die Reaktoren kostengünstiger, einfacher zu bauen und kompakter sind als herkömmliche Kernkraftwerke.
NuScales einzigartige Position und die SMR-Technologie
NuScale Power verfügt über das einzige SMR-Design mit US-Zulassung, das auf bis zu 12 Module erweiterbar ist und zusammen 924 Megawatt kohlenstofffreien Strom erzeugen kann. Die Technologie könnte eine Vielzahl von Anwendungen bedienen, wobei Rechenzentren derzeit als wichtigster Anwendungsfall diskutiert werden. Die Genehmigung für eine Leistungssteigerung auf 77 MW pro Modul stärkt zudem das Produktangebot.
Im Mai 2025 unterzeichnete Präsident Donald Trump Executive Orders, die den Bau neuer und bestehender Reaktoren vorantreiben sollen, um die US-Kernkraftkapazität bis 2050 zu vervierfachen. Später im selben Jahr schloss die Tennessee Valley Authority (TVA) eine Vereinbarung mit ENTRA1 über bis zu 6 Gigawatt neuer Kernkraftkapazität unter Verwendung von NuScales SMR-Anlagen ab. Dies ist das bisher größte SMR-Abkommen in den Vereinigten Staaten und umfasst 72 Module in bis zu sechs Anlagen, genug Strom, um etwa 60 Rechenzentren zu versorgen. NuScale Power hat bereits 12 Module für das erste Projekt in Produktion.
Langsame Fortschritte und regulatorische Hürden
Trotz der vielversprechenden SMR-Technologie und großer Abkommen ist die Nuklearindustrie stark reguliert, was zu sehr langsamen Prozessen führt. Diese Bürokratie scheint den First-Mover-Vorteil von NuScale zu bremsen. Ein Beispiel hierfür ist ein geplantes Sechs-Modul-Kraftwerk für einen Kunden in Rumänien, das NuScale seit 2021 plant.
Die endgültige Genehmigung für das erste Modul erfolgte erst kürzlich, wobei der kommerzielle Betrieb nicht vor Juli 2033 beginnen soll, gefolgt von der vollständigen Anlage im Dezember 2034. Dieser Zeitplan veranlasste den TD Cowen Analysten Marc Bianchi zu einer Herabstufung der NuScale Power Aktie, was zu einem jüngsten Ausverkauf führte. Ähnliche langwierige Prozesse werden auch für das TVA-Abkommen erwartet, bevor NuScale nennenswerte Erträge erzielen kann.
Finanzielle Realität und Bewertung
Die Aktie von NuScale Power ist mit einer Marktkapitalisierung von 4,3 Milliarden US-Dollar als recht teuer einzuschätzen. Dies steht im Kontrast zu den Umsatzerlösen der letzten zwölf Monate von lediglich 64 Millionen US-Dollar, die aus Design- und Ingenieurarbeiten stammen. Bislang gibt es keine kommerziell betriebenen SMR-Module am Horizont.
Das Unternehmen verbrennt derzeit Barmittel und weist Verluste aus. Im dritten Quartal 2025 betrug der Umsatz 8,2 Millionen US-Dollar, während 128,5 Millionen US-Dollar an ENTRA1 als Teil einer Meilensteinvereinbarung gezahlt wurden. Die Unternehmensführung gab an, dass die Gesamtzahlungen für alle sechs TVA-Projekte mehrere Milliarden US-Dollar erreichen könnten, bevor NuScale Power erste Ausrüstungsbestellungen erhält. Die Aktie wird zum aktuellen Preis mit mehr als dem 70-fachen des Umsatzes gehandelt, was nach konventionellen Maßstäben als teuer gilt.
Ausblick und Investoren-Überlegungen
Der globale Markt für kleine modulare Reaktoren wird laut Spherical Insights bis 2035 voraussichtlich auf 8,2 Milliarden US-Dollar anwachsen. Fortune Business Insights prognostiziert ein Wachstum von 5,96 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 8,77 Milliarden US-Dollar im Jahr 2034, mit einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von etwa 4,59 %. NuScale Power ist gut positioniert, um von diesem Wachstum zu profitieren, da seine Technologie zur Deckung des steigenden Bedarfs an sicherer, zuverlässiger und kohlenstofffreier Kernenergie beitragen kann.
Allerdings sind die Projektzeitpläne lang, und bedeutsame Einnahmen werden erst in einigen Jahren erwartet, wobei das erste Kraftwerk um 2030 in Betrieb gehen soll. Das TVA-Abkommen ist zudem noch keine bindende Stromabnahmevereinbarung (PPA), und Verzögerungen könnten Aufträge und Einnahmen weiter verschieben. Eine Investition in NuScale Power ist daher eher für Anleger geeignet, die eine hohe Volatilität verkraften können und an das langfristige Potenzial des Unternehmens glauben, seine Designs in reale Projekte umzusetzen. Für Anleger, die ein Engagement in der Kernenergie wünschen, aber das Risiko nicht auf einen einzigen Namen konzentrieren möchten, könnten Kernenergie-ETFs eine Alternative darstellen.