
Ölpreise 2026: Geopolitische Spannungen treffen auf globales Überangebot
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Die Rohölpreise verzeichneten im Januar 2026 einen deutlichen Anstieg, beeinflusst durch Versorgungsengpässe und geopolitische Spannungen. Obwohl der Brent-Preis kurzzeitig nachgab, stabilisierte er sich um 70 US-Dollar pro Barrel. Der Ölmarkt bleibt jedoch von einem anhaltenden Überangebot und steigenden Lagerbeständen geprägt, was die zukünftige Preisentwicklung zu einer komplexen Herausforderung macht.
Aktuelle Preisentwicklung und geopolitische Einflüsse
Die Benchmark-Rohölpreise stiegen im Januar um 10 US-Dollar pro Barrel. Dies war eine direkte Folge von Versorgungsunterbrechungen und erhöhten geopolitischen Spannungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten. Obwohl die Preise Anfang Februar leicht nachgaben, erholten sie sich schnell, nachdem die USA Schiffe angewiesen hatten, die iranischen Gewässer in der Straße von Hormus zu meiden.
Aktuell notieren ICE Brent Futures um 70 US-Dollar pro Barrel. Analysten schätzen, dass die jüngsten US-Seewarnungen in der Region der Straße von Hormus eine Risikoprämie von etwa 4 US-Dollar pro Barrel hinzugefügt haben. Diese Spannungen im Nahen Osten stützen die Rohölpreise kurzfristig.
Globale Ölversorgung: Engpässe und Erholung
Im Januar kam es zu einem außergewöhnlichen Rückgang der globalen Ölproduktion um über 1 Million Barrel pro Tag (mb/d). Extreme Winterwetterbedingungen führten zu Produktionsausfällen in Nordamerika. Zudem wurden die anhaltenden Störungen an Kasachstans wichtigstem Exportterminal seit November durch einen Stromausfall im größten Ölfeld des Landes verschärft.
Auch die russische Ölversorgung sank im Januar erheblich um 350 Kilobarrel pro Tag (kb/d). Dies war eine Folge des erhöhten Drucks aus Washington und der erweiterten EU-Sanktionen auf wichtige Abnehmer. Die Lieferungen nach Indien fielen auf 1,1 mb/d, den niedrigsten Stand seit November 2022, während die russischen Rohöllieferungen nach China ein Allzeithoch erreichten.
Die venezolanische Rohölproduktion sank im Januar um 210 kb/d auf 780 kb/d. Es wird jedoch erwartet, dass die Produktion wieder ansteigt, nachdem Washington US-Unternehmen den Export von venezolanischem Öl genehmigt hat. Insgesamt wird die globale Ölversorgung im Jahr 2026 voraussichtlich um 2,4 mb/d steigen, wobei das Wachstum gleichmäßig zwischen Nicht-OPEC+- und OPEC+-Ländern aufgeteilt wird.
OPEC+ Strategie und Produktionsaussichten
Die Organisation der erdölexportierenden Länder und ihre Verbündeten (OPEC+) haben ihren Plan bestätigt, die aktuellen Produktionsquoten bis März beizubehalten. Die Gruppe hält die Produktion im ersten Quartal 2026 stabil, nachdem sie seit April 2025 bereits 2,9 mb/d hinzugefügt hatte. Acht Kernproduzenten, darunter Saudi-Arabien und Russland, bestätigten diese Entscheidung im Januar.
Diese Produktionsbegrenzung soll die Preise stützen. Die OPEC+ produziert jedoch weiterhin unter ihrer vollen Kapazität. Die überschüssige Kapazität könnte bis Ende des Jahres auf etwa 2,4 mb/d sinken, falls die Sanktionen bestehen bleiben. Sollte die OPEC+ ihre freiwilligen Kürzungen von 1,65 mb/d früher als erwartet zurücknehmen, könnte dies das Marktüberangebot schnell vergrößern und die Preise unter Druck setzen.
Entwicklung der globalen Ölnachfrage
Das Wachstum der weltweiten Ölnachfrage für 2026 wurde moderat auf 850 kb/d nach unten korrigiert. Wirtschaftliche Unsicherheiten und höhere Ölpreise belasten den Verbrauch. Wie bereits im Jahr 2025 entfallen die gesamten Zuwächse auf Nicht-OECD-Regionen.
China bleibt der größte Wachstumstreiber mit rund 200 kb/d in beiden Jahren, obwohl dies deutlich unter dem durchschnittlichen Wachstum des letzten Jahrzehnts liegt. Das jährliche Nachfragewachstum bleibt mit fast 1 Million Barrel pro Tag weiterhin gesund.
Steigende Lagerbestände und Marktstimmung
Die beobachteten Öllagerbestände stiegen im Dezember um weitere 37 Millionen Barrel (mb). Dies führte zu einem außergewöhnlichen globalen Lageraufbau von 477 mb im Jahr 2025, was durchschnittlich 1,3 mb/d entspricht – ein Niveau, das seit 2020 nicht mehr erreicht wurde. Chinesische Rohöllagerbestände erhöhten sich im letzten Jahr um 111 mb, während das auf See gelagerte Öl um 248 mb anstieg, wovon 72 % auf sanktioniertes Öl entfielen.
Die Lagerbestände wuchsen auch Anfang 2026 weiter an, wenn auch weniger stark als erwartet, was teilweise auf die Versorgungsengpässe zurückzuführen ist. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert für das erste Quartal 2026 einen Überschuss von 4,25 mb/d, was etwa 4 % der globalen Nachfrage entspricht.
Auf der jährlichen International Energy Week in London überwogen die "Bären" die "Bullen" in der Diskussion über die Marktrichtung. Während die "Bären" auf das Überangebot und die steigenden Lagerbestände hinweisen, argumentieren die "Bullen", dass ein Großteil der aktuellen Lagerbestände in Chinas strategischen Reserven und in sanktionierten Fässern aus Russland und dem Iran gebunden ist, die dem breiteren Markt nicht ohne Weiteres zur Verfügung stehen. Russell Hardy, Leiter der Vitol Group, bemerkte, dass Russland etwa 40 Millionen Barrel auf Tankern geladen hat, die keinen Käufer finden und "einfach auf hoher See sitzen".
Ausblick auf die Rohölpreise 2026
Die meisten Prognosen deuten darauf hin, dass der Markt in eine Phase schwächerer Preise eintreten könnte, da die globale Versorgung weiter zunimmt. Analysten warnen, dass die wachsende Produktion aus Nicht-OPEC-Ländern die Durchschnittspreise im Jahr 2026 in den mittleren 50-Dollar-Bereich drücken könnte. Gleichzeitig könnte jede größere Versorgungsunterbrechung diese Aussicht schnell umkehren und die Preise stark ansteigen lassen.
Es gibt somit sowohl klare Argumente für niedrigere als auch für höhere Preise im Jahr 2026. Der Ölmarkt zeigte bereits im letzten Jahr Anzeichen von Belastung, und seitdem sind die Lagerbestände weiter gewachsen, während Versorgungsrisiken aktiv bleiben. Eric Nuttall wies darauf hin, dass 2026 der Höhepunkt der Nicht-OPEC-Versorgung erwartet wird, während die Nachfrage bis 2050 wachsen soll und die OPEC nur etwa 1,4 mb/d überschüssige Kapazität besitzt.