
OpenAI zieht Sora den Stecker: KI-Videogenerierung vor Umbruch
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OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, zieht seiner viralen KI-Video-App Sora den Stecker. Die Entscheidung folgt auf wachsende Bedenken hinsichtlich Deepfakes und nicht-einvernehmlicher Inhalte, die durch die einfache Generierung von Videos mittels Texteingabe ermöglicht wurden. Während die ältere Version Sora 1 am 13. März 2026 in den USA offiziell eingestellt wird, kämpft der Nachfolger Sora 2 mit technischen Problemen und ist zunehmend hinter kostenpflichtigen Abonnements verborgen.
OpenAI zieht Sora den Stecker
OpenAI gab am Dienstag in einer kurzen Social-Media-Nachricht bekannt, sich "von der Sora App zu verabschieden". Das Unternehmen versprach, bald weitere Informationen zur Sicherung der von Nutzern erstellten Inhalte bereitzustellen. "Was Sie mit Sora gemacht haben, war wichtig, und wir wissen, dass diese Nachricht enttäuschend ist", hieß es in der Mitteilung.
Die Sora App ging im vergangenen Herbst viral, nachdem sie im September als Plattform für das Teilen von KI-generierten Kurzvideos veröffentlicht wurde. OpenAI wollte damit die Aufmerksamkeit und potenzielle Werbeeinnahmen von Plattformen wie TikTok, YouTube oder Meta-eigenen Instagram und Facebook gewinnen.
Von viralem Erfolg zu regulatorischen Bedenken
Der schnelle Erfolg der KI-Videogenerierung weckte jedoch auch Bedenken in Hollywood und bei zahlreichen Interessengruppen, Akademikern und Experten. Die Möglichkeit, realistische Deepfakes und nicht-einvernehmliche Bilder durch einfache Texteingaben zu erstellen, führte zu einer Flut von "AI slop" und ethischen Diskussionen.
OpenAI sah sich gezwungen, gegen KI-Kreationen von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – darunter Michael Jackson, Martin Luther King Jr. und Mister Rogers – vorzugehen, die in bizarren Szenarien dargestellt wurden. Dies geschah erst nach einem Aufschrei von Familiennachlässen und einer Schauspielervereinigung.
Das Ende von Sora 1 und der Übergang zu Sora 2
Am 13. März 2026 wird OpenAI die Version Sora 1 in den Vereinigten Staaten offiziell einstellen. Sora 2 wird dann als einziges Angebot fortgeführt. Sora 1 wurde im Dezember 2024 öffentlich als Sora Turbo eingeführt, eine verbesserte Version der ursprünglichen Demo vom Februar 2024.
Sora 2 brachte deutliche Verbesserungen mit sich, darunter eine bessere Physik, audiovisuelle Synchronisation und eine konsistentere Szenendarstellung über Clips hinweg. Sora 1 war hingegen bekannt für schwebende Objekte, Charakterwechsel zwischen Aufnahmen und Clips ohne Ton. OpenAI begründet die Umstellung damit, dass Sora 1 auf älteren Modellen und Infrastrukturen läuft und die Wartung zweier Systeme die Komplexität erhöht.
Herausforderungen bei Sora 2 und Kostenmodelle
Nach der Übernahme durch Sora 2 berichten Nutzer von einer Vielzahl von Problemen. Videos bleiben häufig bei 99 % der Fertigstellung hängen, es treten konstante "under heavy load"-Fehler auf, und bei neuen Konten sind die Generierungsfunktionen direkt deaktiviert. Das Content-Moderationssystem Sentinel wird zudem als überempfindlich kritisiert, da es normale Prompts häufig blockiert.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Preisgestaltung: Es gibt kurzfristig keine Hoffnung auf eine Rückkehr einer kostengünstigen Sora-Version. OpenAI schränkt den kostenlosen und kostengünstigen Zugang zu Sora umfassend ein und verlagert die Videogenerierungsfunktionen hinter Plus- ($20/Monat) und Pro-Abonnements ($200/Monat).
Datenmigration und Auswirkungen für Nutzer
Mit der Abschaltung von Sora 1 gehen alle darauf erstellten Generierungen, Likes und Remixes verloren. Es gibt keine automatische Migration. Nutzer, die ihre Inhalte behalten möchten, müssen diese vor dem 13. März 2026 manuell exportieren.
Der Datenexport kann über "Settings > Data Controls > Export data" in der Sora Web-App erfolgen. Der Export umfasst Inhalte von Sora 1, Sora 2 und ChatGPT und wird als Datei an die registrierte E-Mail-Adresse gesendet. Die Bildgenerierung innerhalb von Sora wird ebenfalls eingestellt; Nutzer werden für die Bilderstellung zukünftig an ChatGPT verwiesen, da sich Sora 2 ausschließlich auf Video konzentriert. Die Regelung gilt zunächst für die USA; Nutzer in anderen Ländern behalten Sora 1, bis Sora 2 in ihrer Region eingeführt wird.
Disneys Reaktion und die Zukunft der KI-Videogenerierung
Disney, das im vergangenen Jahr eine Vereinbarung mit OpenAI getroffen hatte, um seine Charaktere in Sora zu integrieren, erklärte in einem Statement, man respektiere "OpenAIs Entscheidung, aus dem Videogenerierungsgeschäft auszusteigen und seine Prioritäten anderweitig zu verlagern". Disney betonte die konstruktive Zusammenarbeit und die gewonnenen Erkenntnisse. Das Unternehmen werde weiterhin mit KI-Plattformen zusammenarbeiten, um neue Wege zu finden, Fans zu erreichen und gleichzeitig neue Technologien verantwortungsvoll zu nutzen, die geistiges Eigentum und die Rechte von Kreatoren respektieren.