Ölpreisschock: Iran-Krieg bedroht Trumps Steuerentlastungen

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Die jüngste Eskalation im Iran-Krieg hat die globalen Energiemärkte massiv beeinflusst, mit weitreichenden Folgen für die Weltwirtschaft. Insbesondere drohen die stark gestiegenen Ölpreise, die positiven Effekte von Präsident Donald Trumps "One Big Beautiful Bill Act" (OBBBA) – einem umfassenden Steuerentlastungspaket – zu neutralisieren.

Steigende Ölpreise bedrohen Steuerentlastungen

Vor dem Krieg am 27. Februar lag der US-Ölpreis bei 67,02 US-Dollar pro Barrel. Nach den jüngsten Entwicklungen, einschließlich erheblicher Preisschwankungen, notiert Öl nun bei 88,20 US-Dollar pro Barrel, was einem Anstieg von über 20 US-Dollar entspricht. Analyst Tavis McCourt von Raymond James schätzt, dass ein solcher Anstieg der Ölpreise die Konsumenten dazu zwingen könnte, zusätzlich 150 Milliarden US-Dollar an den Zapfsäulen auszugeben.

Diese Mehrkosten würden die individuellen Steuerkürzungen des OBBBA, die von der Tax Foundation für 2025 auf 129 Milliarden US-Dollar geschätzt werden, effektiv aufzehren. McCourt merkte an, dass, wenn der Ölpreis auf diesem Niveau bleibt, der fiskalische Nutzen des OBBBA im Wesentlichen aufgehoben wird. Stephanie Roth, Chefökonomin bei Wolfe Research, teilt diese Einschätzung, wenngleich sie davon ausgeht, dass die Ölpreise für eine nachhaltige Wirkung über längere Zeit über 100 US-Dollar bleiben müssten.

Der Hormus-Schock und seine globalen Folgen

Der Haupttreiber des Preisanstiegs ist die faktische Schließung der Straße von Hormus, einer wichtigen Wasserstraße, durch die ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wird. Dies geschah nach den US-amerikanischen und israelischen Raketenangriffen am 28. Februar, bei denen der iranische Führer Ayatollah Ali Khamenei getötet wurde. Maurice Obstfeld vom Peterson Institute for International Economics bezeichnete dies als "Albtraumszenario".

Die Ölpreise schossen von unter 70 US-Dollar pro Barrel am 27. Februar auf einen Höchststand von fast 120 US-Dollar am frühen Montag, bevor sie sich näher an 90 US-Dollar einpendelten. Die durchschnittlichen US-Benzinpreise stiegen laut AAA von knapp 3 US-Dollar auf 3,48 US-Dollar pro Gallone innerhalb einer Woche. Kristalina Georgieva, Geschäftsführerin des Internationalen Währungsfonds (IWF), warnte, dass jeder 10-prozentige Anstieg der Ölpreise die globale Inflation um 0,4 Prozentpunkte erhöhen und die weltweite Wirtschaftsleistung um bis zu 0,2 Prozent reduzieren könnte.

Trumps Dilemma: Begrenzte Optionen gegen den Preisanstieg

Präsident Trump steht unter Druck, die explodierenden Ölpreise einzudämmen, verfügt jedoch über begrenzte Mittel. Er betonte, es handele sich um ein "kurzfristiges" Problem, das mit dem Ende des Krieges gelöst sei. Seine Rhetorik, wie die Behauptung, der Iran-Krieg sei "sehr vollständig" oder "praktisch vorbei", führte zu einer sofortigen Marktreaktion, bei der der WTI-Rohölpreis von fast 120 US-Dollar auf unter 90 US-Dollar fiel. Die Wirkung dieser Aussagen könnte jedoch nur von kurzer Dauer sein, wenn keine konkreten Maßnahmen folgen.

Zu den diskutierten Optionen gehören die Eskortierung von Tankern durch die US-Marine (bisher ohne Anzeichen einer Umsetzung) und die Freigabe strategischer Ölreserven. Trump spielte die Bedeutung der strategischen US-Reserven (415 Millionen Barrel) herunter. Experten wie Andy Lipow von Lipow Oil Associates bezweifeln jedoch, dass eine Freigabe ausreichen würde, um den Verlust von 20 Millionen Barrel Öl pro Tag durch die Straße von Hormus zu kompensieren. Auch die G7-Staaten sind in Bezug auf eine Freigabe strategischer Reserven noch nicht einig. Eine weitere Möglichkeit wäre die Lockerung von Sanktionen gegen russisches Öl, wie sie bereits für Indien temporär zugelassen wurde.

Wirtschaftliche Auswirkungen und historische Vergleiche

Der Ölpreisschock trifft die Konsumenten genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Steuerrückerstattungen aus dem OBBBA erwartet werden. Gabriel Shahin, CEO von Falcon Wealth Planning, schrieb, dass diese höheren Ölpreise das gesamte Geld, das durch Steuerrückerstattungen zur Steigerung der Konsumausgaben gedacht war, in Energiekosten umleiten. Dies würde den erwarteten wirtschaftlichen Aufschwung zunichtemachen. Dan Niles, Portfolio Manager bei Niles Investment Management, sieht die Situation hingegen so, dass die Rückerstattungen der Wirtschaft helfen könnten, die höheren Ölpreise zu verkraften, ähnlich wie Konsumenten bereits 2022 und 2023 mit ähnlichen Preisen umgingen, ohne dass es zu einer Rezession kam.

Viele an der Wall Street ziehen Parallelen zum Preisanstieg vor vier Jahren nach der russischen Invasion in der Ukraine. Stephanie Roth warnt jedoch vor einer zu starken Abhängigkeit von diesem Vergleich. Sie merkte an, dass das wirtschaftliche Umfeld heute anders sei: Die Kerninflation lag damals bei 5,5 Prozent gegenüber 3 Prozent heute, und das Beschäftigungswachstum betrug rund 500.000, verglichen mit 37.000 in den letzten Monaten. Zudem belasten Trumps Zölle, wie der 10-prozentige Zoll auf 34 Prozent der US-Importe und 50-prozentige Zölle auf Stahl und Aluminium, die Wirtschaft zusätzlich. Diese Zölle könnten laut Tax Foundation fast ein Drittel der langfristigen wirtschaftlichen Effekte des OBBBA aufheben.

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