Ölpreise und FTSE 100: Nahost-Konflikt treibt Märkte, BoE im Fokus

Ölpreise und FTSE 100: Nahost-Konflikt treibt Märkte, BoE im Fokus

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Die globalen Finanzmärkte zeigen sich nach einer Woche erhöhter Volatilität weiterhin angespannt. Insbesondere der Ölmarkt steht aufgrund der anhaltenden geopolitischen Konflikte im Nahen Osten unter Druck, während der FTSE 100 trotz eines vorsichtigen Optimismus die bevorstehende Zinsentscheidung der Bank of England abwartet. Anleger navigieren durch ein komplexes Umfeld aus Angebotsrisiken, Inflationssorgen und geldpolitischen Unsicherheiten.

Ölmarkt unter Druck: Geopolitische Spannungen und Angebotsrisiken

Nach einer turbulenten letzten Woche, in der die Ölpreise ein Hoch von 120 US-Dollar pro Barrel erreichten und auf 77 US-Dollar fielen, notieren sie aktuell um 97 US-Dollar. Die anhaltenden Versorgungsrisiken im Nahen Osten, insbesondere nach einem zweiten Angriff innerhalb von drei Tagen auf einen wichtigen Hafen der Vereinigten Arabischen Emirate nahe der Straße von Hormus, halten die Preise hoch. Die Straße von Hormus bleibt faktisch geschlossen, und der frühere US-Präsident Donald Trump forderte andere Länder auf, bei der Verteidigung dieser Wasserstraße zu helfen, wo der Schiffsverkehr nahezu zum Erliegen gekommen ist.

Die Passage durch die Straße von Hormus gilt als extrem gefährlich, und die Versicherungsdeckung ist unsicher. Dies führt zu erheblichen Störungen: Nahezu 20 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) an Rohöl- und Produktexporten sind betroffen. Seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten am 28. Februar sind die Benchmark-Rohölpreise um 20 US-Dollar pro Barrel auf 92 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat eine Rekordmenge von 400 Millionen Barrel aus strategischen Reserven koordiniert, und Sanktionen gegen russisches Öl wurden für 30 Tage ausgesetzt, um die Märkte zu stabilisieren.

Trotz dieser Maßnahmen bleiben die Ölpreise stark von Schlagzeilen getrieben. Eine Eskalation der Spannungen im Nahen Osten könnte die Preise weiter in die Höhe treiben, zumal die globalen Lagerbestände kritische Niveaus erreichen. Umgekehrt könnte eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus oder eine Entspannung der Beziehungen zwischen den USA und dem Iran zu einer weiteren Preissenkung führen. Die Rohölproduktion wurde in der Region um mindestens 8 mb/d reduziert, mit weiteren 2 mb/d an Kondensaten und NGLs, die stillgelegt wurden, insbesondere in Irak, Katar, Kuwait, den VAE und Saudi-Arabien.

Die Störungen beschränken sich nicht nur auf die vorgelagerte Produktion und Exporte; mehrere Raffinerien und Gasverarbeitungsanlagen wurden aufgrund von Angriffen oder Sicherheitsbedenken geschlossen. Die Schließung der Straße von Hormus zwingt auch exportorientierte Raffinerien, ihre Produktion zu drosseln oder ganz einzustellen, da die Produktlagertanks überfüllt sind, wobei mehr als 4 mb/d Raffineriekapazität gefährdet sind. Die globalen beobachteten Rohöl- und Produktbestände wurden zuletzt mit über 8,2 Milliarden Barrel bewertet, dem höchsten Stand seit Februar 2021.

Technische Analyse des Ölpreises

Aus technischer Sicht zeigte der Ölpreis letzte Woche einen Anstieg auf 120,00 und einen Rückgang auf 77,00, knapp über dem 200-Tage-SMA im Wochenchart. Obwohl der Preis auf 97,00 nachgibt, bleibt das Chartbild entschieden bullisch, wenngleich dies durch neue Schlagzeilen schnell ändern könnte. Unterstützung findet sich bei 87,65 (dem April-Hoch) und der runden Marke von 80,00. Auf der Oberseite stellt 100 eine klare Widerstandslinie dar; ein Anstieg über 120 würde ein höheres Hoch markieren.

FTSE 100: Zwischen Energie-Rallye und Zinsängsten

Der FTSE 100 legt am Montag leicht zu, angetrieben von Gewinnen in den Energie- und Bergbausektoren. Die allgemeine Stimmung bleibt jedoch vorsichtig, da Anleger die potenziellen Auswirkungen des Iran-Konflikts bewerten und die am Donnerstag anstehende geldpolitische Ankündigung der Bank of England (BoE) abwarten. Energieaktien profitieren von Rohölpreisen, die um 100 US-Dollar pro Barrel pendeln.

Der Bergbausektor findet Unterstützung durch robuste Wirtschaftsdaten aus China. Die Industrieproduktion Chinas stieg im kombinierten Januar-Februar-Zeitraum um 6,3% im Jahresvergleich, nach 5,2% Wachstum im Dezember und über den Erwartungen von 5,1%. Auch die chinesischen Einzelhandelsumsätze stiegen im Jahresvergleich um 2,8%, über den erwarteten 2,5% und einem Anstieg von 0,9% zuvor. Diese positiven Daten deuten auf einen soliden Jahresauftakt für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hin und stützen die Bergbauaktien im Index.

Die Aufmerksamkeit richtet sich auch auf die Zinsentscheidung der Bank of England am Donnerstag, bei der weithin erwartet wird, dass die Zentralbank die Zinsen unverändert lässt. Vor Beginn des Iran-Konflikts hatten die Märkte eine Zinssenkung um 25 Basispunkte erwartet. Diese Erwartungen wurden jedoch angesichts steigender Inflationssorgen, die aus höheren Öl- und Energiepreisen resultieren, weitgehend eingepreist. Der Markt wird nach Anzeichen suchen, dass die BoE die Zinsen in diesem Jahr anheben könnte, was sich negativ auf Aktien auswirken könnte.

Technische Analyse des FTSE 100

Nachdem der FTSE 100 auf Widerstand bei einem Rekordhoch von 10.938 stieß, prallte er ab und fiel unter die seit April bestehende Aufwärtstrendlinie und den 50-Tage-SMA. Der Preis fand Unterstützung bei 10.075 und erholte sich. Die Erholung hatte jedoch Mühe, über den 50-Tage-SMA zu steigen, was zusammen mit dem RSI unter 50 die Verkäufer auf weitere Verluste hoffen lässt. Verkäufer werden versuchen, die Unterstützungszone von 10.000 zu durchbrechen, um ein tieferes Tief zu schaffen, gefolgt von 9900 (dem November-Hoch). Darunter käme 9800 ins Spiel. Käufer müssten über den 50-Tage-SMA bei 10.365 steigen, um eine festere Basis zu haben und sich in Richtung 10.500 und 10.938 zu bewegen.

Globale Auswirkungen: Inflation und Wirtschaftswachstum

Der eskalierende Konflikt im Iran hat einen der bedeutendsten Ölpreisschocks der letzten Jahre ausgelöst. West Texas Intermediate (WTI) Rohöl stieg über Nacht auf über 119 US-Dollar pro Barrel, bevor es sich im Bereich von 86-109 US-Dollar einpendelte. Dieser dramatische Preisanstieg, der seit Beginn des Konflikts fast 78% beträgt, hat Schockwellen durch die globalen Aktienmärkte gesendet und Anleger gezwungen, ihre Portfolios angesichts erneuter Inflationssorgen neu zu bewerten. Während Energieaktien von dem Anstieg profitierten, stand der breitere Markt unter erheblichem Druck, da höhere Energiekosten die Unternehmensgewinnmargen und die Kaufkraft der Verbraucher bedrohen.

Die Auswirkungen reichen weit über den Energiesektor hinaus. Finanz- und Industriewerte führten anfängliche Rückgänge an, da Anleger die potenziellen Auswirkungen nachhaltig höherer Energiekosten auf das Wirtschaftswachstum abschätzten. Der Dow Jones Industrial Average verzeichnete seine schlechteste Woche seit der Ankündigung der Zollpolitik von Präsident Trump im April 2026, was die Anfälligkeit des Marktes für angebotsseitige Schocks unterstreicht. Gleichzeitig haben sich die Spekulationen über mögliche geldpolitische Anpassungen der US-Notenbank (Federal Reserve) intensiviert, wobei Händler nun angesichts erhöhter Inflationserwartungen nur noch eine Zinssenkung für 2026 einpreisen.

Die IEA hat ihre Prognose für das globale Ölnachfragewachstum im März und April um mehr als 1 mb/d im Durchschnitt reduziert und für das Gesamtjahr 2026 um 210 kb/d auf 640 kb/d gesenkt. Dies ist teilweise auf weit verbreitete Flugausfälle im Nahen Osten und großflächige Störungen der LPG-Versorgung zurückzuführen, die die globale Kerosinnachfrage erheblich reduziert haben. Sinkende LPG- und Naphtha-Lieferungen zwingen petrochemische Anlagen bereits dazu, ihre Polymerproduktion zu drosseln, was den Verlust von petrochemischen Strömen aus dem Golf verschärft. Auch die Verwendung von LPG zum Kochen und Heizen, insbesondere in Indien und Ostafrika, ist gefährdet.

Erwähnte Persönlichkeiten