Ölpreise explodieren: Hormus-Straße im Fokus der Nahost-Krise

Ölpreise explodieren: Hormus-Straße im Fokus der Nahost-Krise

Aktualisiert:
5 Min. Lesezeit
AI-Generated
Human-verified
Teilen:

Keine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken

Die globalen Energiemärkte reagieren mit einem deutlichen Preisanstieg auf die jüngsten militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten. Nach US-israelischen Angriffen auf den Iran und dessen verstärkten Vergeltungsmaßnahmen in der Region ist die strategisch wichtige Straße von Hormus in den Fokus gerückt, was den internationalen Tankerverkehr massiv beeinträchtigt.

Ölpreise schießen in die Höhe: Eine Reaktion auf die Eskalation im Nahen Osten

Die Brent-Rohölpreise sind am Sonntag im außerbörslichen Handel um 10 Prozent auf rund 80 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Bereits am Freitag hatte der globale Referenzwert ein Siebenmonatshoch von 73 US-Dollar pro Barrel erreicht, da die Spannungen in den Tagen vor den ersten Luftangriffen am Samstagmorgen zunahmen. Marktexperten warnen, dass die Preise bei anhaltenden Störungen der kritischen Schifffahrtsroute 100 US-Dollar pro Barrel erreichen könnten.

Der Iran pumpte im vergangenen Jahr 4,7 Millionen Barrel pro Tag, was 4,4 Prozent der weltweiten Ölversorgung ausmachte. Ein Großteil dieser stark sanktionierten Lieferungen geht über eine sogenannte Schattenflotte nach China. Unterdessen einigte sich die OPEC+-Allianz darauf, die Ölproduktion im April um 206.000 Barrel pro Tag zu steigern, was jedoch weniger als 0,2 Prozent der weltweiten Ölnachfrage ausmacht und angesichts begrenzter Ersatzkapazitäten der meisten Kartellmitglieder, die hauptsächlich in Saudi-Arabien liegen, als bescheiden gilt.

Die strategische Bedeutung der Straße von Hormus

Die Straße von Hormus, gelegen zwischen dem Iran auf der einen Seite und Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf der anderen, ist eine der wichtigsten maritimen Routen der Welt. Sie verbindet den Arabischen/Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer und dient als einzige Seepassage für die meisten Ölexporte aus der Golfregion. An ihrer engsten Stelle ist die Meerenge etwa 33 Kilometer breit, wobei die Schifffahrtswege in jede Richtung nur etwa 3 Kilometer messen, was sie besonders anfällig für Angriffe macht.

Durch diese Wasserstraße passieren etwa 20 bis 30 Prozent der weltweiten Öl- und Gaslieferungen. Laut der US Energy Information Administration (EIA) wurden im Jahr 2024 täglich rund 20 Millionen Barrel Öl durch die Straße von Hormus transportiert, was einem jährlichen globalen Energiehandel von etwa 500 Milliarden US-Dollar entspricht. Rohöl aus dem Iran, Irak, Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und den VAE wird über diese Route verschifft. Zudem spielt die Straße eine entscheidende Rolle im Handel mit Flüssigerdgas (LNG): Etwa ein Fünftel der weltweiten LNG-Lieferungen, größtenteils aus Katar, bewegt sich durch diesen Korridor.

Ein Großteil des durch die Straße von Hormus fließenden Öls und Gases ist für Asien bestimmt. Im Jahr 2024 gingen schätzungsweise 84 Prozent der Rohöl- und Kondensatlieferungen, die die Meerenge passierten, an asiatische Märkte. Länder wie China, Indien, Japan und Südkorea sind stark von diesen Energieimporten abhängig. Die Straße unterstützt auch Importe in Golfstaaten wie Kuwait und die VAE, die Lieferungen aus den Vereinigten Staaten und Westafrika erhalten.

Tankerverkehr zum Erliegen gekommen: Vorsichtsmaßnahmen und Warnungen

Obwohl der Iran bisher keine Schritte zur Schließung der Straße von Hormus unternommen hat, wie etwa das Platzieren von Unterwasserminen, meiden Schiffe die Wasserstraße. Hunderte von Tankern, die Öl und Flüssigerdgas transportieren, haben Anker geworfen oder bleiben in der Nähe der Straße von Hormus stationär. Tankerbesitzer, Ölkonzerne und Handelshäuser haben die Lieferungen durch die Meerenge am Samstag vorsorglich eingestellt. Ein Top-Manager eines großen Handelshauses erklärte gegenüber Reuters: "Unsere Schiffe bleiben mehrere Tage liegen."

Das griechische Schifffahrtsministerium hat Schiffen geraten, den Persischen Golf, den Golf von Oman und die Straße von Hormus zu meiden. Der Schifffahrtsriese Maersk hat angekündigt, alle Schiffspassagen durch die Meerenge bis auf Weiteres auszusetzen. Berichten zufolge haben die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) Schiffe gewarnt, dass die Passage in der Meerenge nicht erlaubt sei, und mindestens zwei Schiffe wurden in der Nähe der Wasserstraße getroffen, wobei die Quelle der Angriffe unklar blieb. Der iranische Außenminister erklärte am Sonntag, das Land habe "derzeit keine Absicht, die Straße von Hormus zu schließen, noch Pläne, die Navigation darin in dieser Phase zu stören."

Potenzielle Auswirkungen auf globale Märkte und Verbraucher

Analysten warnen, dass jede längere Störung in der Straße von Hormus die Rohölpreise in die Höhe treiben und weitreichende wirtschaftliche Schocks weltweit auslösen könnte. Ajay Parmar, Direktor für Energie und Raffinerie bei ICIS, erklärte, dass die Schließung der Straße von Hormus der Schlüsselfaktor für die Marktvolatilität sei. Analysten der Royal Bank of Canada und Barclays haben ähnliche Vorhersagen gemacht und warnen, dass Ölpreise über 100 US-Dollar pro Barrel eine "klare und gegenwärtige Gefahr" darstellen.

Jorge Leon, Energieökonom bei Rystad, wies darauf hin, dass selbst mit alternativen Infrastrukturen wie Pipelines durch Saudi-Arabien und Abu Dhabi eine Schließung der Wasserstraße immer noch 8 bis 10 Millionen Barrel pro Tag aus der globalen Rohölversorgung eliminieren würde. Rystads Analyse prognostiziert einen Anstieg der Ölpreise um 20 US-Dollar auf etwa 92 US-Dollar pro Barrel, sobald der Handel wieder aufgenommen wird.

Ein plötzlicher Versorgungsengpass würde die Kraftstoffpreise erhöhen, die Produktionskosten steigern und das Wirtschaftswachstum verlangsamen. Die sich entwickelnde Krise hat Regierungen und Ölraffinerien in ganz Asien dazu veranlasst, ihre Erdölreserven zu bewerten und alternative Schifffahrtsrouten sowie Versorgungsquellen zu prüfen. Da Schiffe auch Chemikalien und Düngemittel transportieren, könnten Störungen auch die Landwirtschaft und die globalen Lebensmittelpreise beeinflussen. Globale Investoren werden voraussichtlich sichere Häfen wie Gold und Silber suchen, deren Preise bereits gestiegen sind.