
Ölpreise explodieren: Iran-Konflikt treibt Märkte in historische Volatilität
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Die globalen Finanzmärkte erlebten im März 2026 eine beispiellose Volatilität, da der eskalierende Konflikt im Nahen Osten die Ölpreise auf historische Höchststände trieb. Die Angst vor weitreichenden Versorgungsengpässen und die unsichere geopolitische Lage führten zu massiven Umschichtungen von Kapital und einem breiten Ausverkauf an den Aktienmärkten.
Historischer Ölpreisanstieg im März
Die Rohölpreise verzeichneten im März 2026 einen dramatischen Anstieg. US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) für die Mai-Lieferung stieg um 1,5 % auf 102,92 Dollar pro Barrel, nachdem die Preise im März um rund 51 % gestiegen waren – der beste Monat für WTI seit Mai 2020. Der Brent-Kontrakt für die Juni-Lieferung legte um 1,5 % auf 105,56 Dollar pro Barrel zu. Im März stiegen die Brent-Preise um mehr als 60 % und verzeichneten damit die stärkste monatliche Rallye seit 1988. Der Mai-Kontrakt schloss am Dienstag bei etwa 118,35 Dollar pro Barrel.
Laut LSEG-Daten stieg Brent-Rohöl seit Anfang März um 51 % und übertraf damit den bisherigen Monatsrekord von 46 % im September 1990, als Saddam Hussein in Kuwait einmarschierte. Brent schloss am Freitag bei 112,57 Dollar pro Barrel, gegenüber 72,48 Dollar am 27. Februar, dem Tag vor Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran. Im März erreichte Brent mit 119,50 Dollar pro Barrel den höchsten Stand seit Juni 2022.
Trotz der koordinierten Freigabe von 400 Millionen Barrel Öl aus Notreserven, die am 11. März angekündigt wurde, kletterten die Ölpreise den ganzen Monat über. Analysten von BloombergNEF schätzen, dass der Nahostkonflikt die globale Ölversorgung um 9 Millionen Barrel pro Tag reduziert hat.
Eskalation im Persischen Golf und die Straße von Hormus
Die Spannungen im Persischen Golf haben sich weiter verschärft. Iranische Drohnen griffen am Mittwoch Treibstofftanks am internationalen Flughafen von Kuwait an, was zu einem massiven Brand und Schäden führte, wie kuwaitische Medien unter Berufung auf die Zivilluftfahrtbehörde berichteten.
Die Straße von Hormus, eine kritische Wasserstraße, die den Persischen Golf und den Golf von Oman verbindet und vor Kriegsbeginn typischerweise 20 % der weltweiten Ölströme abwickelte, bleibt weitgehend geschlossen. Der Iran hat die Lieferungen durch diese Engstelle, die als der weltweit wichtigste Öltransitpunkt gilt, effektiv eingestellt. Die US-israelische Kampagne gegen den Iran, die am 28. Februar begann, hat eine schwere Störung der Energieversorgung ausgelöst.
Die militärischen Feindseligkeiten dauerten an: Die iranischen Revolutionsgarden kündigten an, ab Mittwoch US-Unternehmen in der Region anzugreifen. Eine Liste umfasste 18 Unternehmen, darunter Google, Microsoft, Apple, Intel, IBM, Tesla und Boeing.
Trumps Signale und Irans Reaktionen
US-Präsident Donald Trump signalisierte am Dienstagabend, dass er einen Abzug der US-Militärkräfte aus dem Iran in "zwei oder drei Wochen" erwarte und schien den Sieg zu erklären. "Wir gehen, weil es keinen Grund für uns gibt, dies zu tun", sagte Trump Reportern im Weißen Haus. "Wir werden sehr bald gehen."
Trump wies auch die Idee eines Verhandlungsabkommens zur Beendigung des Krieges zurück und sagte, "der Iran muss kein Abkommen schließen... es ist ein neues Regime. Sie sind viel zugänglicher." Er behauptete auch, den Iran daran gehindert zu haben, eine Atomwaffe zu erlangen. Später am Tag kündigte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, auf X an, dass Trump am Mittwoch um 21 Uhr ET eine nationale Ansprache halten werde, um ein "wichtiges Update" zum Iran zu geben.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi erklärte am Dienstag gegenüber Al Jazeera, dass Nachrichten mit den USA ausgetauscht worden seien, direkt oder über Länder in der Region, diese aber keine "Verhandlungen" darstellten. "Ich erhalte Nachrichten von [US-Sondergesandten] Witkoff direkt, wie zuvor, und das bedeutet nicht, dass wir in Verhandlungen sind", sagte er.
Expertenmeinung: Michael Feller, Mitbegründer des Think-Tanks Geopolitical Strategy, kommentierte: "Trump steckt fest. Jetzt zu gehen, wäre ein Eingeständnis der Niederlage." Er fügte hinzu, dass die Zerstörung ziviler Infrastruktur, wie Trump sie Anfang der Woche angedroht hatte, "keinen Unterschied machen würde, außer die Ölpreise weiter in die Höhe zu treiben."
Globale Marktreaktionen und Sektorrotation
Die Ölpreise waren im März das leistungsstärkste Asset in einem volatilen Monat für die Märkte, in dem Aktien, Staatsanleihen und Edelmetalle fielen. Die dramatische Preisexplosion löste eine fundamentale Neuausrichtung an den globalen Aktienmärkten aus. Investoren schichteten aggressiv Kapital von zinssensiblen Technologieaktien in Energieproduzenten und defensive Versorgungssektoren um.
Der Dow Jones Industrial Average rutschte Ende letzter Woche in eine Korrektur und lag mehr als 10 % unter seinem Rekordhoch. Die Verluste an der Wall Street spiegelten die Befürchtung der Anleger wider, dass es zu anhaltenden Ölversorgungsstörungen aus dem Golf kommen könnte.
Expertenmeinung: Fawad Razaqzada, Analyst bei City Index, bemerkte: "Die Märkte scheinen weniger Gewicht auf das 'Jawboning' des Weißen Hauses zu legen und sich mehr auf die zugrunde liegenden Versorgungsrisiken zu konzentrieren."
Asiatische Aktienmärkte trugen die Hauptlast des Ausverkaufs. Der breiteste MSCI-Index für Asien-Pazifik-Aktien außerhalb Japans steuerte auf seinen stärksten monatlichen Rückgang seit dem pandemiebedingten Crash im März 2020 zu und fiel um über 12 %. Japans Nikkei verlor fast 13 %, während Südkoreas Kospi um mehr als 17 % abstürzte – die schlechteste Monatsperformance seit der Finanzkrise 2008.
Gold und Anleihen unter Druck
Gold konnte seinem Ruf als sicherer Hafen gegen Inflation nicht gerecht werden. Der Spotpreis für Gold ist seit Anfang März um fast 15 % gefallen und steuert auf seinen schlechtesten Monat seit 2008 und den fünftgrößten monatlichen Rückgang der letzten 50 Jahre zu. Einige Investoren könnten gezwungen gewesen sein, Gold zu verkaufen, um Verluste oder Nachschussforderungen auf andere Positionen am Markt zu decken.
Auch die Anleihenmärkte wurden stark getroffen, da Anleger die Erwartungen an Zinssenkungen schnell zurückschraubten. Die US-Notenbank wird nun voraussichtlich die Zinsen für den Rest des Jahres beibehalten, eine deutliche Umkehrung gegenüber den über 50 Basispunkten an Lockerungen, die vor Beginn des Konflikts eingepreist waren. Die Renditen der US-Staatsanleihen spiegelten diese restriktivere Haltung wider. Die Rendite der zweijährigen Anleihe steuerte auf ihren größten monatlichen Anstieg seit Oktober 2024 zu und stieg um mehr als 40 Basispunkte. Der US-Dollar etablierte sich als dominierender sicherer Hafen.