
Oracle als KI-Hedge: Investoren sichern sich gegen Sektorrisiken ab
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Wall-Street-Investoren, die eine Kreditblase im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) befürchten, greifen zu einer unerwarteten Absicherungsstrategie: dem Short-Selling von Oracle Corp. (NYSE:ORCL). Dies geht aus den Einschätzungen von Ali Meli, CIO von Monachil Capital Partners, hervor, der Oracle als "günstige Absicherung" für breitere KI-Sektorrisiken bezeichnet.
Oracle als "günstige Absicherung" gegen KI-Kreditrisiken
Ali Meli erklärte gegenüber Yahoo Finance, dass Oracle sich als "günstige Absicherung" für Investoren etabliert hat, die gegen die Kreditrisiken kleinerer, privater KI-Infrastrukturunternehmen wie CoreWeave Inc. wetten wollen. Während die Bedenken hinsichtlich des Geschäftsmodells von CoreWeave zunehmen, sind die Kosten für die direkte Absicherung ihrer Schulden über Credit Default Swaps (CDS) unerschwinglich geworden.
Investoren nutzen daher Oracle-Shorts als Stellvertreter für das KI-Kreditrisiko. Da Oracle aggressiv Rechenzentren für viele dieser KI-Startups baut, bietet die Aktie ein liquideres und zugänglicheres Instrument für Händler, um bärische Ansichten über die finanzielle Gesundheit des Sektors auszudrücken, ohne die hohen Prämien zu zahlen, die mit Hochzins-Emittenten wie CoreWeave verbunden sind.
Die wachsende Belastung durch OpenAI
Ein zentraler Aspekt dieser Risikoexposition ist Oracles starke Abhängigkeit von OpenAI. Meli hob hervor, dass OpenAI – Oracles größter Kunde – Berichten zufolge fast 12 Milliarden US-Dollar pro Quartal verliert, basierend auf den Finanzinformationen von Microsoft Corp. (MSFT). "Es ist in der Tat ein großes Risiko", warnte Meli und wies auf die mangelnde Transparenz in den Finanzen von OpenAI hin.
Sollte der KI-Gigant in einen Liquiditätsengpass geraten oder seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen, stünde Oracle vor einem einzigartigen operativen Albtraum: Milliarden von Dollar in vertraglich gebundenen Rechenzentren, die möglicherweise nicht einfach für andere Kunden umfunktioniert werden können. Oracle ist zudem ein wichtiger Akteur im ambitionierten Stargate-Projekt, einer 500 Milliarden US-Dollar schweren Zusammenarbeit mit OpenAI und der SoftBank Group zum Aufbau grundlegender KI-Infrastruktur.
Finanzielle Belastung und steigende Kreditrisiken bei Oracle
Neben externen Risiken zeigt auch Oracles interne Bilanz Anzeichen von Belastung. Meli stellte fest, dass Oracles Investitionsausgaben (Capex) sich in den letzten sechs Monaten von 6 Milliarden auf 20 Milliarden US-Dollar mehr als verdreifacht haben, eine Expansion, die größtenteils durch Schulden finanziert wurde.
Infolgedessen weiten sich Oracles Kredit-Spreads aus, was signalisiert, dass die Anleihemärkte zunehmend vorsichtiger gegenüber der schnellen, kreditfinanzierten Expansion des Unternehmens werden. Der CDS-Markt für Oracle hat eine beispiellose Aktivität erlebt, die als "Absicherung gegen einen KI-Crash" interpretiert wird. Dies spiegelt eine wachsende Skepsis gegenüber der finanziellen Nachhaltigkeit des schnell wachsenden KI-Sektors wider.
Der Fünfjahres-CDS-Spread von Oracle stieg bis November 2025 auf fast 80 Basispunkte, ein erheblicher Anstieg von etwa 55 Basispunkten Anfang des Jahres, mit Spitzenwerten von bis zu 1,11 % jährlich. Das Handelsvolumen für Oracles Kreditderivate ist innerhalb von nur sieben Wochen auf geschätzte 5 Milliarden US-Dollar explodiert, im krassen Gegensatz zu etwas mehr als 200 Millionen US-Dollar vor einem Jahr. Dieser dramatische Anstieg markiert den steilsten Anstieg der Oracle-CDS-Spreads seit Ende 2023. Das Unternehmen plant zudem eine Schuldenemission von 38 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung neuer Cloud-Rechenzentren in den USA.
Der breitere Kontext: KI-Sektor und Energiebedarf
Die immense Kapitalintensität und die unsicheren Renditezeiträume von KI-Infrastrukturinvestitionen führen zu einer kritischen Neubewertung von Unternehmensbilanzen. Künstliche Intelligenz ist die stromhungrigste Technologie, die je erfunden wurde. Jedes Rechenzentrum, das große Sprachmodelle wie ChatGPT betreibt, verbraucht so viel Energie wie eine Kleinstadt.
Sogar Sam Altman, der Gründer von OpenAI, warnte: "Die Zukunft der KI hängt von einem Energiedurchbruch ab." Elon Musk äußerte sich noch deutlicher: "KI wird nächstes Jahr keinen Strom mehr haben." Diese Warnungen unterstreichen die enormen Herausforderungen und Risiken, die mit der rasanten Expansion des KI-Sektors verbunden sind.
Oracle-Aktie unter Druck
Die Aktien von ORCL sind in den letzten sechs Monaten um 15,74 % gefallen, liegen aber über das Jahr gesehen um 18,12 % im Plus. Am Freitag schloss die Aktie 0,41 % höher bei 195,71 US-Dollar pro Stück. Laut Benzingas Edge Stock Rankings weist Oracle kurz-, mittel- und langfristig einen schwächeren Preistrend und ein schlechtes Wert-Ranking auf.