
Palantir im Kreuzfeuer: Burrys Kritik trifft auf Trumps Verteidigung
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Der Kampf um die Vorherrschaft im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) hat eine politische Dimension angenommen. Nachdem der bekannte "Big Short"-Investor Michael Burry Palantir Technologies (PLTR) scharf kritisiert hatte, sprang Ex-Präsident Donald Trump dem Unternehmen zur Seite. Diese Auseinandersetzung hat den Aktienkurs von Palantir stark beeinflusst und wirft Fragen über die zukünftige Ausrichtung des KI-Sektors auf.
Michael Burrys Kritik an Palantir und der Aufstieg von Anthropic
Der renommierte Investor Michael Burry, Gründer von Scion Asset Management, hat Palantir Technologies (PLTR) erneut ins Visier genommen. In einem inzwischen gelöschten X-Post behauptete Burry, das KI-Startup Anthropic (ANTH.PVT) "esse Palantir das Mittagessen weg". Er untermauerte seine These mit dem explosiven Wachstum von Anthropic, dessen jährliche wiederkehrende Einnahmen (ARR) von 9 Milliarden auf 30 Milliarden US-Dollar gestiegen seien.
Burry verglich dies mit Palantirs langsamerem Wachstum, das 20 Jahre benötigte, um die 5-Milliarden-Dollar-Marke zu erreichen. Seiner Meinung nach agiert Palantir eher wie ein Beratungsunternehmen als ein reiner Softwareanbieter. Das stark auf Regierungsaufträge ausgerichtete Portfolio von Palantir bezeichnete er als "margenschwachen Anker".
Die Kritik Burrys konzentriert sich auf Palantirs Geschäftsmodell, das stark auf "Forward-Deployed Engineers (FDE)" angewiesen ist. Diese Ingenieure arbeiten oft monatelang vor Ort bei Kunden, um Systeme zu warten. Dies mache das Geschäftsmodell im Vergleich zu sofort einsatzbereiten KI-Lösungen wie Anthropic's Claude schwer skalierbar. Burry hält seit September 2025 eine Short-Position auf Palantir über langlaufende Put-Optionen.
Donald Trumps unerwartete Unterstützung für Palantir
Mitten in dieser Debatte erhielt Palantir unerwartete Unterstützung von Ex-Präsident Donald Trump. In einem Post auf Truth Social erklärte Trump, Palantir verfüge über "großartige Kampffähigkeiten und Ausrüstung". Er forderte Kritiker auf, "einfach unsere Feinde zu fragen".
Diese öffentliche Erklärung führte zunächst zu einem Anstieg des Palantir-Aktienkurses, bevor dieser wieder nachgab. Trumps Validierung lenkt den Fokus auf Palantirs Rolle im Bereich der nationalen Sicherheit. Während Anthropic im kommerziellen Sektor schnell skaliert, setzt Palantir auf diesen strategisch wichtigen Bereich.
Anthropic als direkter Herausforderer im KI-Markt
Anthropic, das von Burry als Palantirs Konkurrent genannt wird, hat ein beeindruckendes Wachstum gezeigt. Das Unternehmen bietet nach Burrys Einschätzung "einfachere, günstigere und intuitivere" KI-Lösungen an. Es hat sich schnell im kommerziellen Sektor etabliert, unter anderem durch eine mehrjährige Vereinbarung mit CoreWeave (CRWV).
Am 8. April lancierte Anthropic zudem "Claude Managed Agents", eine Cloud-Plattform, die es Unternehmen ermöglicht, KI-Agenten ohne eigene Infrastruktur zu entwickeln und einzusetzen. Frühe Anwender sind Notion, Rakuten, Asana und Sentry. Diese Plattform, die die Bereitstellungszeit von Monaten auf Tage verkürzen soll und ab 0,08 US-Dollar pro Sitzungsstunde kostet, stellt eine direkte Konkurrenz zu Palantirs Artificial Intelligence Platform (AIP) dar.
Interessanterweise geriet Anthropic im März in Ungnade beim US-Verteidigungsministerium (DoD) aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über KI-Sicherheitsvorkehrungen. Die Administration stufte das KI-Labor daraufhin als potenzielle Bedrohung für die nationale Sicherheit ein.
Palantirs Geschäftsmodell und aktuelle Kursentwicklung
Palantir verzeichnete im vierten Quartal 2025 einen Umsatz von 1,41 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 70 % im Jahresvergleich. Dies markierte das zehnte Quartal in Folge mit beschleunigtem Wachstum, und das Unternehmen schloss allein im vierten Quartal 180 Deals ab. Die Artificial Intelligence Platform (AIP) ist seit 2023 der primäre Wachstumstreiber im kommerziellen Bereich.
Trotz dieser Wachstumszahlen und Trumps Unterstützung steht der Aktienkurs von Palantir unter Druck. Im Jahresverlauf ist die Aktie um fast 30 % gefallen. Am 9. April sank sie um mehr als 8 % auf 129,25 US-Dollar pro Aktie und lag damit etwa 38 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch von rund 207 US-Dollar im November 2025.
Die Bewertung von Palantir bleibt hoch: Selbst nach den jüngsten Rückgängen wird die Aktie mit dem etwa 109-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, während der Sektormedian bei etwa dem 21-fachen liegt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der letzten zwölf Monate beträgt rund 200.