
Ölpreise steigen: Iran-Konflikt und Hormusstraße treiben globale Versorgungssorgen an
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Die Rohölpreise verzeichnen erneut deutliche Wochengewinne, angetrieben durch eine sich verschärfende Angebotskrise und die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten. Insbesondere der Konflikt zwischen den USA und Iran sowie die daraus resultierenden Störungen in der strategisch wichtigen Hormusstraße belasten die globalen Ölmärkte erheblich. Eine schnelle Entspannung der Lage scheint derzeit unwahrscheinlich.
Ölpreise im Aufwind: Brent und WTI legen zu
Die Rohölpreise sind auf dem Weg zu einem weiteren starken Wochengewinn, auch wenn sie von den am Donnerstag erreichten Höchstständen leicht zurückgegangen sind. Zuletzt notierte Brent-Rohöl bei 112,10 Dollar pro Barrel, während West Texas Intermediate (WTI) bei 106,30 Dollar gehandelt wurde. Am Donnerstag erreichte Brent kurzzeitig über 126 Dollar pro Barrel und hielt sich während des Handelstages um 125 Dollar.
Bereits am Mittwoch stiegen die Preise deutlich: Brent-Futures für Juni kletterten um 6,4 Prozent auf 118,33 Dollar pro Barrel, den höchsten Stand seit dem 31. März. US-WTI-Futures für Juni legten um 6,3 Prozent auf 105,19 Dollar pro Barrel zu, den höchsten Stand seit dem 13. April. Seit dem Ausbruch des Krieges Ende Februar ist der Preis für Brent-Rohöl um mehr als 40 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung wird maßgeblich durch die anhaltende Unsicherheit in der Hormusstraße und die festgefahrenen Gespräche zwischen den USA und Iran befeuert.
Der Iran-Konflikt verschärft die Lage
Die jüngsten Nachrichten aus dem Nahen Osten lassen keine schnelle Umkehr der Preisentwicklung erwarten. Berichten zufolge wurde US-Präsident Trump am Donnerstag über die Option weiterer Militärschläge gegen Iran informiert. Gleichzeitig warnte ein hochrangiger Vertreter der iranischen Revolutionsgarden vor "langen und schmerzhaften Schlägen" gegen die USA als Vergeltung für deren Angriffe.
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, äußerte sich am Donnerstag skeptisch über schnelle Friedensaussichten. Er hielt es für "nicht sehr realistisch", in kurzer Zeit Ergebnisse zu erwarten, unabhängig vom Vermittler. Die Nachrichtenagentur Axios beschrieb die Situation zwischen den USA/Israel und Iran als eine Phase, die der "Ära des Kalten Krieges" ähnelt, mit einem "Stillstand" und keinem Ende des Konflikts in Sicht.
Die kritische Rolle der Hormusstraße
Die anhaltende Unsicherheit in der Hormusstraße ist ein zentraler Treiber der steigenden Ölpreise. Die Vereinten Nationen berichteten, dass die Schiffstransits durch die Straße von Hormus seit Beginn des Krieges zwischen den USA/Israel und Iran aufgrund von Beschränkungen um 95,3 Prozent zurückgegangen sind. Die Schließung der Meerenge für den Schiffsverkehr seit über acht Wochen hat die Versorgungsängste auf den Märkten verstärkt und die Erwartung einer anhaltenden Krise gestärkt.
US-Präsident Donald Trump behauptete in einem Social-Media-Beitrag, die iranische Regierung habe Washington gebeten, die Blockade in der Straße aufzuheben, und Teheran habe ihn informiert, dass "das System in Iran am Rande des Zusammenbruchs steht". Trotzdem wurden innerhalb von 72 Stunden 52 iranische Schiffe gemeldet, die die US-Blockadelinie überquerten. Die ING-Rohstoffanalysten sehen nach dem Scheitern der Gespräche und Trumps Ablehnung eines iranischen Vorschlags zur Wiedereröffnung der Straße die Hoffnung auf eine schnelle Wiederaufnahme der Ölflüsse schwinden.
Angebotsverknappung übertrifft Nachfragezerstörung
Der Krieg und der daraus resultierende Preisanstieg bei Rohöl haben zwar zu einer Nachfragezerstörung von schätzungsweise 1,6 Millionen Barrel pro Tag geführt. Diese Zahl liegt jedoch deutlich unter dem geschätzten Angebotsverlust. Neue Daten von Vortexa zeigen einen Nettoverlust von 9 Millionen Barrel pro Tag.
Die Öllagerbestände sind ebenfalls stark rückläufig, da Länder auf ihre Reserven zurückgreifen, um Versorgungsengpässe zu überbrücken. In den USA fielen die Rohölbestände in der vergangenen Woche um über 6 Millionen Barrel, während Analysten lediglich einen Rückgang von etwas mehr als 200.000 Barrel erwartet hatten. Dies deutet auf eine zunehmende Verknappung des Angebots hin.
Diplomatischer Stillstand und Eskalationsrisiken
Die diplomatischen Bemühungen zur Beilegung des Konflikts zwischen den USA und Iran sind ins Stocken geraten. Präsident Trump kündigte Verhandlungen in Islamabad an und drohte gleichzeitig mit der Zerstörung iranischer Kraftwerke und Brücken, falls kein "sehr fairer und vernünftiger DEAL" angenommen werde. Iran lehnte jedoch Stunden später eine Teilnahme an der zweiten Verhandlungsrunde ab.
Die offizielle iranische Nachrichtenagentur IRNA begründete die Absage mit "exzessiven Forderungen Washingtons, unrealistischen Erwartungen, ständigen Positionswechseln, wiederholten Widersprüchen und der anhaltenden Seeblockade", die als Bruch des Waffenstillstands angesehen werde. Ein Sprecher der iranischen Armee betonte, dass trotz eines Waffenstillstands die Kriegsbedingungen für Teheran weiterhin gelten, da man den USA nicht vertraue.
Experten warnen vor anhaltenden Störungen
Ein Beamter des Weißen Hauses erklärte am Mittwoch, Präsident Trump habe US-Ölkonzerne nach Möglichkeiten gefragt, die Auswirkungen einer potenziell monatelangen US-Blockade iranischer Häfen abzumildern. Dies verstärkt die Befürchtung, dass die Störungen der Ölversorgung aus dem Nahen Osten länger anhalten könnten. Laut Reuters-Berechnungen sind seit Beginn des Iran-Krieges Rohöllieferungen im Wert von über 50 Milliarden Dollar verloren gegangen.
Yang An, Analyst bei Haitong Futures, kommentierte dazu: "Wenn Trump bereit ist, die Blockade auszuweiten, würden sich die Versorgungsstörungen weiter verschlimmern und die Ölpreise weiter in die Höhe treiben." Auch die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) hat Kunden darüber informiert, dass sie im nächsten Monat zwei Rohölsorten außerhalb des Golfs verladen könnten, da die Hormusstraße weiterhin geschlossen bleibt.