Ölpreise steigen: Hormus-Blockade und US-Iran-Verhandlungen treiben Märkte an

Ölpreise steigen: Hormus-Blockade und US-Iran-Verhandlungen treiben Märkte an

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Die Ölpreise verzeichneten am Dienstag einen Anstieg, während Investoren die jüngsten Signale aus den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran analysierten. Die anhaltende Unsicherheit über eine mögliche Deeskalation hält die Märkte in Atem und beeinflusst die globalen Rohölpreise.

Verhandlungen und Teherans Vorschlag

Die höheren Preise sind eine Reaktion auf die Diskussionen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem nationalen Sicherheitsteam über einen Vorschlag Teherans. Dieser sieht die Wiedereröffnung der Straße von Hormus vor, unter der Bedingung, dass Washington seine Blockade aufhebt und die Feindseligkeiten beendet. Dies bestätigte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt.

Es bleibt jedoch unklar, ob Präsident Trump, der Sanktionserleichterungen erst nach einem "100% abgeschlossenen" Abkommen in Aussicht gestellt hat, diesen Vorschlag als Weg zur Deeskalation in dem zweimonatigen Konflikt in Betracht ziehen wird. Trump und sein Team haben Skepsis gegenüber dem iranischen Vorschlag geäußert, auch bezüglich der Diskussion über nukleare Aktivitäten.

Auswirkungen der Hormus-Blockade

Der Energiefluss durch die Straße von Hormus, die etwa ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssigerdgases transportiert, ist weiterhin stark gestört. Laut Andy Lipow, Präsident von Lipow Oil Associates, sind täglich etwa 20 Millionen Barrel Rohöl, Kraftstoffe und Petrochemikalien betroffen. Vor dem Krieg zwischen den USA und Israel im späten Februar verzeichnete die Wasserstraße durchschnittlich 129 tägliche Transitfahrten, während am Samstag nur 19 kommerzielle Schiffe die Meerenge passierten.

Selbst bei einem sofortigen Ende der Feindseligkeiten würde eine Rückkehr zu normalen Marktbedingungen Monate dauern. Lipow nennt hierfür die Notwendigkeit, Minen zu räumen, Tankerstaus abzubauen und die Produktion sowie Raffineriekapazitäten schrittweise wieder hochzufahren. Er schätzt, dass es mindestens vier bis sechs Monate dauern würde, bis sich die Ölmärkte stabilisieren, wobei die Preise in der Zwischenzeit voraussichtlich erhöht bleiben, da die Lagerbestände kritische Niveaus erreichen.

Goldman Sachs korrigiert Ölpreisprognosen nach oben

Präsident Donald Trump hatte den jüngsten Ölschock als "kleinen Ausflug" bezeichnet und prognostiziert, dass die Preise schnell sinken würden, sobald der Konflikt im Iran beigelegt sei. Doch je länger die Straße von Hormus geschlossen bleibt, desto schwieriger ist diese Annahme zu verteidigen.

Goldman Sachs hat seine Prognosen für die Ölpreise erneut angehoben. In einer Notiz vom 26. April erhöhte der Rohstoffanalyst Daan Struyven die Brent-Prognose für das vierte Quartal 2026 von 80 auf 90 US-Dollar und die West Texas Intermediate (WTI)-Prognose von 75 auf 83 US-Dollar. Dies ist die vierte Aufwärtskorrektur seit Kriegsbeginn am 27. Februar 2026, wobei jede Revision an eine länger angenommene Hormus-Störung gekoppelt ist.

Gründe für die Preisanpassung und Risikobewertung

Die Revisionen spiegeln eine langsamere Erholung der Produktion im Persischen Golf und eine verzögerte Normalisierung der Exporte wider, die nun für Ende Juni statt Mitte Mai erwartet wird. Die Analysten hoben auch die Schätzungen für 2027 auf 85 US-Dollar für Brent und 80 US-Dollar für WTI an. Das Goldman-Team betonte, dass die wirtschaftlichen Risiken größer seien als die Rohöl-Basisfälle allein vermuten ließen, aufgrund der Aufwärtsrisiken für die Ölpreise, ungewöhnlich hoher Raffinerieproduktpreise, Produktknappheitsrisiken und des beispiellosen Ausmaßes des Schocks.

Die Zahlen hinter der Aufwertung sind extrem: Die globalen Öllagerbestände im April sinken um 11-12 Millionen Barrel pro Tag (mb/d), das schnellste Tempo seit Beginn der Satellitenverfolgung. Die Rohölproduktion im Golf ist von 26,4 mb/d vor dem Krieg auf 11,9 mb/d eingebrochen, ein Rückgang von 14,5 mb/d. Goldman Sachs sieht den Markt von einem Überschuss von 1,8 mb/d im Jahr 2025 zu einem Defizit von 9,6 mb/d im zweiten Quartal 2026 umschlagen.

Szenarien und Markterwartungen

Goldman Sachs skizziert drei Schlüsselszenarien für Brent Ende 2026:

  • Basisszenario: 90 US-Dollar pro Barrel
  • Ungünstiges Szenario: Knapp über 100 US-Dollar, wenn die Exporte bis Ende Juli normalisiert werden
  • Schwerwiegendes Szenario: Knapp 120 US-Dollar bei tieferen Kapazitätsverlusten

Die Bank warnt, dass die Lagerbestände auf die niedrigsten Stände seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2018 fallen könnten, was das Risiko scharfer, nicht-linearer Preisspitzen erhöht. Goldman schließt auch US-Ölexportbeschränkungen nicht aus, falls die Straße länger effektiv geschlossen bleibt, was die US- und globale Rohöl- und Produktproduktion reduzieren und die Preisdifferenz zwischen internationalen und US-Preisen vergrößern könnte.

Händlerskepsis und Ausblick

Die Skepsis von Präsident Trump und seinem nationalen Sicherheitsteam gegenüber dem iranischen Vorschlag spiegelt sich auch in den Märkten wider. Die Wahrscheinlichkeit, dass WTI-Rohöl bis zum 30. April ein Allzeithoch erreicht, liegt bei nur 1 % "JA". Die Wahrscheinlichkeit, dass Trump die Aufhebung der Hormus-Blockade bis zum 31. Mai ankündigt, sank von 72 % auf 58,5 % "JA" innerhalb von 24 Stunden, da Händler Trumps harte Haltung neu bewerten.

Trumps Beharren auf nuklearen Zugeständnissen als Teil eines jeden Abkommens hält die Blockade als Druckmittel aufrecht und stützt die hohen Ölpreise. Ohne neue Verhandlungen wird der WTI-Rohölpreis laut Lipow auf 100 US-Dollar und Brent-Rohöl auf über 110 US-Dollar steigen. Wichtige Signale, die es zu beobachten gilt, sind Verschiebungen in Trumps Rhetorik, potenzielle Ankündigungen militärischer Aktionen oder Sanktionen sowie Entscheidungen der OPEC+ bezüglich Produktionskürzungen.

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